Musik Dezemberkind ist politischer geworden

Dezemberkind, das sind Benedikt Spörl, Tobias Griffith, Daniel Schnitt und Marco Terranova (v.l.), hier beim Interview.
Dezemberkind, das sind Benedikt Spörl, Tobias Griffith, Daniel Schnitt und Marco Terranova (v.l.), hier beim Interview. © Foto: Philip Schwarz
Göppingen / Philip Schwarz 08.01.2018
Die Ebersbacher Band Dezemberkind hat, passend im Dezember, ihre neue Platte „Auf ungewissen Wegen“ präsentiert.

Das Interview mit den vier Musikern der Gruppe Dezemberkind wurde am 30. Dezember im Göppinger Caffè Bozen geführt.

Elf Jahre Bandgeschichte –  was ist geblieben?

Dani: Vor allem ist die Besetzung konstant geblieben und wir haben immer noch denselben Proberaum. Das ist für eine Band  relativ ungewöhnlich.

Was hat sich verändert?

Bene: Der Wert unseres Equipments.

Dani: Wir haben angefangen, als wir noch Schüler waren, und da hatte man gefühlt noch jeden Tag Zeit. Mittlerweile ist es einfach schwieriger, Termine zu finden. Der Faktor Zeit ist ein anderer.

Musikalisch gesehen: Wie hat sich da Dezemberkind verändert?

Dani: Verändert hat es sich auf jeden Fall. Textlich waren die alten Songs nicht so durchdacht wie die neuen. Da sind wir sicher gereift.

Marco: Man versucht ja, im Prozess schon immer die „Freshness“ reinzubringen, sich auch von anderer Musik inspirieren lassen, und das lernt man vielleicht über die Zeit, dass man seinen Horizont erweitert. So habe ich das für mich entdeckt.

Dani: Mit 17, als wir angefangen haben, hat man beim Musik machen weniger nachgedacht. Im Laufe der Jahre hat man schon gemerkt, dass man über Texte mehr diskutiert, weil man einfach mehr zu sagen hat. Wenn man unsere erste Platte anhört, dann ging es hauptsächlich um Liebeslyrik. Die neue Platte ist da ein Stück weit kritischer und politischer.

Gibt’s immer noch Ambitionen bei Dezemberkind?

Dani: Der Wille, das hauptberuflich machen zu können, ist auf jeden Fall da. Wir sind im Vergleich zu vor zehn Jahren aber realistischer geworden. Wir haben da auch schon relativ viel erlebt. Gerade mit der ersten Platte, die wir im größeren Studio mit größeren Versprechungen aufgenommen haben und wir schon bisschen zu Traumtänzern wurden. Aber die Realität und der harte Fall holt einen dann doch ein.

Ist man am Anfang naiv?

Bene: Ist halt alles ein Reifeprozess. Mit 15 ist man einfach anders drauf als mit 25, weil man ein paar Sachen erlebt, die dich dann prägen.

Reifen die Themen mit den Musikern mit?

Dani: Ich verfolge politische Themen heute anders und hab da mittlerweile eine gereiftere Meinung als mit 20.

Marco: Dennoch merkt man aber schon, dass unsere Musik emotionsgebunden ist, und das zeigt sich dann in den Texten, wo es um Selbstzweifel etwa geht. Man denkt anders über Dinge nach, als man das früher getan hätte.

Dani: Die einzige Gefahr, wo man aufpassen muss, im Gegensatz zu früher: Dass die Songs nicht zu sperrig werden und die Eingängigkeit nicht verloren geht. Das ist immer ein schmaler Grat.

Bene: Die Leute sollen halt auch verstehen, was man zu sagen hat.

Dani: Deswegen hat es bei uns mit der neuen CD auch ein bisschen gedauert. Es war im Vergleich zu der früheren und einfacheren Herangehensweise, mehr ein Selbstfindungsprozess.

Wie lange habt ihr denn an eurer EP geschraubt?

Dani: 2014 kam die letzte Platte, also drei Jahre. Wir hatten auch schon mehrere Demos und dachten, dass wir damit eigentlich ins Studio können. Dann haben wir einen guten Freund und Produzenten, der ein paar Jahre mehr Erfahrung auf dem Buckel hat, mal drüber hören lassen. Der hat zu uns gemeint, dass er da noch daran arbeiten würde. Wir dachten eigentlich, dass die Songs fertig sind und in dem Moment wussten wir gar nicht, wie wir damit umgehen sollten. Der hat uns da eine ziemlich vor den Latz geknallt.

Bene: Wir mussten das Songwriting auch wieder lernen, weil wir unseren Fokus auf dem Spielen von Konzerten hatten.

Was steckt inhaltlich in eurer EP?

Dani: Der Titel „Auf ungewissen Wegen“ trifft es ganz gut. Es zieht sich eigentlich durch alle Songs durch. Zum einen wollten wir auf die Flüchtlingsthematik eingehen, dann gibt es Liebeslyrik,  aber auch Songs, in denen es um Selbstzweifel geht.

Bene: Mit „Nachthimmel“ haben wir auch einen Song, der schon fast autobiografisch auf die Band eingeht.

Wie soll’s denn mit Dezemberkind weitergehen?

Dani: Fürs kommende Jahr haben wir schon einige Konzerte und Festivals. Wir werden eine Single veröffentlichen und parallel schon wieder an neuen Songs schreiben.

Marco: Neustart wäre jetzt übertrieben, aber die EP ist für uns ein neuer Anstoß und das Komplettpaket, also die Präsenz der Band, ist jetzt viel stimmiger als früher.

Scheitert ihr mit der Band auch, beispielsweise, wenn kaum Publikum zu den Konzerten kommt?

Marco: Es gibt Konzerte, zu denen nur 100 Leute kommen, unsere Musik aber feiern. Mir ist da die Publikumsnähe viel wichtiger. Die kleinen Shows sind oft viel intensiver. Klar, wenn eine riesige Menge grölt, dann bekommt man schon Gänsehaut auf der Bühne. Aber ein Scheitern ist das nicht, wenn wenige Leute kommen. Scheitern wäre, gar keine Konzerte zu spielen.

Bene: Im Endeffekt ist jedes Konzert gleich. Es geht darum, die Leute mit unserer Musik zu begeistern, und wenn das nur zehn sind, dann hast du genauso Spaß.

Dani: Zu dem Scheitern noch: Gerade wenn man als Band älter wird, frag man sich schon, wo man hin will. Da ist die neue EP für uns schon ein Neustart.

In elf Jahren eine Menge erlebt

Die Band Dezemberkind wurde 2006 in Ebersbach gegründet und spielte schon im Vorprogramm von Max Giesinger, Jennifer Rostock, Bakkushan, den Killerpilzen, Luxuslärm und Itchy Poopzkid. Die Gruppe erhielt eine Einladung zum Vorspiel bei der Mannheimer Popakademie und fand sich gleich mehrfach in Deutschlands größtem Jugendmagazin Bravo wieder.

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