Wäschenbeuren Das Klavierduo Grau/Schumacher beim Sommerfestival

Wäschenbeuren / HANS HERDEG 30.07.2015
Die Bürenhalle, so eine launige Anmerkung von Johann Pfeifer, wird künftig in einem Atemzug mit den großen Aufführungsorten klassischer Musik genannt: Das Weltklasse-Klavierduo Grau/Schumacher war zu Gast.

Wäschenbeuren - Und die beiden Pianisten Andreas Grau und Götz Schumacher unternahmen am Dienstagabend alles, um - eben ganz im Sinne von Johann Pfeifers, des Vorsitzenden des Vereins Musik auf Schloss Filseck - der schmucklosen Mehrzweckhalle zu ihrem neuen Ruf zu verhelfen. Gleichwohl hätten sich die beiden Teile des mit "Dances" überschriebenen Programms kaum unterschiedlicher päsentieren können.

Der erste Teil war so recht geeignet, das pianistische Können der beiden Musiker in hellstes Licht zu rücken, ihre spielerische Meisterschaft im einzelnen wie auch ihr fast blindlings funktionierendes Zusammenwirken, die frappierende Präzision des Miteinander und dessen ganz enge, bis in kleinste Nuancen mit größter Selbstverständlichkeit sich ereignende Verzahnung der musikalischen Abläufe.

Das hatte ganz großes Format, doch auch ein kleines Manko: Vieles, vor allem aber Johann Sebastian Bachs den Abend eröffnendes Konzert c-Moll BWV 1060, erschöpfte sich in zwar brillant ausformulierter, jedoch fast mechanistischer Darstellung, die weit entfernt war von der im Programmtitel andeutungsweise versprochenen tänzerischen Leichtigkeit. Kaum anders erging es Frank Martins "Ouverture et Foxtrott", wobei letzterer weder in seinem originalen Rhythmus noch in seiner Umformulierung zum Blues zwingende Gestalt annahm. Wie das bei bravourösem Spiel in virtuoser Vielfalt der Rhythmik hätte tönen können, offenbarte überzeugend die den ersten Konzertabschnitt beschließende Darstellung von Andre Jolivets "Hopi Snake Dance".

Ganz anders stellte sich der zweite Konzertteil dar. Nicht dass es ihm an den im ersten Abschnitt demonstrierten Qualitäten mangelte. Sie waren selbstverständlich in der nämlichen Güte vorhanden, doch kamen sie jetzt umso besser und eindrucksvoller zur Geltung, da sich nun der Interpretationswille der beiden Pianisten so richtig Bahn brach. Ohne das Moment spielerischer Bravour auch nur einen Augenblick zu vernachlässigen, sollte nun das tänzerische Element beherrschend in den Vordergrund treten, beginnend - nach einem eingeschobenen Tango von Igor Strawinsky - mit Jean Francaix' "Huit danses exotiques", in deren Wiedergaben Andreas Grau und Götz Schumacher den einzelnen Tänzen mit rhythmischer Prägnanz und malerischer Subtilität (welch eine Fülle von Farben sie herbeizuzaubern wussten) ihren genau umrissenen Charakter zuwiesen.

Zum Höhepunkt des Konzerts geriet dann Maurice Ravels das Programm beschließende Apotheose des Wiener Walzers, "La Valse", in deren Darstellung es dem Duo gelang, die verschiedenen Walzer-Elemente in immer neu eingefärbten agogischen und dynamischen Gewändern aufscheinen und aufleben zu lassen.

Fast wäre dieser interpretatorische Gipfel noch übertroffen worden mit dem zugegebenen "Bolero" Ravels, doch wurde trotz der Intensität der Ausgestaltung rasch klar, dass der Komponist hier nicht allein auf die rhythmische Permanenz, sondern auch und vor allem auf das variable Orchesterkolorit gesetzt hatte.

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