Göppingen Die Jüdin Sophie Bodenheimer stirbt nach ihrer Deportation

Sophie Bodenheimer ist im renommierten Hotel Dettelbacher am Göppinger Bahnhof groß geworden. Bereits 1939 wurde es abgerissen. Foto: Archiv
Sophie Bodenheimer ist im renommierten Hotel Dettelbacher am Göppinger Bahnhof groß geworden. Bereits 1939 wurde es abgerissen. Foto: Archiv
Göppingen / MARGIT HAAS 19.09.2012
Sophie Bodenheimer ist im renommierten Hotel Dettelbacher am Bahnhof groß geworden. Sie heiratete den Kantor der Synagoge, stirb im Alter von 79 Jahren in Theresienstadt an den Folgen der Strapazen.

Am Bahnhof, direkt dort, wo die Reisenden ankamen, fand sich lange Jahre das renommierte Hotel Dettelbacher. Bereits 1939 war es abgerissen worden. Dort war die kleine Sophie als fünftes von zehn Kindern von Meier und Jette Dettelbacher geboren und aufgewachsen. 1888 heiratet sie den Kantor der Synagoge, Carl Bodenheimer. Rabbiner Aaron Tänzer sagte über ihn: "Er genoss Ansehen in allen Kreisen der Stadt, in deren künstlerischen Vereinen er sich gleichfalls mit Erfolg betätigt hat."

Sophie engagiert sich im "Israelischen Frauenverein", tritt aber sonst kaum in Erscheinung. Vier Kinder werden dem Paar zwischen 1889 und 1902 geboren. Im Jahre 1925 verstirbt Sophies Mann. Über die nächsten zehn Jahre ihres Lebens ist kaum etwas bekannt. Vielleicht hat sie ihrer Schwester im Hotel Dettelbacher geholfen. Nach dem Tod ihres Mannes wird sie wohl aus der Dienstwohnung im Rabbinerhaus ausgezogen sein, wohnte zunächst in der Marstallstraße 43.

Die Gehaltsliste der Göppinger Israelitischen Gemeinde von 1937 birgt eine Überraschung: Im Alter von 74 Jahren erteilt Sophie für kurze Zeit Religionsunterricht und wird dafür entlohnt. Das belegt, dass sie nicht nur die Frau des Kantors war, sondern ein profundes Wissen gehabt haben muss. 1939 wohnt Sophie in der Frühlingsstraße 29.

Hedwig Frankfurter steht in brieflichem Kontakt mit Sophies Tochter Emilie Levinger in Argentinien. Hier finden sich ihre letzten Lebensspuren. "Ihre Mutter ist erstaunenswert rüstig und ihre Abgeklärtheit und Ruhe sind mir stets ein nachahmenswertes Vorbild", schreibt sie im April 1942.

Im Juli werden Sophie und ihre Schwester Frieda in das Zwangsaltenheim Delmensingen verlegt. Frieda stirbt dort. Sophie wird nach Theresienstadt deportiert, stirbt schon am 24. September 1942 an den mörderischen Lebensumständen. Auf der "Todesfallanzeige" genannten Sterbeurkunde schrieb der jüdische Arzt, in die Spalte "Todes-ursache": Herzasthma. Die wirkliche Todesursache konnte oder durfte der jüdische Arzt nicht schreiben.