Comedy Cosar: Arbeitsloser Promi, der Witze erzählt

Özcan  Cosar unterhielt 650 Besucher in der Stadthalle Göppingen mit seinen Erzählungen zwischen zwei Kulturen.
Özcan  Cosar unterhielt 650 Besucher in der Stadthalle Göppingen mit seinen Erzählungen zwischen zwei Kulturen. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Sabine Ackermann 20.01.2018

Göppingen stand auf meiner Wunschliste ganz oben“, macht Özcan Cosar gleich gut Wetter und muss beim Abfragen der Eintrittspreise feststellen, dass die meisten von weiter her kommen. „Manche Leute leben für die Zukunft und nicht für die Gegenwart“, deutet er den Inhalt seines neues Programms an und richtet seine Frage an die rund 650 Zuschauer: „Wo siehst du dich in zehn Jahren? Vielleicht in Ebersbach?“

Und dann legt er los, outet sich als „Old School“, verurteilt die Rente als „abgefacktestes System auf der Welt“, ist der Meinung, „man solle die Rente splitten, zehn Jahre arbeiten und danach drei Jahre frei haben“. Mit vollem Körpereinsatz sowie spontaner Lässig- und Leichtigkeit erzählt der Stuttgarter mit türkischen Eltern mit detailverliebtem Witz aus Kindheit und Jugend im Schwabenland sowie ersten Karriereschritten.

Dass er mittlerweile im Alltag oft erkannt werde, sei für ihn immer noch komisch. Neulich habe ihn ein Kosovo-Albaner, Grieche, Italiener oder Türke beim Wasserkaufen im Lidl entdeckt: „Stop! Özcan, was machst DU hier!“ Dann erklärte er seinem Fan, dass es im Lidl einen eigenen „Vip-Bereich“ gebe, er müsse dafür nur noch einen Knopf drücken. Anders dagegen die Deutschen: „Ach, ein Comedian, super, hab´ dich gesehen.“

Dann ist da noch die Sache mit der Verwandtschaft: „Manche reagieren erstaunt, wenn sie auf meine Brüder, Onkels oder Cousins treffen, was wiederum Özcan Cosar merkwürdig findet: „Das ist, als würden bekannte Menschen im Reagenzglas gezüchtet.“ Dabei sei er ganz normal: „Ich bin stellvertretender Elternbeirat der Bärengruppe“, so Özcan Cosar, Vater von zwei Kindern.

Normal zu sein, das habe sich auch sein Vater von ihm gewünscht. Der stufe ihn beim Thema Beruf als „Arbeitslosen, der Witze erzählt“ ein. Und auf Nachfrage der türkischen Verwandtschaft verleugne er seinen Spross schon mal mit den Worten: „Der ist Automechaniker.“ Sein Papa selbst habe eine aussichtsreiche Karriere als Sänger für die Familie aufgegeben. Kommentar des Vaters: „Und mein Sohn, es hat sich gelohnt: Aus deinen Schwestern ist was geworden.“

Ob Zuspätkommenden, Einzel-Klatschern, Zerspanungsmechanikern, zufällig entdeckten Bekannten aus Reihe drei oder dem Sonnenblumenkerne essenden „Reichen“ auf dem Balkon, all diesen Personen schenkt er seine Aufmerksamkeit. Sympathisch, wie der 36-Jährige aus seinem Leben berichtet. Bis auf das Outing, dass er seiner Frau zuliebe Sitzpinkler sei, bleibt alles oberhalb der Gürtellinie. Und das funktioniert prima, gerade bei den recht jungen Zuschauern, denen man ja häufig Niveaulosigkeit unterstellt. Obszönitäten würden zu Cosar auch so wenig passen wie der sehnliche Wunsch des 13-jährigen Öczan, in einer Gang durchzustarten. Er wollte damals unbedingt in den Knast, doch „das Schlimmste, was wir gemacht haben, war Klingelputz“. Nachdem er gehört habe, dass man in diesem Alter eh strafunmündig sei, wurde er eben Breakdancer, was er im Übrigen gleich am Anfang seines Auftritts eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Für kurze Zeit stand dann Öczan Cosar mal nicht im Mittelpunkt: Vor dem zweiten Programmteil gab es auf der Stadthallenbühne einen Heiratsantrag. Cagdas Karayel, eigens aus Berlin angereist, stellte seiner langjährigen Freundin Gamze Tastan aus Pforzheim die berühmte Frage – vor der Verwandtschaft aus beiden Städten.