Die Alte Dorfkirche in Bartenbach gibt es seit mehr als 650 Jahren, seit 1767 steht sie so da wie heute. Sie zu verkaufen, war daher keine einfache Entscheidung – und das, obwohl sich die evangelische Kirchengemeinde in Bartenbach bereits 1974 ein neues Gemeindezentrum gebaut hat, wo seitdem das kirchliche Leben stattfindet.

Als Pfarrer Gerhard Steinbach 2012 nach Bartenbach kam, schien der Verkauf an die Armenische Gemeinde kurz vor dem Abschluss zu stehen. Immerhin nutzt die Armenische Gemeinde Baden-Württemberg mit ihren insgesamt 5000 Mitgliedern die Kirche unter dem Namen „Heilig Kreuz Kirche“ als Mieter bereits seit 1983. Rund 60 armenische Christen aus dem Bereich Göppingen bis Ulm besuchen jeden Sonntag den Gottesdienst in Bartenbach, zu großen Veranstaltungen kommen bis zu 350 Personen aus dem gesamten Ländle.

Oberkirchenrat zögerte

Dann jedoch zögerte der Oberkirchenrat mit seinem Ja zum Verkauf, der Kirchenbezirk Göppingen dagegen wollte keine Kirche weiterfinanzieren, die nicht mehr von den eigenen Leuten genutzt wird, alteingesessene Bartenbacher wehrten sich gegen einen Verkauf, die Kirchengemeinde suchte Alternativen für eine weitere Nutzung der Kirche. Aber auch die Armenier überlegten sich, ihr württembergisches Zentrum vielleicht nach Stuttgart zu verlagern. „Es war ein Findungsprozess auf beiden Seiten“, so drückt sich Gerhard Steinbach aus. Jetzt jedoch seien alle Betroffenen froh darüber, dass am 18. Dezember tatsächlich der Kaufvertrag zwischen der evangelischen und der armenischen Kirchengemeinde notariell besiegelt wurde. „Ich habe das Gefühl, die Kirche ist jetzt in guten Händen“, sagt Steinbach, und sein armenischer Kollege, Dr. Diradur Sardaryan, empfindet große Dankbarkeit, wie er sagt: „Wir Armenier feiern hier seit über 35 Jahren Gottesdienst. Die Kirche ist zu unserer Heimat geworden.“

Er weiß, dass mit dem Kauf der Kirche eine große finanzielle Bürde auf seiner Gemeinde lastet. „Wir erhalten keine Kirchensteuer oder sonstige Unterstützung. Als eingetragener Verein sind wir allein auf Spenden angewiesen. Aber wir glauben, dass Gott uns hilft.“

Kirche muss saniert werden

Die denkmalgeschützte Kirche muss dringend saniert werden. Vom Fundament über die Außenmauern bis zum Dach ist alles renovierungsbedürftig und auch der gesamte Innenraum muss saniert und gerichtet werden. Dafür würden momentan Gespräche mit dem Denkmalamt und den Architekten geführt, danach wolle er in seiner Gemeinde, aber auch in Bartenbach und darüber hinaus für eine Spendenaktion werben.

„Wir wollen die Kirche innen möglichst schlicht gestalten“, erzählt Pfarrer Diradur Sardaryan. Seiner Gemeinde sei es wichtig, die Kirche als offene Kirche zu gestalten und damit auch die evangelischen Christen willkommen zu heißen „Sie soll an einigen Tagen unter der Woche geöffnet sein als Ort der Stille oder um eine Kerze anzuzünden oder zu beten.“ Angedacht seien auch gemeinsame Veranstaltungen wie Lesungen oder geistliche Konzerte. Eine weitere Öffnung sei für rumänische Christen aus dem Raum Göppingen geplant, die einen Ort für ihre Gottesdienste suchen. „Das hat uns an unsere Situation vor fast 40 Jahren erinnert“, begründet der armenische Geistliche.

Ein genauer Termin für die offizielle Schlüsselübergabe im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes steht noch nicht fest. Sowohl der Primas der Armenischen Diözese in Deutschland, Serovpé Archimandrit Isakhanyan aus Köln, will dafür nach Bartenbach kommen als auch der Bischof der evangelischen Landeskirche, Frank Otfried July.