Göppingen Das schwächste Glied der Euro-Kette

Der Stuttgarter Krimiautor Wolfgang Schorlau hat bei Osiander in Göppingen seinen neuesten Dengler-Roman „Der große Plan“ vorgestellt.
Der Stuttgarter Krimiautor Wolfgang Schorlau hat bei Osiander in Göppingen seinen neuesten Dengler-Roman „Der große Plan“ vorgestellt. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Kurt Lang 13.06.2018
Wolfgang Schorlau stellt bei Osiander sein neues Buch vor und spart nicht mit Bemerkungen über die Vergangenheit.

Gleich zu Beginn wandte sich Wolfgang Schorlau mit einer ungewöhnlichen Grußbotschaft an seine Zuhörer in der restlos besetzen Göppinger Buchhandlung Osiander: „Soll Sie von Georg Dengler grüßen. Er kann leider nicht kommen. Eine Sommergrippe hat ihn niedergestreckt. Nächstes Mal ist er wieder da.“

Dengler, Privatermittler in Stuttgart, ist die fiktive Hauptfigur in Schorlaus Bestseller-Krimis. Und um ein Haar wäre es nichts geworden mit dem neuen, am Montagabend zur Vorstellung gebrachten Fall „Der große Plan“, denn der Dengler habe, berichtete Schorlau, ihm zuvor klipp und klar zu verstehen gegeben: „Ich glaube, ich suche mir nach zwölf Jahren und ständig am Existenzminimum lebend lieber einen neuen Schriftsteller.“

Der neue Auftrag kam vom Berliner Außenministerium. Dessen Mitarbeiterin Anna Hartmann, Karriere-Diplomatin durch und durch und Beraterin jener Troika, die mit harter Hand Griechenlands Staatsverschuldung in den Griff bekommen sollte, ist verschwunden. Doch da der Auftraggeber ein höchst großzügiges Honorar springen ließ und Georg Dengler ohnehin wissen wollte, wie diese angebliche 200-Millarden-Verschuldung zustande kam, nahm er den Fall an und fuhr zusammen mit seinem Autor zum Recherchieren nach Griechenland.

Bei jenen Recherchen erfuhr Wolfgang Schorlau erstmals, dass von 1941 bis 1943 durch den Einmarsch und die Besetzung deutscher Truppen zehn Prozent der griechischen Bevölkerung gestorben sind: erschossen und verhungert.

Die Nahrungsmittel wurden für die deutsche Wehrmacht requiriert, und so erlagen allein im Großraum Athen an die 40 000 Menschen dem Hungertod. Krimiautor Wolfgang Schorlau sagte bei Osiander: „Da war mir klar, der Roman kann nur gelingen, wenn ich darüber schreibe. Ich habe so die Griechen besser verstanden, dass sie heute von uns Deutschen nicht gern hören, sie würden über ihre Verhältnisse leben.“

Und auch hinsichtlich der Milliarden-Verschuldung gibt sich der Autor Wolfgang Schorlau als harter Aufklärer – hätten doch seiner überzeugten Meinung nach die Griechen als ökonomisch schwächstes Glied in der Euro-Kette durch die Macht der Finanzmärkte nie eine Chance gegen diese hohe Staatsverschuldung gehabt.

Wie schon in den beiden Bänden zuvor, hat auch dieser neue Dengler-Fall fast schon Sachbuch-Charakter mit schmückender Krimiumrahmung. Auch wenn nicht alle dieser Recherchen einem Faktencheck standhalten sollten, darf Schorlau als Romanschriftsteller natürlich allemal frei von der Seele weg schreiben, zumal er auf seiner Webseite den jüdischen Literatur-Nobelpreisträger Isaac B. Singer genüsslich-treffend zitiert: „Als ich ein kleiner Junge war, nannte man mich einen Lügner, aber jetzt, da ich erwachsen bin, nennt man mich einen Schriftsteller.“

Am Schluss spendeten die Zuhörer großen Applaus für eine höchst kurzweilig-interessante Buchpräsentation.

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