Demo Demo gegen Nazis und für ein buntes Göppingen

Göppingen / DIRK HÜLSER 09.10.2014
Am Samstag wird demonstriert: Entgegen ihrer ursprünglichen Pläne haben Neonazis keinen Aufmarsch angemeldet, es gibt aber Gegendemonstrationen.

Im dritten Jahr in Folge wollten Rechtsextremisten am kommenden Samstag in Göppingen demonstrieren - doch der angemeldete Aufmarsch wurde wieder abgemeldet, nachdem das Landeskriminalamt im Februar vier führende Köpfe der "Autonomen Nationalisten" verhaftete. Bislang ist auch keine neue Demo angemeldet worden. Dennoch wollen mehrere Bündnisse und die Stadtverwaltung sich gegen das braune Gedankengut stellen, wenn auch mit unterschiedlich formulierten Aufrufen.

Die Polizei ist für Demonstrationen aller Art jedenfalls gerüstet, sagt Sprecher Uwe Krause. "Wir sind auch auf Spontanaktionen anderer Organisationen vorbereitet." Er fügt hinzu: "Damit rechnen muss man immer." Krause meint damit Neonazis, die durchaus am Samstag in Göppingen auftauchen könnten.

Kundgebung vor dem Rathaus

Der Vorsitzende des Vereins Kreis Göppingen nazifrei, Alex Maier, sagt, es gebe bislang "keine Hinweise", dass Rechtsextremisten auftauchen könnten. "Mir wärs auch recht, wenn sie nicht kommen." Sein Verein ruft für 11.30 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Rathaus auf. Motto: "Göppingen bleibt bunt!" Dass erst vor wenigen Wochen wieder mehr als 30 Nazis in Göppingen demonstriert hatten, zeige: "Das Neonazi-Problem ist also nicht erledigt." Deshalb ruft der Verein dazu auf, "gemeinsam, friedlich, vielfältig gegen Neonazismus und für ein buntes Göppingen" einzutreten. Außerdem ist die Aktion "bunter Marktplatz" geplant.

Nachdem es in den vergangenen zwei Jahren teils unterschiedliche Ansichten zwischen Rathausspitze und dem Anti-Nazi-Bündnis gab, ruft für den kommenden Samstag nun auch die Stadtverwaltung zur Teilnahme an der Kundgebung auf. Allerdings wendet sich OB Guido Till nicht explizit gegen Rechtsextreme oder Neonazis. In einer Pressemitteilung heißt es: "Extremismus hat in Göppingen keinen Platz." Das Stadtoberhaupt wird auf der zentralen Kundgebung sprechen. Außerdem beginnt um 10 Uhr nach dem Vorbild von Neu-Ulm eine Leistungsschau des städtischen Betriebshofs auf dem Marktplatz. Die bayerische Stadt konnte auf diese Art eine NPD-Veranstaltung massiv behindern. Auch das Bündnis "Nazis stoppen", das aus mehr als 70 Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen besteht, ruft ab 10 Uhr zu einer Kundgebung am Bahnhof und ab 16 Uhr zu einer Demonstration auf.

Unterdessen lobt der CDU-Kreisvorstand in einer Pressemitteilung OB Till dafür, dass er den jüngsten, kleineren Nazi-Aufmarsch Ende August verschwiegen hatte. Zudem warnen die Kreisvorsitzende Nicole Razavi und ihre Mitstreiter vor linken Gegendemonstranten: Göppingen sei "keine Wohlfühlstadt für Autonome Nationalisten", aber nun gelte es, "darauf acht zu geben, dass sie dies auch nicht für Antifaschisten werde". Pikant: Erst kürzlich hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Göppinger Gemeinderat, Felix Gerber, betont: "Ich stehe dazu, ich bin Antifaschist."

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