Göppingen Deutsch lernen braucht Zeit

In Kursen der Göppinger Volkshochschule wird für die Integration gebüffelt. Vor allem Deutsch steht an erster Stelle und alles, was in dieser Sprache für Alltag und Arbeit wichtig ist.
In Kursen der Göppinger Volkshochschule wird für die Integration gebüffelt. Vor allem Deutsch steht an erster Stelle und alles, was in dieser Sprache für Alltag und Arbeit wichtig ist. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Constantin Fetzer 19.07.2018

Parallel zum regulären Betrieb in der Göppinger Volkshochschule ist in den vergangenen Jahren fast so etwas wie eine eigene Schule entstanden. Mehr als 700 Teilnehmer lernen täglich in den hier angebotenen Integrations- und Deutschkursen. Zum Vergleich: Das Göppinger Hohenstaufen-Gymnasium hat insgesamt etwas mehr als 600 Schüler.

Der Bedarf an Integrations- und Deutschkursen sei in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. „Aber nicht erst seit 2015“, ergänzt Beate Rudolph, die an der Göppinger Volkshochschule für diesen Bereich verantwortlich zeichnet. Schon in den Jahren zuvor kamen Menschen aus Krisengebieten nach Göppingen und in den Landkreis. Aber: „Lediglich die Hälfte der Teilnehmer sind Geflüchtete.“ Die andere Hälfte seien zum Beispiel EU-Bürger, die zu ihren Familien nach Deutschland kämen  oder sich entschieden hätten, in die Bundesrepublik auszuwandern, berichtet Beate Rudolph. „Die gab es vor 2015 und auch in Zukunft werde der Zustrom nicht abnehmen.“

Für die Volkshochschulen sei die Situation nicht ganz neu: „Es gab immer wieder Wellen, in der mehr Deutschkurse gefragt waren“, berichtet Wolfgang Merkle, Leiter der Göppinger Volkshochschule. Vor gut 30 Jahren, als die Aussiedlerwelle in die Bundesrepublik schwappte, war die Herausforderung ebenso groß. Bis zu 25 Klassen parallel habe es damals gegeben. „Die Volkshochschulen kennen und können das“, sagt er und lobt zudem das Engagement seines Teams um Beate Rudolph, die sich oft mit viel persönlichem Einsatz um die Teilnehmer kümmere.

Für Beate Rudolph gibt es nur ein kurzes Durchatmen bis zu einem der nächsten Beratungstermine, die oft sehr intensiv seien und Kraft kosteten. Dabei sei dieser ausführliche Dialog mit den Teilnehmern in dieser Dimension nicht vorgesehen von der Politik und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das dem Innenministerium unterstellt ist. Dennoch kommen die Teilnehmer mit vielen Sorgen und Nöten zu Beate Rudolph und ihrem Team und finden ein offenes Ohr. „Integration braucht Zeit. Eine neue Sprache mit anderen Schriftzeichen lernt man nicht in ein paar Wochen, eine neue Kultur auch nicht“, sagt sie mit kritischem Blick auf das Tempo, das sich die Politik an dieser Stelle wünscht. Oft prallten diese manchmal hektisch entwickelten Ideen und ehrgeizigen Ziele aus dem Ministerium auf die Wirklichkeit hier vor Ort. Dort im zweiten Stock der Göppinger Volkshochschule macht sich Rudolph auch Gedanken darüber, wie der hohe Anteil an Bürokratie zu bewältigen ist, die die Vorgaben mit sich bringen. „Da könnte man manches vereinfachen – das hat in der Vergangenheit auch funktioniert“, kritisiert sie die teilweise sehr komplexen Melde- und Abrechnungsvorgänge.

Die Göppinger Volkshochschule hat bereits ihre Verwaltung aufgestockt, um diese Papierflut zu bewältigen, die die Flüchtlingswelle mit sich gebracht hat.

Auch mehr Dozenten gibt es: Zwischen 25 und 30 sind es zur Zeit, die sich auf unterschiedlichem Leistungsniveau in den Deutsch- und Integrationskursen um die Teilnehmer kümmern. Die Atmosphäre ist gut, die Qualität der Angebote hoch.

Mittlerweile hat die Volkshochschule weitere Räume, zum Teil auch in den Stadtbezirken, angemietet, um die vielen Klassen unterzubringen. Die Arbeit in diesem Bereich werde perspektivisch nicht weniger. Aber: „Den Aufwand, den wir mit den Integrationskursen betreiben, geht nicht zu Lasten des anderen Angebots.“ Darauf legt Wolfgang Merkle wert.

Stundenplan für Integration

Integrationskurse sind für Zuwanderer gedacht, die künftig in der Bundesrepublik leben wollen, aber Deutsch kaum oder gar nicht beherrschen. Der Sprachkurs besteht aus 600 Unterrichtsstunden, der Orientierungskurs aus 60.

Wortschatz aufbauen für alle wichtigen Bereiche des täglichen Lebens und der Arbeitswelt ist das Ziel. Dazu gehören Briefe und E-Mails in deutscher Sprache zu schreiben, Formulare auszufüllen und zu  telefonieren sowie sich um eine Stelle zu bewerben.

Teilnehmer der Kurse sind neu zugewanderte Ausländer, Spätaussiedler, Bürger aus EU-Staaten, deutsche Staatsbürger ohne ausreichende Deutschkenntnisse.
Quelle: VHS Göppingen

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel