Ein gutes Jahr vor der nächsten Festspielsaison 2016 wird das Geheimnis des nächsten Stücks noch gut gehütet. Erst bei der Operetten-Gala im Oktober im Bad Boller Kurhaus soll sich der Vorhang heben. Dann sollen auch die neuen Geschäftsführer vorgestellt werden.

Außerdem kündigte Intendant Alexander Warmbrunn gegenüber der NWZ an, soll der zweijährige Produktionszyklus auf jährliche Aktivitäten verkürzt werden.

Längst wird hinter den Kulissen vor allem auch um die finanzielle Zukunft dieses Kultur-Höhepunkts im Landkreis gerungen. Denn die Festspiele brauchen ein tragfähiges finanzielles Fundament. Bisher stammte das Geld für die mittlerweile etwa 500.000 Euro teuren Produktionen zu 90 Prozent aus Kartenverkäufen. Den Rest steuerten Sponsoren bei.

Trotz guter Besucher-Auslastung sind die Finanzen aber traditionell auf Kante genäht. Das Finanzierungsmodell berge für die Festspiele ein zu großes Risiko, meint Intendant Alexander Warmbrunn, im Hauptberuf Kulturchef in Lindau. „Allein die ehrenamtlichen Akteure werden dadurch langfristig aufgerieben und demotiviert.“

Wenn er den Blick nach Schwäbisch Hall, Heidenheim oder Ötigheim richtet, dann könnte er richtig neidisch werden. In all diesen Städten fördere das Land die Festspiele mit Summen zwischen 142.000 Euro (Heidenheim) und 243.000 Euro (Schwäbisch Hall), so Warmbrunn. „Mit solchen Summen wären die finanziellen Sorgen der Stauferfestspiele beendet“, sagt der Intendant.

Deshalb setzen er und Geschäftsführer Markus Müller viele Hebel in Bewegung, um an eine solche Landesförderung zu kommen. Voraussetzung dafür, dass das Land seine Kultur-Schatulle aufmacht, ist laut Warmbrunn aber, dass auch Stadt und Landkreis am jeweiligen Festspielort mindestens 50.000 Euro beisteuern. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt und dem Landkreis“, sagt Warmbrunn

Die Stadt Göppingen leiste bereits „eine ordentliche Bezuschussung“, sagte die für Kultur zuständige Erste Bürgermeisterin in Göppingen, Gabriele Zull. Sie beziffert die Finanzförderung der Kommune auf jährlich 28.500 Euro, in Festspieljahren sogar fast 45.000 Euro.

Diese Summe setze sich zusammen aus direkten Finanzspritzen, aus Nachlässen bei Mietkosten und vor allem den Erlass der Vorverkaufsgebühren. „Wir stehen voll hinter den Festspielen“, sagt Gabriele Zull.

Und wie sieht es mit dem Landkreis aus? „Es gibt bislang kein Budget im Haushalt des Kreises Göppingen für die dauerhafte Förderung von Kultur- und Sportveranstaltungen“, heißt es aus dem Landratsamt. „Die Kreissparkasse Göppingen ist Hauptsponsor der Stauferfestspiele. Ähnlich verhält es sich beispielsweise auch bei Musik auf Schloss Filseck.“

Für eine feste finanzielle Förderung müssten diese Freiwilligkeitsleistungen vom Kreistag beschlossen werden. Das könne aber nur in Form allgemeiner Richtlinien geschehen. Nur so könnten Benachteiligungen anderer Großveranstaltungen wie die Klosterfestspiele Adelberg oder Musik auf Schloss Filseck vermieden werden, teilte die Behörde mit.

Der Landkreis nimmt für sich in Anspruch, dass „die Stauferfestspiele und auch andere kulturelle Highlights eine große Wertschätzung durch den Landrat und die Kreispolitik erfahren“. Schon bislang unterstütze der Landkreis die Stauferfestspiele im Rahmen seiner Möglichkeiten – beispielsweise durch Werbung. Landrat Edgar Wolff und Sparkassen-Chef Hariolf Teufel beteiligen sich aktiv an der Sponsorensuche.

Alexander Warmbrunn ist weiterhin zuversichtlich, dass es mit Unterstützung des Finanz-Staatssekretärs Peter Hofelich, mit dem er bereits gesprochen hat, zu einer engeren Partnerschaft zwischen Stadt, Landkreis, Land und Sponsorenfirmen aus der Region kommen wird. Das wäre „ein starker Verbund und ein wichtiges Signal für das ehrenamtliche und das kulturelle Miteinander in unserer Region“.

Die Stauferspiele: 60.000 Besucher bei fünf Produktionen

Regional Mit jeweils etwa 250 Mitwirkenden beweisen die 2005 gegründeten Stauferfestspiele eine starke regionale Verwurzelung: beim Organisationskomitee, beim Chor, beim Orchester und teils auch bei den Solisten. Für ein hohes künstlerisches Niveau sorgen internationale Sängergrößen.
Erfolg In den zehn Jahren des Bestehens verzeichneten die Festspiele in fünf Produktionen mehr als 60 000 Besucher in der Werfthalle im Stauferpark. Die Produktionen: 2006: Der Vogelhändler, 2008: Eine Nacht in Venedig, 2010: Die Fledermaus, 2012: Im Weißen Rössl, 2014: Der Zigeunerbaron.
Leuchtturm In den Stauferfestspielen sieht Intendant Alexander Warmbrunn „einen Leuchtturm für das Miteinander von engagierten Amateuren und Profis unter Einbindung von Mitwirkenden aus über 40 Vereinen.“ Sie hätten sich damit überregional einen Namen gemacht.
Gala Die nächste Veranstaltung ist die Operetten-Gala zum zehnjährigen Bestehen am 23. Oktober, um 19.30 Uhr und am 24. Oktober um 14 Uhr und um 19.30 Uhr in Bad Boll im Kurhaus, königlicher Festsaal. Mit dabei sind bekannte Solisten, der Festspielchor, die Württembergischen Symphoniker.