Göppingen / Susann Schönfelder Die Göppinger Volksbank ist trotz eines schwierigen Umfelds zufrieden mit dem Jahr 2018. Der Gewinn schrumpfte zwar um zehn Prozent – aber nur, weil das Institut stille Reserven angelegt hat.

Banker zu sein, ist in diesen Zeiten kein leichtes Unterfangen. Das machten Dr. Lukas Kuhn und Hermann Sonnenschein, Vorstände der Göppinger Volksbank, bei der Vorlage der Bilanz für 2018 deutlich. Eine verschärfte Regulatorik, verändertes Kundenverhalten und die anhaltenden Niedrigzinsen machen nicht nur der Volksbank zu schaffen, sondern auch anderen Instituten. „Aber wir jammern nicht über Dinge, die wir sowieso nicht ändern können“, sagte Kuhn. Er ist überzeugt, dass die Volksbank die Herausforderungen der Zukunft gut meistern werde.

Digitalisierung zwingt zum Umdenken

Kuhn machte deutlich, dass sich die Bank heute mit ganz anderen Themen beschäftigen müsse als noch vor zehn, 15 Jahren: Mobiles Banking mit dem Handy, die Beschäftigung mit Datenbanken, das Speichern in der Cloud, einer Datenwolke, und das Thema Social Media gewännen an Bedeutung. „Das Plattformgeschäft wird immer mehr zunehmen“, blickte der Vorstand in die Zukunft. Wichtig sei es, die Bedürfnisse von Mitgliedern und Kunden sowie der Mitarbeiter zu berücksichtigen: „Wir wollen alltagsrelevant sein“, unterstrich der Vorstand. „Und wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein.“

Damit die Mitarbeiter die Aufgaben der Zukunft, gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung, erfüllen können, sollen sie entsprechend qualifiziert werden. Kuhn stellt seinem Team ein gutes Zeugnis aus: „Unsere Mitarbeiter haben in der Vergangenheit einen guten Job gemacht.“ Die Volksbank Göppingen habe sich besser entwickelt als vergleichbare Institute. „Wir sind so gut wie unsere Mitarbeiter“, unterstrich Kuhn.

25 Prozent der Kredite über Online-Plattformen

Das Vorstandsduo hob in dem Jahrespressegespräch das „erfreuliche Kundengeschäft“ hervor, das Kundenkreditvolumen sei um sechs Prozent gestiegen, „das liegt über dem Durchschnitt“, betonte Hermann Sonnenschein. Vor allem die Baufinanzierung der Privatkunden sei hier ein großes Thema. Im Jahr 2018 habe es Neuzusagen über 163 Millionen Euro gegeben. Mehr als 41 Millionen Euro an Krediten seien dabei über Online-Plattformen gelaufen, das macht rund ein Viertel des Baufinanzierungsgeschäfts aus, zeigte Sonnenschein einen klaren Trend in Richtung Internet auf.

Die Ergebnisseite sei zwar rückläufig, dies sei aber dem Anlegen stiller Reserven geschuldet. „Ohne diese wären wir knapp unter dem Ergebnis des Vorjahres“, erklärte Kuhn, machte aber auch deutlich, dass die Banken stark am Tropf des Zinsniveaus hängen. Das Institut will daher sein Vermögen reduzieren, weil es keine entsprechenden Renditen mehr generieren kann.

Wurde ein Restaurant nach einer Lebensmittelkontrolle auffällig, können dessen Name und die Verstöße in besonders schweren Fällen veröffentlicht werden. Eine Gratwanderung für die Behörden.

Crowdfunding ist Erfolgsgeschichte

Gestiegen sind wiederum die Einlagen der Kunden – und zwar um 5,3 Prozent auf gut zwei Milliarden. Sonnenschein appellierte jedoch an die Kunden, angesichts der niedrigen Zinsen auch in andere Anlageformen zu investieren, beispielsweise in Bauspareinlagen, Lebensversicherungen, Fonds oder Rohstoffe.

Als Erfolgsgeschichte bezeichnete der Vorstand die Crowdfunding-Plattform. Hier stellen gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen ihre Projektideen vor. Interessierte können dann ein Projekt ihrer Wahl finanziell unterstützen und das Projekt überhaupt möglich machen. Alle Spenden, die in dieser Zeit gesammelt werden, werden von der Volksbank Göppingen verdoppelt, bis die Spendensumme erreicht oder der mit 50 000 Euro gefüllte Spendentopf leer ist. Seit Start der Spendenplattform im September 2018 wurden 15 Projekte finanziert. Insgesamt konnten schon mehr als 103 000 Euro gesammelt werden.

„Wir haben eine gesunde Entwicklung“

Trotz großer Herausforderungen blicken Kuhn und Sonnenschein entspannt in die Zukunft: „Wir haben eine gesunde Entwicklung und können weiterhin erfolgreich operieren.“ Schnelligkeit und Qualität seien wichtige Punkte, um auch in Zukunft als Bank erfolgreich zu sein – „und daran arbeiten wir“.

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Zahlen, Daten, Fakten zur Bilanz 2018

Bilanzsumme 2,4 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Kundenkredite Mit 1,2 Milliarden Euro verzeichnet die Volksbank hier einen Zuwachs von 6,2 Prozent.

Eigenkapital 287 Millionen Euro, das ist ein Plus von 3,9 Prozent. Seit 2013 hat die Eigenkapitalquote um 32,9 Prozent zugenommen.

Ergebnis vor Steuern Der Gewinn sank aufgrund des Anlegens stiller Reserven um zehn Prozent auf 15,4 Millionen Euro.

Mitarbeiter Die Volksbank Göppingen beschäftigte zum Jahresende 2018 genau 363 Mitarbeiter, 19 weniger als im Vorjahr.