Ehrung Dank für sehr viel Einsatz: Bürgerpreis verliehen

Kreis Göppingen / Von Werner Schmidt 30.10.2017
Auf Schloss Filseck ist der Deutsche Bürgerpreis verliehen worden. Neun Preisträger aus dem Kreis wurden für herausragendes Engagement ausgezeichnet.

Rund 23 Millionen Menschen engagieren sich in der Bundesrepublik ehrenamtlich. Um ihnen für ihren Einsatz Anerkennung auszusprechen, war 2003 aus einem Bündnis von Sparkassen, Bundestagsabgeordneten. Landkreisen, Städten und Gemeinden der Deutsche Bürgerpreis ins Leben gerufen worden. Für den Landkreis Göppingen wurde dieser Preis am Freitagabend auf Schloss Filseck an insgesamt neun Personen vergeben. Umrahmt wurde die Veranstaltung vom Saxophon-Ensembles der Jugendmusikschule Göppingen unter der Leitung von Eberhard Schmid.

Der Bürgerpreis werde jährlich für herausragendes Engagement in drei Kategorien verliehen, sagte Landrat Edgar Wolff: U21, Alltagshelden und Lebenswerk. Dabei steht die Verleihung jeweils unter einem Motto, das dieses Jahr lautete: „Vorausschauend engagiert – real, digital, kommunal.“

Mit vier Millionen Ehrenamtlichen stehe Baden-Württemberg an der Spitze in Deutschland. Mit 50 Prozent ehrenamtlichen Helfern übertreffe der Landkreis den Bundesdurchschnitt deutlich.

Der Geislinger Jugendgemeinderat  ist in vielen Bereichen aktiv. Stellvertretend wurden die vier Sprecher Franziska Mauch, Victoria Kutek, Kai Hummel und Max Erhardt von Marc Kersting, dem Bürgermeister von Süßen, in der Kategorie U21 geehrt. „Die Arbeit der Sprecher ist gekennzeichnet durch außergewöhnlich großes Engagement, hohe Selbstständigkeit sowie ausgezeichneten Ergebnissen“, sagte Kersting. Dabei engagierte sich das Gremium nicht nur kommunal wie zum Beispiel mit einer „Wahlstraße“ vor der Bundestagswahl, sondern seit zwölf Jahren auch digital durch das Projekt „Jung trifft Alt“ mit dem Stadtseniorenrat. Hierbei helfen die Jugendlichen beim Umgang mit dem  Computer.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Färber würdigte Berta Rau aus Gammelshausen in der Kategorie Alltagshelden für ihr soziales Engagement. Seit 2001 organisiere sie mit viel Herzblut die „Donnerstagsrunde“. Was einst als Treffpunkt für Senioren begann, sei heute ein Anziehungspunkt für alle Bürger. Berta Rau sei als Lesepatin oder Hausaufgabenbetreuerin für Grundschüler unterwegs und helfe Neubürgern, Anschluss zu finden.

Alltagsheld Dieter Nemec habe Jamaica real und nicht nur als mögliches Regierungsbündnis erlebt, betonte die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens bei der Würdigung des Heiningers. Nach seiner Lehre zum Elektromechaniker und anschließendem Abitur engagierte sich Nemec über den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Jamaika an einer Schule. Die Erfahrungen waren so nachhaltig, dass Nemec später Präsident der deutsch-jamaikanischen Gesellschaft wurde.

Aber Nemec ist als SPD-Gemeinderat auch politisch seinem Heimatort aktiv, übernimmt Verantwortung als technischer Geschäftführer der „Bürgerenergiegenossenschaft Voralb-Schurwald“ und kümmere sich so darum, dass „die Energiewende kommunal und digital vorankommt“, sagte Baehrens.

Das Lebenswerk von Johann Herbinger aus Lauterstein würdigte der Chef der Kreissparkasse Göppingen,  Dr. Hariolf Teufel: „Er engagiert sich seit über zwei Jahrzehnten ehrenamtlich für die Hilfe von anderen, Not leidenden Menschen.“ Seit 1993 organisiere Herbinger zudem Hilfslieferungen in Länder wie die Ukraine und Bosnien, aber auch nach Rumänien, Russland und Litauen. Teufel: „Oberstes Ziel war immer, dass die von ihm gesammelten Spenden direkt und ohne Umweg und Verluste bei den Menschen ankommen.“ Herbinger konnte Hilfsorganisationen motivieren, ihn zu unterstützen, um Rollstühle, Rollatoren, Fahrräder, aber auch Schulranzen, Spielsachen und Betten direkt zu den Bedürftigen zu transportieren. Dabei setzte sich der  inzwischen 82-jährige gelernte Schlosser auch selbst hinter das Steuer eines Lkw. Aus einem Glauben heraus beteiligte sich Johann Herbinger zusätzlich am Bau von Kirchen in Russland. Für 25 Kirchen und Kapellen baute er die Kreuze aus Edelstahl.

Der aus Gammelshausen stammende Hans Hohlbauch wurde von Landrat Edgar Wolff für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Wolff musste einen großen Bogen schlagen, um die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten darzustellen. Seit 1971 sei Hohlbauch Personalratsvorsitzender im Arbeitsamt Göppingen gewesen, später Vorsitzender des Bezirkspersonalrats des Landesarbeitsamts. Er engagierte sich in Sport- und Gesangsvereinen. Zusätzlich übernahm er die Funktion eines ehrenamtlichen Richters beim Amtsgericht Göppingen und beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim. Hans Hohlbauch ist bereits Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und erhielt für sein jahrelanges Wirken in den Vereinen unter anderem als höchste Auszeichnung die Ehrenplakette des Sportkreises Göppingen.

In Claus Anshof wurde ein weiterer Bürger aus Gammelshausen für sein Lebenswerk geehrt. Der in Gleiwitz geborene Anshof hatte 1968 die Leitung des damals im Aufbau befindlichen Werner-Heisenberg-Gymnasiums übernommen. Der Bau seines Hauses in Gammelshausen brachte ihn dazu, in die Ortsgeschichte einzutauchen. Bereits 1967 interviewte er  alle alteingesessenen Bürger von Gammelshausen und schrieb deren Berichte und Geschichten auf. Diese erschienen später in einem Heimatbuch.

Der als bescheiden beschriebene Claus Anshof schlage bei seinen Zeitreisen stets den Bogen zur Gegenwart, würdigte NWZ-Redaktionsleiter Helge Thiele die Verdienste des 1996 pensionierten Schulleiters, Ortschronisten und Kommunalpolitikers. Es gelinge ihm, seine Zuhörer und Leser auf „spannende und  herzerwärmende Art und Weise“ für  Geschichte begeistern. Anshof gehörte 1971 bis 1997 dem Gemeinderat von Gammelshausen an und prägte als Kreisrat auch die Entwicklung des Landkreises entscheidend mit.

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