Göppingen Der Partner darf nicht einziehen

Seit dieser Woche werden bei der Klinik am Eichert die alten Personalwohnungen abgerissen. Sie durften von zwei Personen bewohnt werden, in den neuen Appartements ist das verboten.
Seit dieser Woche werden bei der Klinik am Eichert die alten Personalwohnungen abgerissen. Sie durften von zwei Personen bewohnt werden, in den neuen Appartements ist das verboten. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Dirk Hülser 04.10.2018
Der Abriss der alten Personalwohnungen der Klinik am Eichert hat begonnen. In den neuen Appartements dürfen nur noch Einzelpersonen wohnen. Das ruft Kritik hervor.

Die alten Personalwohnungen der Klinik am Eichert sind Geschichte: Seit dieser Woche werden die 266 Appartements von einem 100 Tonnen schweren Bagger dem Erdboden gleichgemacht. Den Anfang machte das Gebäude J. „Dabei handelt es sich um das Gebäude, das den neuen Personalwohnungen am nächsten liegt“, schreibt Kliniksprecherin Britta Käppeler in einer Pressemitteilung. Eine Straßensperrung sei nicht erforderlich. Für Unmut unter einigen Bewohnern sorgt die Tatsache, dass die neuen Wohnungen nur noch von einer Person bewohnt werden dürfen, was seither nicht der Fall war.

„Nun sagen mir die neuen Appartements nicht besonders zu und ich bin kein Mensch, der besonders gern alleine wohnt“, steht auf einem Zettel, der am Schwarzen Brett der Klinik hing. Die junge Frau, die in der Klinik arbeitet, sucht nun ein WG-Zimmer. Sie ist nicht die einzige. Auch Paare, die sich bislang eine Wohnung geteilt hatten, müssen jetzt anderswo nach einer Bleibe suchen.

Auf einem Aushang der Alb-Fils-Kliniken wurde diesen Mitarbeitern schon vor Monaten empfohlen: „Für den Fall, dass Sie aktuell ein Appartement zu zweit nutzen, bieten wir Ihnen die Möglichkeit, sich bis zum 31. 08. 2018 auf dem Wohnungsmarkt nach einer passenden und auch der Wohnfläche entsprechenden Wohnung umzusehen.“ Schließlich gebe es nun „keine Möglichkeit zur Vermietung an mehr als eine Person“.

Die alten, möblierten Wohnungen mit 32 Quadratmetern Wohnfläche (Warmmiete ohne Ermäßigung rund 300 Euro) konnten und durften zu zweit bewohnt werden, die neuen mit 35 Quadratmetern Fläche (Warmmiete ohne Ermäßigung 490 Euro) nun nicht mehr. Der Vorsitzende des Deutschen Mieterbunds Esslingen-Göppingen, Udo Casper, wundert sich über diese Regelung: „Das ist nicht so ohne weiteres möglich.“ Vielmehr benötige eine solche Einschränkung eine klare Rechtsgrundlage sowie eine stichhaltige Begründung.

Casper, der auch Landesgeschäftsführer des Deutschen Mieterbunds Baden-Württemberg ist, nennt einen der wenigen möglichen Gründe: „Eine Wohnung darf nicht überbelegt werden.“ Und hier ist die Rechtsprechung eindeutig: In der Regel gehen die Gerichte von rund zehn  Quadratmetern pro Person aus, für Kinder werden sechs Quadratmeter angesetzt. Werden diese Flächen unterschritten, sprechen Richter von Überbelegung. In Bundesländern, die Wohnungsaufsichtsgesetze haben, ist dies entsprechend gesetzlich geregelt, so gelten auch in Bayern die zehn Quadratmeter pro Person, in Baden-Württemberg gibt es bislang kein Wohnungsaufsichtsgesetz. Deshalb sieht Casper auch keinen Grund, warum auf 35 Quadratmetern am Eichert nicht zwei Menschen wohnen sollen – wenn sie dies denn möchten.

Stichhaltig begründen kann die Klinik nicht, warum nun plötzlich nur noch Einzelpersonen einziehen dürfen. Schriftlich antwortet die neue Pressesprecherin Ulrike Fischer: „Die 167 Personalwohnungen sind Ein-Zimmer-Appartements und dementsprechend auch für eine Person ausgestattet.“ Weiter heißt es in der schriftlichen Antwort der Sprecherin: „Die Personalwohnungen sind für die Alb-Fils-Kliniken ein Instrument der Personalgewinnung, Zielgruppen sind vorzugsweise Auszubildende und andere Mitarbeiter.“ Das war allerdings auch bislang so, zumal etliche Paare, die in der Klinik arbeiteten, in den Appartements wohnten.

Eine weitere, konkretere Nachfrage, warum nun in den etwas größeren Appartements nur noch Einzelpersonen wohnen dürfen, samt Hinweis auf die rechtlichen Bedenken des Mieterbunds, beantwortet Fischer dann mit einem Satz: „Die Personalwohnungen sind als Ein-Zimmer-Appartements nur für eine Person ausgestattet.“

Zwei Millionen Euro für den Abriss

Altbau Die 266 alten Personalwohnungen, die nun abgerissen werden, stammen aus dem Jahr 1979. Nach Angaben der Klinik liegen die Kosten für den Rückbau bei zwei Millionen Euro. Es fallen bis zu 30 000 Tonnen Betonabbruch an sowie weiterer Bauschutt.

Neubau Ende Juli sind in unmittelbarer Nachbarschaft der Altbauten die fünf neuen Personalgebäude mit 167 Wohnungen eingeweiht worden. Die Baukosten betrugen 18,6 Millionen Euro, eine Tiefgarage haben die Häuser nicht mehr.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel