Stadtbild Das Jahr der Göppinger Großbaustellen

Göppingen / ARND WOLETZ 04.01.2017
Göppingen stehen 2017 gleich eine ganze Reihe von Millioneninvestitionen bevor. Die Stadt wird dadurch ihr Gesicht nachhaltig verändern.

Am Apostel-Areal sind die Arbeiter am weitesten. Dort haben sich die Bagger längst in die Tiefe gebuddelt. Dort ist die städtische Wohnbau-Gesellschaft (WGG) dabei, einen Supermarkt und 37 darüber liegende Wohnungen zu bauen. Das ist aber nur der erste Abschnitt des Gesamtvorhabens: Das ehemalige Kinocenter und nach derzeitigem Stand auch das historische Apostel-Hotel werden für den zweiten Abschnitt der Spitzhacke weichen. Für diesen Bauabschnitt ist der Zeitplan allerdings noch nicht bekannt. Der Bauherr ist in diesem Fall die Stuttgarter Firma Nanz.

Sicher ist: Auch in unmittelbarer Nähe ist für den kommenden Sommer der Startschuss für ein Großprojekt geplant. Die Kreissparkasse wird das Zentrum Untere Marktstraße (ZUM) unmittelbar gegenüber von ihrem Hauptsitz an der Geislinger Straße bauen, also dort, wo heute noch das ehemalige Palast-Kino steht. Im vergangenen Sommer hat sich der Bauherr für die Entwürfe des Stuttgarter Büros Harris + Kurrle entschieden. Damals war auch der Baubeginn auf Sommer 2017 terminiert worden. Bereits im Frühjahr werden demnach die derzeitigen Gebäude abgebrochen, bevor für 15 Millionen Euro Einzelhandelsgeschäfte, Büros und 17 Wohnungen neu hochgezogen werden.

Nur einen Steinwurf davon entfernt, auf dem Bahnhofsplatz, rollen demnächst ebenfalls die Bagger an. Den offiziellen Baubeginn hatte die Politprominenz bereits im Oktober gefeiert. Zu Beginn des Jahres soll es nun wirklich los gehen. Dann werden zunächst die Platanen am Bahnhof abgesägt. Anschließend wird der Bau der viereinhalb Millionen Euro teuren Tiefgarage mit Platz für 100 Autos beginnen.

Unmittelbar angrenzend entsteht das neue Verwaltungszentrum, das auch unter dem Namen „Rathaus II“ bekannt ist. Das Architekturbüro Ackermann + Raff hatte den Planungswettbewerb für sich entschieden. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt fürs „Rathaus II“ etwa 23 Millionen Euro.

Mit 90 Millionen Euro fällt der Bau des Einkaufszentrums in der Bleichstraße noch um ein Vielfaches teurer aus. Diese Investitionssumme nennen die Bauherren. Gut 700 Parkplätze und 22 000 Quadratmeter Verkaufsfläche wird der Einkaufstempel mit dem Arbeitstitel „Staufengalerie“ bieten. Durch die sechs Jahre dauernde Planungsphase fällt  der Baustart nun ausgerechnet  ins Baustellenjahr 2017. Hier müssen zunächst viele Lastwagenladungen Schutt aus der Stadt geschafft werden: Der Abbruch des Frey-Centers, ein massives Beton-Bauwerk aus den Sechzigerjahren, steht an. Die Entwürfe für die neuen Großbauten haben sich allesamt in teils sehr aufwendigen Planungswettbewerben durchsetzen müssen. Im Falle der Staufengalerie gilt das zumindest für die Fassade. Dennoch ist die Architektur nicht jedermanns Geschmack. „Nüchtern, kalt und von Orthogonalen bestimmt“, sagt Armin Brendel über die Entwürfe. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises Stadtentwicklung und Verkehr und sagt: „Diese Architektur beherrscht jetzt das Bild. Ich wünsche mir, dass diese Zeit bald vorbei ist.“ Denn: „Kalte Fassaden ziehen keine Menschen an“, findet Brendel.

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