Göppingen / CONSTANTIN FETZER Jürgen Furtak ist seit Dezember von der Handwerkskammer vereidigter Fliesensachverständiger - der nach eigenen Angaben einzige im Landkreis. Im Interview spricht er über häufige Fehler auf Baustellen.

Herr Furtak, wer beauftragt Sie als Fliesensachverständigen?

JÜRGEN FURTAK: Das ist unterschiedlich - es können zum einen die Handwerker sein, als auch die Bauherren. Ein Gericht kann ein Gutachten in Auftrag geben oder auch Versicherungen und Hausverwaltungen. Der Sachverständige ist immer dann gefragt, wenn es zu keiner Einigung zwischen den Parteien kommt.

Sie sind also ganz neutral, auch wenn Sie selber Handwerker sind?

FURTAK: Natürlich. Es kommt ja durchaus vor, dass auf einer Baustelle etwas schief läuft - da habe ich schon sehr abenteuerliche Dinge erlebt. Da muss das Ziel eine schnelle Klärung sein, ganz unvoreingenommen. Es kommt vor, dass der Handwerker nachbessern muss und manchmal hat der Bauherr auch nur das Gefühl, etwas sei mangelhaft ausgeführt. Meine Aufgabe ist es dann, die Fakten aufzunehmen und Fehler zu erkennen.

Gibt es da objektive Bewertungsrichtlinien?

FURTAK: Die gibt es - und darum kann ich ja auch ganz neutral bewerten. Es gibt fachliche Vorgaben: die DIN Normen, die beinahe jede Einzelheit beschreiben und gegebenenfalls als zusätzliche Grundlage: die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB). Die ausgeführten Arbeiten werden objektiv nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik bewertet. Immer wieder werden unter Zeitdruck die Trocknungsphasen nicht eingehalten und es kommt dadurch zu Schäden. Oft werden auch Materialauswahl beim Kleber, die falsche Fugenbreite oder fehlende Bewegungsfugen zur Fehlerquelle.

Was heißt "oft"?

FURTAK: Ich denke, dass sich das schon noch in Grenzen hält. Dies sind Fehlerbeschreibungen, bei denen ich als Meisterbetrieb schon mit einer Sanierung beauftragt wurde. Ich selbst bin ja erst seit Dezember vereidigt und während meiner Ausbildung habe ich viele solcher Beispiele und derartige Problemstellungen kennengelernt. Nicht in jedem Fall wird die Hilfe eines Sachverständigen benötigt - offensichtliche Mängel können auch direkt zwischen Handwerker und Bauherrn geklärt werden.

Das heißt, Sie werden bei versteckten Fällen gerufen?

FURTAK: Richtig - auf meinem Schreibtisch landen eher die kniffligen und grenzwertigen Fälle, Fälle bei denen die Sachlage nicht eindeutig ist. Hier erstelle ich dann ein objektives Gutachten als Grundlage für eine weitere Vorgehensweise oder einen eventuellen Lösungsweg. Des Weiteren bewerte ich auch Leistungen und Preise von Fliesenlegern generell. Selbstverständlich können sich auch private Bauherren bei Problemen an mich wenden. Denn es gibt verschiedene Fragestellung, die sich schon vor Beginn der Arbeiten ergeben, beispielsweise die Bestimmung und Bewertung der Restfeuchte des Estrichs.

Was raten Sie einem Bauherren bei der Beauftragung eines Handwerkers?

FURTAK: Nun, wie im richtigen Leben sollte man bei der Auswahl des Partners sorgfältig vorgehen und mit gesundem Menschenverstand beauftragen. Es muss einfach passen. Empfehlenswert sind etablierte Firmen, die in der Innung sind, oder die Handwerksmeister eingestellt haben. Das gilt nicht nur für das Fliesen-Gewerk, sondern auch für alle anderen. Man sollte stets bedenken, dass Qualität ihren Preis hat und billig nicht immer auch gut bedeutet. Natürlich kann immer etwas schief gehen - davor ist niemand sicher. Und genau darum gibt es ja mich als Sachverständigen, ich helfe dann gerne weiter.


Zur Person

Jürgen Furtak, Jahrgang 1966, ist Fliesenleger-Meister sowie Techniker mit der Fachrichtung Bautechnik sowie Mitglied in der Fliesenlegerinnung Stuttgart. Seit 2006 ist er selbstständiger Handwerker und wurde 2012 von der Handwerkskammer Region Stuttgart als öffentlich vereidigter Sachverständiger für das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk bestellt.