Göppingen Deutschland als "geschlossene Gesellschaft"

Schildert seinen Weg zum "guten Deutschen": Martin Hyun in der Göppinger Stadtbibliothek.
Schildert seinen Weg zum "guten Deutschen": Martin Hyun in der Göppinger Stadtbibliothek. © Foto: Margit Haas
MARGIT HAAS 08.10.2014
Ohne Fleiß kein Reis - witzig, hintergründig, entlarvend skizzierte der koreanischstämmige Martin Hyun seinen Weg zum "guten Deutschen".

Er gilt als Musterbeispiel geglückter Integration, war der erste koreanischstämmige Eishockeyspieler der Deutschen Eishockey-Liga - und kann seinen niederrheinischen Dialekt nicht verleugnen. Martin Hyun, Sohn koreanischer Gastarbeiter, hat in seinem zweiten Buch "Ohne Fleiß kein Reis. Wie ich ein guter Deutscher wurde" mit viel Wortwitz und Humor, aber auch manchmal mit stiller Resignation, scharf formuliert, oft entlarvend, sein "Leben mit Migrationshintergrund" skizziert.

Im Rahmen der Interkulturellen Wochen gab er nun in der Göppinger Stadtbibliothek Einblicke in ein Leben zwischen zwei Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein können. Skizziert einen Vater, der seinen Kindern traditionelle koreanische Werte vermitteln möchte und dabei manchmal von der "Lobbyistin" Mutter gestört wird. Deutschland erlebt der 35-Jährige nach wie vor "als geschlossene Gesellschaft". Hyun: "Es ist abhängig vom persönlichen Netzwerk, ob man reinkommt." Bis heute ist er geprägt von seiner strengen koreanischen Erziehung, die ihn freilich zielstrebig und ausdauernd gemacht hat, was ihm nicht zuletzt in seiner sportlichen Karriere voranbrachte.

In seinem Buch spielt er mit gängigen Klischees, nimmt die "Leitkultur" anhand des rheinischen Karnevals auf die Schippe, zieht den Einbürgerungstest ins Lächerliche, der für ihn nicht Pflicht ist und den er dennoch zum Spaß im Internet macht. Als Beobachter quasi von außen pointiert er gekonnt die Eigenheiten der einzelnen deutschen "Stämme". Und hat dabei "Sympathie für die Schwaben in Berlin", die sich dort "als zweitgrößte Minderheit nach den Türken" ständigen Anfeindungen ausgesetzt sehen. Ob das daran liegt, "dass die Schwaben in Berlin angekommen sind, ohne ihre kulturellen Besonderheiten aufzugeben?". Martin Hyun jedenfalls mag sie und hat sogar einem Göppinger Bundespolitiker ein Kapitel seines Buchs gewidmet. Auch seine Wahlheimat Berlin liebt er, empfiehlt allen Migranten seine Straßen "als Reifeprüfung für das Leben in Deutschland". Gefragt nach seinen typisch koreanischen und typisch deutschen Eigenschaften muss er kurz überlegen: "Typisch koreanisch ist die Unpünktlichkeit, typisch deutsch die Hartnäckigkeit".

Ein Grenzgänger ist der ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiter des Bundestages geblieben, ist auch in Korea nur dann einer von vielen, "wenn ich den Mund halte".