Göppingen Das Stahlherz wird zur Bühnenkulisse

Am Rande der Probe von "theaterfuereinjahr" in der Göppinger Kunsthalle musizieren einige Teilnehmer.
Am Rande der Probe von "theaterfuereinjahr" in der Göppinger Kunsthalle musizieren einige Teilnehmer. © Foto: Staufenpress
Göppingen / PHILIP SCHWARZ 21.12.2015
Die Galerie wurde zur Bühne, Stefan Strumbels großes Stahlherz zum Bühnenbild: Zum Abschluss der ersten Etappe verlegte das Projekt "theaterfuereinjahr" seine Probe in die Göppinger Kunsthalle.

Für gewöhnlich ist die Kunsthalle doch eher ein stiller Ort, an dem Besucher in aller Ruhe die Exponate betrachten können. Nicht so am Donnerstagabend: Es ertönt Musik. Ein Saxofon hallt durch die Halle. Lachen erfüllt den leeren Raum. Für eine Probe ist Thomas Faupels Projekt "theaterfuereinjahr" von der benachbarten Volkshochschule in den großen Galerieraum umgezogen, wo derzeit die Ausstellung "Handle with Care" von Stefan Strumbel gezeigt wird.

Das Kernstück dieser Ausstellung ist ein riesiges, kantiges Herz aus gerostetem Stahl. Mit gummierten Schlägern traktiert Theaterleiter Faupel das Stahlherz. Aus dem großen Klangkörper lässt dieser einen dumpfen Rhythmus erklingen.

Hinter dem Konzepttitel "Die luftdichte Garage des Jerry Cornelius" steht eine verworrene Geschichte, die auf einem Comic von Moebius basiert. Seinen Teilnehmern erklärt der Theaterpädagoge das Prinzip der Story anhand des nach dem Mathematiker Möbius benannten Möbiusbands: Das besitzt nur eine Fläche. Es hat weder Anfang noch Ende und lässt sich nicht zwischen innen und außen unterscheiden.

An diesem Abend nutzt die bunte Truppe aus jungen und alten, behinderten und nicht-behinderten Menschen, die gesamte freie Fläche der Kunsthalle aus. Die Amateurdarsteller schlüpfen erstmals in die Kostüme, um für einige Momente in ihre Rollen einzutauchen. Sie lassen während der Probe den Alltag vergessen. Der 70-jährige Saxofonist meint: "Das ist eine richtige Abwechslung zum Rentneralltag."

Frühere Projekte von Thomas Faupel mit Behinderten wurden wegen ihres inklusiven Charakters gefördert. In diesem Fall aber wird das Stück als solches vom Landeskultusministerium unterstützt. "Wir müssen keinem der Förderung wegen erzählen, dass auch Behinderte bei uns teilnehmen. So funktioniert wahre Inklusion", erklärt Faupel stolz. In der Probe lässt sich so ein Gefühl der Selbstverständlichkeit und Toleranz erfahren, denn schlussendlich sind alle Teilnehmer aus einem Grund hier: Spaß.

Der Theaterpädagoge rechnet vor: "Für jede Minute Theaterstück brauchen wir ungefähr eine Probe." So benötigt "theaterfuereinjahr" ungefähr ein Jahr, um das Stück auf die Bühne zu bringen.

Info Das Projekt "theaterfuereinjahr" führt das Stück "Die luftdichte Garage des Jerry Cornelius" von Moebius erstmals am 20. Oktober in der Stadthalle Göppingen auf.

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