Denkmaltag Denkmaltag: 2000 Obstbäume zierten Filseck

„Ein spannendes Entdecken“ nach dem Motto „Was uns verbindet“ war das Motto der Führungen von Reiner Ruf zum Tag des offenen Denkmals auf Schloss Filseck. Hier erklärt Ruf (links) die Besonderheiten des Leutrum-Saals.
„Ein spannendes Entdecken“ nach dem Motto „Was uns verbindet“ war das Motto der Führungen von Reiner Ruf zum Tag des offenen Denkmals auf Schloss Filseck. Hier erklärt Ruf (links) die Besonderheiten des Leutrum-Saals. © Foto: Staufenpress
Uhingen / Martina Kallenberg 11.09.2018

Über dem Filstal erhebt sich die schmucke Burg Filseck im spätsommerlichen Sonnenschein. Weit geht der Blick zu den drei Kaiserbergen, doch begonnen hat das Programm am Internationalen Tag des offenen Denkmals im Schlosshof. Reiner Ruf vom Förderkreis Schloss Filseck begrüßt die interessierten Besucher mit einem „Herzlich willkommen im Förderkreis Schloss Filseck“-Zettel und stellt die schwierige Aufgabe, sich für eine der vier Führungen – Schloss, Charlottensee, Kräutergarten oder Pumpenhaus – anzuschließen.

Reiner Ruf erzählt, dass das Anwesen 1986 in einem völlig verwahrlosten Zustand vom Landkreis Göppingen gekauft wurde. Ein Brand im Mai 1971, dessen Ursache bis heute ungeklärt ist, hatte den Süd- und Westflügel komplett zerstört. Die Rauchwolken waren damals im Filstal weithin zu sehen, und durch den geringen Wasserdruck und die große Menge an Schaulustigen waren die Löscharbeiten sehr erschwert worden.

„Als ich das Schloss das erste Mal betreten habe, war der Schlosshof ein Sumpf, vor mir liefen zwei Gänse die Treppe hinauf und hinter mir zwei Enten“,  erzählt ein Teilnehmer der Führung. „Freifrau Margarethe von Podewils wollte sich damals einen Mercedes kaufen.“ Die letzte Besitzerin von Podewils lebte in Sparwiesen „und wenn sie mit ihren drei bis vier Hunden durch den Wald ging, wollte man ihr lieber nicht begegnen“.

Das wechselvolle Dasein des Sitzes von Adligen, Bauern, Bürgermeistern oder gar Zisterziensern zu Beginn des 18 Jahrhunderts an einem strategisch wichtigen Ort lässt die Besucher staunen. Was heute ein edles, gepflegtes Anwesen mit Restaurant, Schenke und vielfältigen kulturellen Veranstaltungen und Sälen ist, war lange Jahrzehnte bis Jahrhunderte eher eine landwirtschaftliche Domäne denn ein Schloss, aus der wenig wirtschaftlicher Profit geschlagen werden konnte und der seine Besitzer häufig nach ein paar Jahren zum Verkauf zwang.

Rund um das Schloss, am neuen Kinderspielplatz vorbei an der äußeren Mauer zum Nordhang geht es bei der Führung. Hier wird deutlich, dass nicht alles das ist, was es scheint – wunderbar sind die Strukturen der Mauer auf den weißen Putz gemalt.

In jüngster Zeit hat sich die Stiftung Filseck der Kreissparkasse Göppingen auf die Gestaltung der Außenanlage konzentriert. Der Hof wurde  mit Granitsteinen gepflastert, daneben wurde Parkraum geschaffen und versucht, die alten Wege des Schlossgartens wieder zu erstellen. Daneben ist ein Kräutergarten mit Gewürz- und Heilpflanzen angelegt sowie ein Staudengarten.

Neben den zahlreichen Bienenstöcken gehört nun auch ein „Grünes Klassenzimmer“ zum Schloss, außerdem wurden Apfelbäume gepflanzt. Einstmals war Filseck weithin bekannt für seine 2000 Obstbäume, die jedoch bereits vor langer Zeit abgeholzt wurden. Die letzten Pächter, Familie Waggershauser, von 1906 bis 1968, pflanzten erneut 1000 Bäume und hatten gute Verbindungen zur Universität Hohenheim mit ihrer landwirtschaftlichen Versuchsanstalt.

Wie sah es aus mit neueren Errungenschaften im Schloss? Christian Münch, für den Filseck eine Besitzvergrößerung war, lernte als Reichstagsabgeordneter zu Beginn der 1890er Jahre in Berlin die Vorteile von Strom, Telegrafenanlagen und fließend Wasser schätzen. Zurück im Filstal ließ er sich Strom über die Mühle Vetter in Uhingen liefern und aus Göppingen eine Telegrafenleitung. Und da das Wasser, das von den Dächern gesammelt wurde, nicht gut schmeckte, wurde nach Frischwasser gesucht.

Unterhalb des Schlosses entdeckte man eine Quelle, so dass Gutsverwalter Wolff ein Pumpenhäuschen mit Doppelkolbenpumpe baute, die das Wasser in ein Reservoir auf einen südöstlich vom Gebäude gelegenen Hügel pumpte – wohlgemerkt in einer Zeit, in der die Gemeinde Uhingen selbst noch nicht an die Wasserversorgung angeschlossen war. Das Pumpenhaus, das über die Jahre Opfer von Zerstörung und Zerfall wurde, kann nun wieder besichtigt werden.

Wenn Hermann Bucher die beiden Türen öffnet, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, umgeben von Bleirohren und Keramikschaltungen. Und nach jedem Besuch stellt Bucher den sauberen Zustand des Häusles mit Besen, Schaufel und Kehrwisch wieder her.

Ursula Förstner ist derweil ganz begeistert von dem Holzbohlenweg, der durch einen lichten Birken- und Erlenwald Richtung Charlottensee führt: „Ein sehr schöner Weg – aber noch nicht ausgeschildert“, erzählt sie – aber das kommt noch. Durch das intensive Engagement der Freiwilligen wird es, davon ist auszugehen, immer wieder Neues zu entdecken geben auf und um Schloss Filseck.

Zahlreiche Aktivitäten zum Tag des Denkmals

Denkmaltag Die Mitglieder des Fördervereins Schloss Filseck waren nicht die einzigen, die beim Tag des offenen Denkmals Besuchern Blicke hinter sonst verschlossene Türen gewährten. Stadtführer, Historiker und Kirchenkenner luden zu zahlreichen Führungen ein, etwa nach Göppingen in die Mauchsche Villa, ins Mörike-Gymnasium, in die Villa Butz und die Stadtkirche; nach Birenbach in die Wallfahrtskirche, nach Rechberghausen ins Theater im Bahnhof; nach Donzdorf in die Martinuskirche; nach Winzingen in die Nothelferkapelle; nach Süßen in die Alte Marienkirche; nach Salach ins Rathaus; nach Uhingen in den Berchtoldshof; nach Zell in die Martinskirche.

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