Kälte Die Felder liegen noch brach

Die Frühjahrsblüher sind in diesem Jahr noch keine Verkaufsschlager. So wie hier im Faurndauer Gärtnerhof Jeutter haben die Gärtner nur Arbeit damit - und die Kundschaft bleibt wegen der Witterung aus. Foto: Giacinto Carlucci
Die Frühjahrsblüher sind in diesem Jahr noch keine Verkaufsschlager. So wie hier im Faurndauer Gärtnerhof Jeutter haben die Gärtner nur Arbeit damit - und die Kundschaft bleibt wegen der Witterung aus. Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / DIRK HÜLSER 27.03.2013
Eine geschlossene Schneedecke auch im Tal - und das Ende März. Nicht normal, aber auch noch nicht schlimm. Landwirte und Gärtner warten auf wärmeres Wetter. Ab heute soll es beginnen zu tauen.

Hermann Färber ist trotz des Winterwetters zu Frühlingsbeginn noch sehr gelassen - und das Geschäft geht dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbands auch nicht aus. "Der Landwirt hat immer seine Arbeit und ich kenne keinen, der sagt, mir ist langweilig." Dennoch ist 2013 vieles anders als im Vorjahr. "Letztes Jahr um diese Zeit war das Getreide schon komplett gesät", erinnert sich Färber. "Das war außergewöhnlich früh - und dieses Jahr ist es eben außergewöhnlich spät." Die Feldarbeit im Landkreis sei eigentlich noch komplett unerledigt, lediglich Bauern im Filstal hätten schon "das ein oder andere gemacht". Auf der Alb - Färbers Hof ist in Böhmenkirch - sei aber noch gar nichts passiert.

"Das ist jetzt noch nicht dramatisch", meint Färber, lang dürfe die Frostperiode aber nicht mehr andauern: "Wenn es nach Ostern so weitergeht, werden wir schon unruhig. Doch jetzt haben wir eigentlich noch drei Wochen, wo wir alles machen können." Das erste Grünfutter werde im Tal ohnehin erst Ende April geschnitten, auf der Alb ab dem 10. Mai. Genügend Zeit also. Natürlich könnten beispielsweise auch Frühkartoffeln noch nicht gesteckt werden, doch auch das sei noch kein Problem - zumal die Erdäpfel bei Landwirten im Kreis Göppingen kein großes Thema seien.

Färber verweist darauf, dass ein früher Frühlingsbeginn durchaus auch Nachteile habe - so wie zum Beispiel im vergangenen Jahr: Da kam der Winter zurück. "Um den 18. Mai sind bei uns nochmals zehn Zentimeter Schnee gefallen", sagt der Landwirt und meint deshalb: "Wenn der Winter sich früh verabschiedet, ist ein spätes Intermezzo nicht unwahrscheinlich - aber wir brauchen Mitte Mai keinen Schnee mehr."

Auf die weiße Pracht verzichten kann auch Gärtnermeister Frieder Rauschnabel aus Göppingen. Er bleibt auf seinen Frühjahrsblühern wie Stiefmütterchen und Primeln sitzen. "Der Verkauf an Privatkunden war so gut wie null bisher." Nicht genug, die Pflanzen, die keiner will, verursachen auch noch Kosten: "Die brauchen ein bisschen viel Heizung im Moment." Hinzu kommt, dass die neue Ware schon im Anmarsch ist. "Für Jungpflanzen wie Begonien fehlt uns jetzt der Platz zum Aufstellen", bedauert Rauschnabel. Und die Frühblüher müssten auch noch gehegt und gepflegt werden. "Die verblühten Blüten bei Stiefmütterchen etwa kann man auch ausputzen - aber verdient ist dann nichts mehr an den Pflanzen."

Ein anderes großes Problem ist für Rauschnabel der Friedhof. Dort betreut er als Friedhofsgärtner jede Menge Gräber - und die Angehörigen wollten diese an Ostern gerne frisch gerichtet haben. "Wir haben ein bisschen was eingesetzt, jetzt können wir aber gerade nichts mehr machen. Bis Ostern werden wir nicht alles schaffen." Denn der Gärtner hat neben dem langen Winter das Problem, dass Ostern in diesem Jahr auf einen extrem frühen Termin fällt.

Auch Landschaftsgärtner Martin Jeutter aus Faurndau verkauft nebenher Frühblüher an seine Kundschaft, meint aber zur Saison 2013: "Die Leute sind nicht motiviert." Sein Kerngeschäft, der Garten- und Landschaftsbau, muss in diesem Jahr auch noch warten. "Die Saison hatte tatsächlich begonnen, ist aber jäh wieder unterbrochen worden", bedauert Jeutter. Doch ihm ist nicht bange, im Prinzip brummt das Geschäft - wenn der Schnee denn weg ist. "Wir können in der ganzen Branche auf eine gute Auftragslage blicken." Vor allem Privatkunden würden wieder verstärkt in ihre Gärten investieren.

Wenn jetzt der letzte Schnee geschippt, das letzte Eis gekratzt und das letzte Salz gestreut ist, werden die Menschen sich noch wundern - "wie schnell man die Natur draußen nicht mehr wiedererkennt". Dessen ist sich Landwirt Färber sicher.

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