Erfahrungsbericht Die Regiorad-Verleihräder im Selbsttest

Rechberghausen / Evelyn Krix 02.11.2018
Seit diesem Jahr gibt es eine Station für Pedelecs zum Verleihen. Wir haben die Leihräder von Regiorad dem Selbsttest unterzogen.

Tick, Tick, Tick – dieses Geräusch hört man an der Pedelec-Station in Rechberghausen, wenn die Räder ihren Akku aufladen. Jeder Sattel ist mit einem Schützer versehen. „Du haust mich vom Sattel“, steht darauf – abwarten, ob das auf Gegenseitigkeit beruht.

Neben den Rädern steht eine Säule mit Touchscreen. Darüber kann man kein Rad buchen und ausleihen, wenn man nicht die passende Polygo-Card besitzt. Stattdessen sollen die Apps namens „Regiorad Stuttgart“ oder „Call a Bike“ auf das Handy geladen werden. Beide gehören zur Bahntochter DB Connect, die das Verleihsystem betreut.

Wir Testerinnen wollen zwei Räder leihen – die Polygo-Card haben wir nicht. In der App von Regiorad kann man zwischen drei Tarifen wählen: Basis, Polygo-Card und Tagespass. Letzterer kostet 15 Euro pro Rad.

Nach dem man der App all seine Daten von Namen, Geburtsdatum, Wohnort und E-Mail-Adresse verraten und bezahlt hat, bekommt man eine Nachricht. Darin steht ein Code, mit dem man sich in der App einloggen kann. In der Theorie einfach – bei unserem Test hat das nicht funktioniert.

Support muss uns helfen

Nach zwei Anrufen beim Support schaltet ein Mitarbeiter beide Räder frei. Die Nummer steht auf dem Lenker über einem Display, die allerdings nicht als Hilfe-Service gekennzeichnet ist. Auf der Webseite wird aufgeklärt: „Sollten Sie keinen Link und Code erhalten haben, ist eine telefonische Freischaltung notwendig. Wenden Sie sich in diesem Fall bitte an unseren telefonischen Kundenservice.“

Ausgereift scheint das Projekt noch nicht zu sein. „Leider gibt es derzeit noch kleinere technische Schwierigkeiten, deshalb ist die Station noch nicht voll in Betrieb und auch noch nicht eröffnet“, schreibt zum Beispiel Thea Heinzler in Vertretung für die Pressestelle der Stadt Eislingen. Die Radstation von Regiorad Stuttgart ist hier als Alternative für Pendler gedacht, die den Anschluss an den IRE-Zug, der nur in Göppingen hält, brauchen. Auch für Alltagsfahrer, Touristen oder Personen, die ein Pedelec ausprobieren möchten, hat man sich die Station angeschafft und hofft, dass auch noch weitere Städte entlang der Filstrasse mit einsteigen.

Die Gemeinde Wäschenbeuren sucht jetzt nach jemanden aus dem Ort, der sich dem Thema annimmt und eine Art Ansprechpartner für die Bürger wird, sagt Bürgermeister Karl Vesenmaier: „Wir müssen das begleiten. Wir stehen in ständigem Kontakt.“ Noch stecke das System in den Kinderschuhen. Mängel würden umlaufend an die Betreiber von Regiorad Stuttgart gemeldet werden – vor allem dafür, dass es dann ab dem Frühjahr funktioniert, wenn das Wetter wieder besser wird. „Wir bleiben am Ball – dass es ein Erfolgsmodell wird“, sagt Vesenmaier. Es laufe nicht alles von Anfang an optimal. „So ist es, wenn man neue Wege geht.“ Aber neue, umweltfreundliche Ideen müssten entwickelt und genutzt werden, findet er und hofft, dass Wäschenbeuren vielleicht ein Beispiel für andere Kommunen sein kann.

In Rechberghausen hat man selbst noch keine Erfahrungen gemacht, sagt Matthias Dichtl, Hauptamtsleiter im Rathaus. „Die Rückmeldungen aus der Bürgerschaft beschränkt sich auf eine.“ In der ersten Woche der Inbetriebnahme konnte eine Person aufgrund einer Störung innerhalb kein Rad ausleihen. Das Problem sei aber innerhalb von zwei Tagen behoben worden. „Der Gemeinde ist die Verbesserung der Mobilität der Bürger sehr wichtig“, sagt Dichtl. Weil sich ein Netz mit den umliegenden Orten gebildet hat, passe die Pedelec-Station gut nach Rechberghausen und erweitere das bisherige Mobilitätsangebot.

Der Akku funktioniert nicht

Nachdem unser Problem mit der Anmeldung und der Ausleihe aus der Welt geschafft wurde, stehen wir vor der nächsten Hürde: Bei einem Rad funktioniert der Elektroantrieb nicht. Eigentlich nicht schlimm, aber die Räder sind schwer und für Menschen, die auf den unterstützenden Antrieb angewiesen sind, daher nicht leicht zu handhaben. Mängel kann man schnell über die App melden. Wie lange der Akku des anderen, funktionierenden Rads hält – das erfährt man von dem Display am Lenker nicht. Nur bei der Ausleihe sieht man, ob er voll geladen ist. Wir fahren also nur ein Stück in Richtung Wäschenbeuren, drehen aber wieder um. Die Räder wollen wir an unserer Ausgangstation abgeben. Aber auch hier: Es funktioniert nicht. Das Display zeigt zwar an, dass das Rad abgegeben wurde, doch es lässt sich nicht mehr an die Ladestation andocken. Es werde ein Techniker geschickt, sagt ein Mitarbeiter am Service-Telefon.

„Du haust mich vom Sattel” – ein lustiger Spruch, aber umgehauen hat uns der Verleih-Service noch nicht. Die Idee und das Fahrerlebnis – wenn der Elektroantrieb funktioniert – schon. Wenn die Anmeldung schnell und reibungslos funktioniert, nimmt man das Angebot gerne wahr und radelt in die umliegenden Orte wie Eislingen, Wäschenbeuren, Schwäbisch Gmünd, Lorch oder vielleicht bald auch zu weiteren Zielen.

Info

Pedelecs kann man bei den Basis- und Polygocard-Tarifen pro Minute ausleihen. Eine kostet 10 Cent. Einen Kostenunterschied gibt es bei einer Ausleihdauer von maximal 24 Stunden: Im Basistarif kostet das 16 Euro, mit der Polygocard sind es 12 Euro.

Fahhrad Im Jahr bezahlt man in beiden Tarifen eine Gebühr von drei Euro pro Laufzeit. Ein Fahrrad kostet pro halbe Stunde einen Euro und für 24 Stunden maximal 10 Euro. Im Unterschied zum Tagespass kann man bei den anderen beiden Tarifen vier Räder auf einmal ausleihen. Die erste halbe Stunde bekommt man mit der Polygocard geschenkt.

Bei einem Tagespass kann man die Räder zwischen einem und drei Tagen ausleihen. Ein Tag kostet pro Rad 15 Euro, drei Tage 40 Euro. Maximal kann man zwei Räder auf einmal ausleihen. Die Kosten werden verdoppelt.

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