In Göppingen ist am Freitagabend ein zweiter Coronavirus-Fall bekanntgeworden. Die Zahl der bestätigten Infektionen in Baden-Württemberg ist inzwischen auf 15 gestiegen. Bei dem männlichen Patienten handelt es sich nach Angaben des Landessozialministeriums, das auch für den Bereich Gesundheit zuständig ist, um einen Bekannten des 25-Jährigen aus dem Landkreis Göppingen, dessen Fall als erster im Land  bekanntgeworden war.

Beide Patienten in stabilem Zustand

Der neue Patient im Kreis sei bereits am vergangenen Dienstag als Kontaktperson identifiziert worden und habe sich seitdem in häuslicher Quarantäne befunden. Ein am Freitag abgenommener Abstrich sei positiv getestet worden, teilte das Ministerium mit. Der neu erkrankte Mann ist inzwischen auf der Isolierstation in der Klinik am Eichert untergebracht. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, betonte Dr. Heinz Pöhler, Leiter des Gesundheitsamts im Landratsamt.

Auch der erste Patient liegt auf der Quarantänestation in der Göppinger Klinik. Dr. Ingo Hüttner, medizinischer Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, hatte am Freitag erklärt, dass der 25-Jährige stabil sei. Dem Patienten gehe es soweit gut. Er werde maximal 14 Tage in einem Isolierzimmer behandelt.

Appell an Reiserückkehrer: Zuhause bleiben

Dennoch wächst bei den Behörden die Sorge vor einer weiteren Einschleppung des Virus in den Landkreis. Reiserückkehrer sollen deshalb am Montag auf keinen Fall in die Schule oder in den Kindergarten. „Mit der Rückkehr einer Vielzahl von Urlaubern aus Italien ist damit zu rechnen, dass infizierte Personen das Coronavirus unbemerkt in den Landkreis Göppingen einschleppen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gesundheitsamts, die am Samstagnachmittag verschickt wurde.

Die Behörde befürchtet, „dass infizierte Kinder in Schulen und Kindertagesstätten Infektketten auslösen, die nicht mehr nachverfolgbar sind“. In diesen Einrichtungen sei bekannter­weise die Ansteckungsgefahr durch den engen Kontakt besonders hoch,
betonte Amtsleiter Pöhler.

Landrat Edgar Wolff appellierte dringend an die Bevölkerung, sich an die Empfehlungen des Kultusministeriums und des Gesundheitsamtes zu halten. Danach sollen sämtliche Kinder, die aus den Risikogebieten in Italien zurückkehren, für die Dauer von 14 Tagen nach Reiserückkehr Kindertageseinrichtungen und Schulen nicht besuchen.

Arbeitgeber kontaktieren

Gleiches gilt für Beschäftigte dieser Einrichtungen. Hierzu sagte Wolff: „Je besser wir diese Maßnahmen umsetzen, desto eher haben wir eine Chance, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und die Bevölkerung des Landkreises Göppingen zu schützen.“

Die Behörden empfehlen Beschäftigten in anderen Bereichen dringend, den Arbeitgeber zu kontaktieren und abzuklären, ob sie an die Arbeitsstelle zurückkehren sollen oder zum Beispiel im Home Office beschäftigt werden können. Darüber hinaus sollten Reiserückkehrer alle unnötigen Kontakte zu anderen Personen vermeiden. Nach Einschätzung des Gesundheitsamts „kann durch diese Maßnahme eine rasche und unkontrollierte Verbreitung des Erregers im Landkreis verzögert werden“.

„Gesundheitssystem schützen“

Wichtigstes Ziel sei im Moment zu verhindern, dass die Erkrankungswelle „schnell zu einer großen Zahl von Erkrankungen führt“. Nur so könne das Gesundheitssystem vor Überlastung geschützt werden. Obwohl im Landkreis Göppingen bereits der zweite Corona-Fall aufgetreten ist, sei „derzeit nicht davon auszugehen, dass das Virus bereits in der Bevölkerung des Landkreises kursiert“, heißt es in der Mitteilung des Gesundheitsamts vom Wochenende.

Amtschef Heinz Pöhler sagte: „Sämtliche Kontaktpersonen der bekannten Fälle sind in Quarantäne und stehen unter gesundheitlicher Kontrolle“. Die Ansteckungsgefahr gehe momentan nicht von der örtlichen Bevölkerung aus. Eine Schließung von Kindergärten und Schulen wie in Nordrhein-Westfalen wäre daher „zum jetzigen Zeitpunkt nicht verhältnismäßig und aus Sicht des Gesundheits­amts auch nicht erforderlich“.