Süßen Die Lage auf den Baustellen von Kellerbau

Am Habichtsweg in Eislingen errichtet die Firma Kellerbau derzeit ökologische, hochwertige Reihenhäuser.
Am Habichtsweg in Eislingen errichtet die Firma Kellerbau derzeit ökologische, hochwertige Reihenhäuser. © Foto: Giacinto Carlucci
DANIEL GRUPP 09.08.2012
Die Insolvenzverwaltung prüft weiter die finanzielle Lage der insolventen Firma Kellerbau. Im vorigen Jahr haben die Süßener einen Umsatz von 49 Millionen Euro erzielt. Dabei sei auch was verdient worden.

"Das Ziel ist, die Baustellen weiter zu betreiben", sagte am Mittwoch ein Sprecher des Rechtsanwalts Michael Pluta, den das Amtsgericht Göppingen zum vorläufigen Insolvenzverwalter für die Süßener Firma Johannes Kellerbau GmbH bestimmt hat. Derzeit würden mit Lieferanten und Auftraggebern Gespräche geführt. Wo dies gelungen ist, waren die Kellerbau-Mitarbeiter am Mittwoch, dem zweiten Tag nach dem Insolvenzantrag, wieder auf den Baustellen. Auf den meisten Baustellen sei gearbeitet worden, bestätigt Gewerkschaftssekretär Hartmut Zacher. Zu Stillständen kam es dort, wo Material fehlte. Meistens fehle Beton. "Die Betonwerke liefern erst, wenn klar ist, wer bezahlt", erläutert der Mann von der IG Bau, Agrar, Umwelt. Zacher erwartet aber, dass der Insolvenzverwalter dies in den nächsten Tagen regelt.

Die Süßener Firma hat nach Angaben der Insolvenzverwaltung im vorigen Jahr einen Umsatz von 49 Millionen Euro erzielt. Mit seinen 248 Arbeitsplätzen ist Kellerbau nach der Leonhard Weiss GmbH zweitgrößter Baukonzern im Kreis Göppingen. Die Firma ist nach Angaben des Gewerkschaftsvertreters auf Hochbauprojekte spezialisiert - "ein großer Mittelständler". Zacher erwartet, dass Insolvenzverwalter Pluta in den kommenden beiden Wochen vor allem Gespräche führen und versuchen wird, sich ein Bild von der wirtschaftlichen Situation der Firma zu machen. "In den ersten 14 Tagen herrscht große Aufregung. Es wird aber nicht viel passieren", weiß der IG-Bau-Vertreter aus Erfahrung.

Firmenvermögen auf dem Prüfstand

In dieser Phase werde auch das Firmenvermögen untersucht und geprüft, ob es in den vergangenen Jahren Entnahmen durch die Eigentümer gegeben habe. Zacher hat aber in Fall von Kellerbau keine Hinweise in diese Richtung. Insgesamt stellt er der Firma ein gutes Zeugnis aus. Mit gut ausgebildeten Mitarbeitern verwirklichten die Süßener anspruchsvolle Projekte. Seiner Ansicht nach kam nicht nur für die Belegschaft, sondern auch für die Geschäftsführung um Dieter Meyer-Keller die Insolvenz überraschend. Seines Wissens nach habe die Firma in vergangenen Jahren vor Steuern Geld verdient. Es hätten sich keine roten Zahlen über Jahre hinweg aufgetürmt.

Dies deutet auch Pluta an, der feststellt, das Meyer-Keller frühzeitig den Insolvenzantrag gestellt habe, nachdem einige größere Bauvorhaben zu Verlusten geführt hätten. Somit scheint klar zu sein, dass Kellerbau nicht überschuldet ist. Dieser Umstand würde die angestrebte Fortführung der Firma erheblich erleichtern.

Welche Projekte die großen Verlustbringer sind, wollte die Insolvenzverwaltung nicht sagen. Zunächst stehen die Verhandlungen mit verschiedenen Auftraggebern an. "Schon ein großer Auftrag kann zu Problemen führen", erläutert Zacher. "Die Firmen strecken die Kosten für Material und Löhne vor. Wenn dann ein Auftraggeber die letzte Zahlung zurückhält, etwa 300.000 Euro ..." , macht er die Problematik deutlich. Bis das Geld endlich in der Firmenkasse sei, benötigten die Baufirmen oft teure Zwischenkredite. Komme es zu zwei, drei solcher Ausfälle, liege es nicht einmal an der Firma, wenn sie in Schieflage gerate. Denn die Eigenkapitaldecke sei generell auf dem Bausektor eher dünn.