Naturschutz Den Blüten auf der Spur

Der BUND-Vorsitzende Gerhard Rink auf einer der immer seltener werdenden Wiesen rund um Eislingen, wo noch viele verschiedene Blumen blühen.
Der BUND-Vorsitzende Gerhard Rink auf einer der immer seltener werdenden Wiesen rund um Eislingen, wo noch viele verschiedene Blumen blühen. © Foto: Staufenpress
Eislingen / Karin Tutas 12.05.2018

Der Wiesensalbei leuchtet in intensivem Blau,  Skabiosen in Hülle und Fülle wuchern an dem Hang entlang und wetteifern mit gelbem Pippau und Margeriten. Eine Wiesle wie aus dem Bilderbuch verbirgt sich am Eislinger Ortsrand nahe des Ziegelbachtales. „Im Sommer blühen hier Thymian und Majoran“, berichtet der  Vorsitzende des Eislinger BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland), Gerhard Rink. Jedoch sind solch artenreiche Wiesen selten geworden.  Ein paar Meter weiter sieht das nämlich schon ganz anders aus – abgemähte, grüne Flächen, an anderer Stelle dominiert verblühter Löwenzahn. „Auf nährstoffreichen Böden haben die Blumen keine Chance, sich auszubreiten“, sagt Rink.

Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung seien in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Wiesenblumen zurückgedrängt worden – mit ihnen verschwinden viele Insektenarten. BUND, Schwäbischer Albverein und der örtliche Imkerverein haben deshalb Alarm geschlagen und eine Initiative zum Erhalt der Artenvielfalt gestartet. Mit im Boot ist die Stadt Eislingen, die eine Konzeption dazu erstellen und eine 50-Prozent-Stelle afür schaffen wird. Aus Sicht Rinks muss schnell gehandelt werden. Allein im Täle und Steinbach gebe es noch 20 bis 30 kleine Flecken, wo vielerlei Wiesenblumen blühen. Diese gelte es zu schützen und nach Möglichkeit zu vergrößern, beziehungsweise durch weitere Biotope zu vernetzen.

Insbesondere Ackerrandstreifen haben die Initiatoren im Blick. Oft würden die bewirtschaftet, statt sie für Wiesenblumen freizulassen. Hier müsse das städtische Konzept ansetzen, indem bei Bauern Überzeugungsarbeit geleistet und gegebenenfalls eine Entschädigung für den Verdienstausfall gezahlt werde. Der BUND-Vorsitzende Rink verweist auf die Stadt Heilbronn, wo es  inzwischen 78 Hektar blühende Ackerrandstreifen gebe. Auch die kleinen blühenden Flächen rund um Eislingen ließen sich durch Verzicht auf Dünger und schnelles Abräumen des Mähguts binnen weniger Jahre vergrößern. Beim Erfassen artenreicher Wiesen können auch die Bürger mithelfen. Albverein und BUND haben jetzt die Aktion „Blütendetektive“ ins Leben gerufen. Die „Blütendetektive“ sollen schützenswerte Blumenwiesen auf Eislinger Markung aufspüren und in einen Plan eintragen. Dieses gibt es ebenso wie Anschauungsmaterial mit ausgewählten Blumen beim BUND und Schwäbischen Albverein.

Stadt will Artenschutz professionell fördern

Konzept Die Stadt Eislingen will eine Konzeption zur Förderung der Artenvielfalt erstellen lassen. Im Etat ist dafür eine 50-Prozent-Stelle bei der Stadt finanziert. Am 18. Juni wird der Ausschuss für Technik und Umwelt über die Aufgabenbeschreibung beraten, erklärt OB  Klaus Heininger auf Anfrage. Der Verwaltungschef hofft, dass die Stelle noch in diesem Jahr besetzt wird.

Saatgut Die Stadt gibt für Gartenbesitzer kostenlos Saatgut-Tütchen für insektenfreundliche Pflanzen aus (Bürgerbüro, Stadtbücherei sowie im Ladengeschäft Betten-März).

Blütendetektive Pläne und Anleitungen für die Aktion gibt es bei Gerhard Rink (BUND), Tel. (07161) 87210, und Günter Funsch (Schwäbischer Albverein), Tel. (07162) 6818.

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