Göppingen Der Verkehr sorgt für Verdruss

Wie sieht Bartenbachs Zukunft aus? Wichtige Themen beim Bürgerinformationsabend waren der Verkehr und die Gestaltung der Ortsmitte. Foto: Giacinto Carlucci
Wie sieht Bartenbachs Zukunft aus? Wichtige Themen beim Bürgerinformationsabend waren der Verkehr und die Gestaltung der Ortsmitte. Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / SYLVIA NICKUS 10.02.2012
Wie geht es mit der Entwicklung im Ortskern weiter? Und was kann man gegen den lästigen Durchgangsverkehr tun? Das waren bestimmende Themen bei der Bürgerinformation in Bartenbach.

Die Stadt Göppingen informierte die Bürger Bartenbachs auf einem Infoabend über den Stand der Planungen für die Entwicklung des Stadtbezirks: Die Ortsmitte soll saniert und aufgewertet werden. Vor allem der starke Durchgangsverkehr macht den Bürgern Probleme. Vor 150 interessierten Bürgern präsentierten Bürgermeisterin Gabriele Zull und drei Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Planungen. Die Bürger zeigten sich allerdings eher unzufrieden. In der Diskussionsrunde wurden kritische Fragen gestellt und schnelle Hilfe gefordert.

Die Planung für die Ortskernsanierung geht langsam voran, die Fördermittel seien bewilligt, sagte Gabriele Zull. Die Stadt Göppingen einschließlich ihrer Teilgemeinden verliere kontinuierlich an Einwohnern. Junge Familien fehlten, dafür überaltere die Bevölkerung. Da müsse gegengesteuert werden.

Eva Noller, Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung und Stadtplanung, stellte das Konzept vor: In der Pendlergemeinde soll eine neue Ortsmitte gestaltet werden, die das "kulturelle Zentrum" an der Meerbach-Grundschule, das Zentrum um den historischen Ortskern und den Versorgungsschwerpunkt mit dem Genossenschaftsladen miteinander verbindet. Mehrere landwirtschaftliche Anwesen und Flächen im unmittelbaren Ortskern hat die Stadt bereits gekauft.

Helmut Renftle, Leiter des Fachbereichs Tiefbau, Umwelt und Verkehr, erläuterte, dass das Straßendorf auf zwei Achsen starken Durchgangsverkehr aufweise. Das Konzept sehe "weiche Maßnahmen" wie Tempobeschränkung und weitere Fußgängerüberwege vor, um den Verkehr erträglicher zu machen.

Nicht alle Bartenbacher schienen die Zufriedenheit der Stadtverwaltung teilen zu können. Eine Teilnehmerin beklagte sich: "Ich gehöre zu den gejagten Schwalben im Ort. Am Krettenhof schießen die Verkehrsrowdies trotz 30-er Zone mit 70 Kilometern pro Stunden die Straße runter." Sie forderte schnelle Maßnahmen ein und erntete stürmischen Beifall für ihren Einwand. "Wir wollen sicher am Krettenhof leben können." Helmut Renftle versuchte zu beruhigen: Im Haushalt seien Mittel für die Verkehrsberuhigung für das Jahr 2013 eingestellt worden. Noch dieses Jahr werde man in die Planung einsteigen. Dennoch blieben Zweifel, ob das als rasche Abhilfe wohl ausreicht. Ein anderer Teilnehmer wandte ein, dass die milde Variante zur Verkehrsberuhigung wohl wenig Aussicht auf Erfolg habe und forderte harte Maßnahmen: versenkbare Poller oder Pflanzkübel. Renftle blieb skeptisch, ob dies eine ausgewogene Lösung sei. Das verstärke außerdem die Belastung der Bundesstraße in Richtung Rechberghausen.

Auch soziale Themen kamen nicht zu kurz: Christina Horn von der städtischen Beratungsstelle für Senioren sagte, Bartenbach solle seniorengerecht gemacht werden. Ideen aus der Zukunftswerkstatt "Gut Leben und Wohnen im Alter" seien in das Gestaltungskonzept mit eingeflossen: eine künftige Ortsmitte mit dem Genossenschaftsladen, Gemeinschaftseinrichtungen und Mehrgenerationenwohnungen. Ein kombinierter Architekten- und Investorenwettbewerb wird ausgeschrieben, Ergebnisse werden Mitte des Jahres erwartet.

Ein junger Mann meldete sich zu Wort: "Wie denkt man eigentlich an die Jugendlichen? Wir wollen doch aus Bartenbach keine große Seniorenwohnanlage machen?" Christina Horn konterte, die Jugendhilfeplanung der Stadt Göppingen sei abgeschlossen, aber sie gebe die Anregung gerne weiter. Ziel der Entwicklungsplanung sei es aber, auch Jugendliche im Ort zu integrieren und sie verwies auf das Konzept der "Stadtoasen", das bald in der Innenstadt ausprobiert wird: Jugendliche bauen unter Anleitung von Sozialarbeitern Möbel, die sie temporär auf öffentlichen Plätzen aufstellen dürfen. Es entstünden Cafés und Bars, wo sich Alt und Jung zusammen finden.

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