Göppingen Daten sind die digitale Währung

Göppingen / CONSTANTIN FETZER 11.12.2014
Die digitale Welt und der Datenschutz: Bei der Uni der Generationen des Stadtseniorenrats hat Rüdiger Grimm von der Uni Koblenz-Landau die Hilflosigkeit der Menschen bei dem Thema dargestellt.

Vor wenigen Jahren noch sei das Thema Datenschutz allenfalls in der Wissenschaft und bei einem kleinen Teil der Menschen von Interesse gewesen, berichtet Professor Rüdiger Grimm von der Universität Koblenz-Landau. Mit den Veröffentlichungen von Edward Snowden, der die verzweigten Aktivitäten des amerikanischen Geheimdienstes publik gemacht hatte, änderte sich dies.

Auch bei der Uni der Generationen des Stadtseniorenrats an der Göppinger Hochschule waren zahlreiche Besucher, die sich genau informieren wollten, welche Spuren sie bei der digitalen Kommunikation im Internet hinterlassen. Und das sind eine ganze Menge: Egal ob man surft, das Smartphone für E-Mails nutzt, sich bei Sozial-Media-Plattformen wie Facebook bewegt - oder auch nur ein Buch bei einem Onlinehändler bestellt. Die Fußabdrücke werden gespeichert und ausgewertet.

"Diese Daten sind auf dem Markt viel Geld wert", berichtet Grimm. Immer dann, wenn man einen kostenlosen Bonus oder Treuepunkte erhält, bezahle man das auf der anderen Seite mit seinen Daten, die man oft ohne zu zögern preisgibt. Wer das nicht möchte, der kann zwar darauf achten, dass Internetbrowser entsprechend eingestellt oder E-Mails verschlüsselt übertragen werden. "Man muss aufmerksam sein, kritisch bleiben", erklärt er. Dann könne man für den Selbstschutz schon einiges tun.

Immer mehr aber seien es äußere Faktoren, die man als Einzelner nicht beeinflussen kann. Wenn andere - zum Beispiel Google mit seinem Dienst Streetview - Daten sammeln, könne man dem oft nur mit viel Aufwand widersprechen. Oftmals aber bemerke man diese oder ähnliche Aktivitäten auch nicht.

Die Wissenschaft, die sich bereits seit vielen Jahren mit diesem Thema beschäftige, habe dafür auch keine finale Lösung, aber Grimm fordert eine gewisse Aktivität der Politik, um diese Dinge zu reglementieren. Zumindest müsse es für den einzelnen so transparent werden, dass es möglich ist, entsprechenden Datenschutz zu gewährleisten.

Oft habe man als Anwender keine Wahl - "man kann nur nein sagen und nicht mitmachen", erklärt Grimm. Es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die diese intensiven Datensammelaktivitäten einschränke - der Weg dahin sei aber noch weit.

Info: Die nächste Vorlesung der Uni der Generationen findet am 19. Januar ab 14 Uhr an der Hochschule Göppingen zum Thema "Spracherwerb (k)ein Kinderspiel" statt. Referentin ist Professorin Marion Weise von der Hochschule Esslingen.

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