Göppingen Süßes Naschwerk aus dem Guss

Göppingen / Maximilian Haller 12.03.2018
Zuckerhasengießen scheint eine vergessene Kunst zu sein. Im Museum am Storchen erwachte sie am Sonntag wieder zum Leben.

Süßspeisen in Hasenform gehören seit jeher zum Osterfest. Doch während man heutzutage fast ausschließlich auf ihre Schokoladen-Vertreter trifft, sind Zuckerhasen in Vergessenheit geraten. Konditormeisterin Christina Speißer-Eberhardinger von der Bäckerei Rau aus  Ebersbach-Roßwälden gehört zu den wenigen, die die Kunst des Zuckerhasengießens noch beherrschen. Am Sonntag konnten Interessierte im Göppinger Museum im Storchen die Herstellung der Zuckerhasen miterleben.

„Es ist eigentlich eine wunderschöne und meditative Arbeit“, erzählt Speißer-Eberhardinger, während sie die Temperatur der roten Masse im Kochtopf misst. Erst bei 150 Grad hat die Mischung aus Zucker, Glukose, Wasser und – in diesem Fall – roter Lebensmittelfarbe ihre ideale Temperatur erreicht. Die Lebensmittelfarbe sei eigentlich geschmacklos, allerdings würden viele Menschen die rote Farbe der Zuckerhasen mit Kirschgeschmack in Verbindung bringen, erzählt Konditorin Speißer-Eberhardinger. „Ich weiß ja, was drin ist, aber das Gehirn trickst einen da einfach aus“, berichtet sie lachend.

Als die Zuckermasse bereit ist, in die aus Zinn oder Aluminium gefertigten Gussformen gefüllt zu werden, haben sich schon gut 30 Besucher neugierig um den Tisch versammelt. Für viele der älteren Menschen sind die Zuckerhasen mit Kindheitserinnerungen verbunden. Doch auch viele Kinder sind dabei und betrachten fasziniert die verschiedenen Formen. Für sie sind Zuckerhasen etwas völlig Unbekanntes, denn die alte Handwerkskunst wird im Grunde kaum noch weitergegeben.

In der Bäckerei Rau bereitet Christina Speißer-Eberhardinger jeden Dienstagnachmittag Zuckerhasen zu. Die Nachfrage sei groß, vor allem weil kaum noch jemand die Süßigkeit herstelle. „Viele der Formen, die in der Bäckerei zum Gießen benutzt werden, sind ungefähr 150 Jahre alt“, erzählt die Konditormeisterin. Die meisten Bäckereien hätten die Formen in der Vergangenheit verkauft, denn das schwere Metall erzielt auf dem Schrottplatz einen guten Preis.

Eine der Formen – ein Storch – ist ein Geschenk von Annelie Schmitt. Die Seniorin ist heute ebenfalls dabei und freut sich über einen Zuckerstorch als Erinnerung. „Früher gab es nur zu Ostern und Weihnachten etwas Süßes“, erzählt sie. Das habe die Zuckerhasen zu etwas ganz Besonderem gemacht. Die Storchenform habe sie gern der Bäckerei Rau überlassen. „Macht ja sonst keiner mehr“, sagt die Frau.

Die Zuckerhasen sind inzwischen fertig. Man müsse schnell arbeiten und die Formen hin- und herdrehen, bis die Zuckermasse innen abgekühlt sei, erklärt Speißer-Eberhardinger.  „Sonst fallen sie in sich zusammen.“ Der schönste Moment sei allerdings immer das Aufmachen, zumindest, solange die Zuckerhasen geglückt sind, erzählt sie schmunzelnd. Die fertigen Hasen werden verpackt und können von den Besuchern gekauft werden.

Die Kinder dürfen vorab schon mal von den Bruchresten naschen. Geschmeckt hat es ihnen scheinbar gut, und vielleicht entsteht hier ja eine ganz neue Begeisterung für diese alte Kunst.

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