Leitartikel Arnd Woletz zum Finale des Regionalverkehrsplans Das Hauen und Stechen beginnt erst

Kreis Göppingen / Arnd Woletz 16.06.2018

Beim Verkehr hört die Freundschaft auf. Davon können Lokalpolitiker und Bürger ein Lied singen. Gegen den seit Jahren vorbereiteten Regionalverkehrsplan fahren Göppinger Stadträte nun kurz vor der Entscheidung schwere Geschütze auf – dabei sind die darin eingezeichneten Straßen Ewigkeiten entfernt.

Das gibt schon mal einen Vorgeschmack darauf, wie viel Zündstoff die Verkehrsplanung im Landkreis in den nächsten Jahren (und Jahrzehnten) birgt, wenn neue Straßen wirklich konkret werden. Das Hauen und Stechen ist programmiert. Es ist zu befürchten, dass friedliebende Nachbarn zu erbitterten Kontrahenten werden.

Beispiel Ortsumfahrung Rechberghausen: Kommt sie irgendwann so, wie im Regionalverkehrsplan angedeutet, und führt nördlich am Stadtteil Reusch entlang, dann gehen die Göppinger auf die Barrikaden. Kommt sie nicht, dann sind die Rechberghäuser sauer, weil sie in der weiter wachsenden Verkehrsflut ertrinken. Kommt sie in einer anderen Variante, werden vielleicht die Faurndauer aufheulen.

Beispiel Krettenhof-Trasse: Wäschenbeuren träumt von einer Direktverbindung ins Fils­tal. Bei den Göppingern löst dies blankes Entsetzen aus. Sie wollen den Schleichweg unattraktiv machen, könnten sich damit aber ins eigene Fleisch schneiden. Die B 297 wird immer mehr zum Alptraum.

Und das sind nur leise Ahnungen von den politischen Barrikaden, die die betroffenen Bürger und Bürgervertreter aufbauen werden, wenn Mitsprache nicht länger eine Floskel bleibt. Dazu kommen der immense Landschaftsverbrauch und große Naturschutzprobleme, Tunnel und Brücken, die unermesslich teuer werden. Alles zusammen ergibt das ein Bollwerk, das so schnell kein  Auto überwinden wird.

Bis dahin bleibt eigentlich nur eine Rückkehr zur maßvollen Siedlungspolitik. Die Kreiskommunen dürfen sich den mit Baugebieten selbstgemachten Verkehr nicht auf Kosten der Nachbarn vom Hals schaffen. Und bei den Bürgern, die ja meistens auch Autofahrer sind, wird die bittere Erkenntnis wachsen: Wer in die Dörfer im Umland zieht, der muss auf dem Weg zur Arbeit eben mit Stau rechnen oder auf den öffentlichen Nahverkehr  umsteigen. Das milde Lächeln, das die im Regionalverkehrsplan ebenfalls angedachte Reaktivierung der hiesigen Bahnstrecken derzeit noch auslöst, könnte sich dann als voreilig erweisen.

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