Kreis Göppingen Dekane stehen hinter Kinderkrippen "Unglücklich" über Pfarrer Lukascheks Position

Dekan Rolf Ulmer hält eine Erziehung allein in der Familie für wirklichkeitsfremd.
Dekan Rolf Ulmer hält eine Erziehung allein in der Familie für wirklichkeitsfremd.
Kreis Göppingen / DGR 14.02.2012
Die Dekane Rolf Ulmer und Dietmar Hermann setzen sich für die Kleinkinderbetreuung in kirchlichen Einrichtungen ein. Damit widersprechen sie der Position von Pfarrer Robert Lukaschek und der Gruppe CDL.

Der Ausbau der Krippenplätze für Kleinkinderbetreuung sorgt weiter für Diskussionen. Nachdem sich der katholische Vizedekan Robert Lukaschek und die Gruppe Christdemokraten für das Leben (CDL) für die Erziehung der Kleinkinder in der Familie stark machen, nehmen nun die beiden christlichen Dekane im Kreis, Rolf Ulmer und Dietmar Hermann, Stellung. Während Lukaschek in "seinen" Kirchengemeinden - Salach, Ottenbach und im Lautertal - auf Zurückhaltung der katholischen Kindergärten bei der Kleinkinderbetreuung drängt, verweisen die Dekane auf das Mitwirken der konfessionellen Kindergärten in anderen Kreisgemeinden. Der evangelische Dekan Ulmer und sein katholischer Kollege Hermann sind "ausgesprochen unglücklich" über die Engführung der Diskussionsbeiträge der CDL und Lukascheks, der in seinen Gemeinden die Einführung von Krippengruppen in den katholischen Kindergärten ablehnt, so eine gemeinsame Mitteilung der Dekanate. Nach ihrem Eindruck wird so das Thema unzulässig vereinfacht. Ulmer äußert durchaus Verständnis für das Ideal einer Kindererziehung in der Familie: "Wo dies möglich ist, ist es gewiss vorzuziehen, wenn ein Kind seine ersten Lebensjahre eines Kindes in der Geborgenheit einer Familie verbringt." Hermann ergänzt: "Das Anliegen Kindererziehung auch von der Individualität des Kindes her zu betrachten ist wichtig; Familienfreundlichkeit wird nicht nur durch die Bereitstellung von Krippenplätzen gefördert. Auch die zuhause erziehenden Mütter sollten Würdigung, sowohl im Ansehen als auch finanziell verdienen."

Beide sehen aber sehr wohl, dass dies in vielen Familien nicht möglich ist. "Es gibt eine ganze Reihe von Eltern und Alleinerziehenden, die darauf angewiesen sind, ihre Kinder früh in eine Kindertageseinrichtung zu geben." Bei nicht wenigen Familien reiche ein Einkommen nicht aus, die Familie zu ernähren, so dass beide Ehepartner berufstätig sein müssen. "Insofern ist die Forderung, Kinder müssten unter allen Umständen in der Familie betreut werden, wirklichkeitsfremd", heißt es in der Mitteilung der Dekane. Sie betonen auch, dass die Entscheidung, wie die Kirchengemeinden handeln, stets von den demokratisch gewählten Kirchengemeinderäten gefällt werde. Es sei der falsche Eindruck entstanden, dass dies ein Pfarrer allein entscheide. Lukaschek hatte allerdings beschrieben, dass er in den Kirchengemeinderäten um seine Position kämpfen musste.

Die Dekane betonen, dass Kinderkrippen bereits fester Bestandteil des Konzepts für kirchliche Kindertagesstätten sind. So sind in den evangelischen Kindergärten im Göppinger Blumhardthaus, in Roßwälden und in Eschenbach Krippengruppen in Betrieb. In Börtlingen, Rechberghausen, Holzheim und Eislingen werden Kinderkrippen eingerichtet. Im Gespräch ist derzeit die Einrichtung einer Kinderkrippe im evangelischen Kindergarten Brückenstraße in Göppingen.

In katholischer Trägerschaft wurden Krippengruppen in Geislingen, in Reichenbach/T. und in Eislingen geschaffen. In Kuchen und Göppingen werden bald weitere Gruppen eingerichtet. In Eislingen beginnt im Frühjahr der Neubau einer Kinderkrippe in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Markus. Die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren ist in der Mehrzahl der kirchlichen Kindergärten - evangelisch wie katholisch - selbstverständlich möglich.

Für die kirchlichen Träger ist eine gute pädagogische Betreuung der Kleinen keine Notlösung, sondern ein sinnvoller Beitrag zur Lösung der vorhandenen gesellschaftlichen Herausforderungen.