Die deutsche Wirtschaft ist in der Corona-Krise noch nicht über den Berg, doch zumindest für den Einzelhandel in der Göppinger Innenstadt gibt es jetzt Lichtblicke: Einige Geschäftsleute kamen am Donnerstag spontan zusammen, um ihre Freude über die am Montag, 20. April, anstehende Lockerung der Vorschriften zu bekunden - mit Sicherheitsabstand, versteht sich.

„Vielen ist nach vier Wochen Totalschließung wirklich ein Stein vom Herzen gefallen“, sagt Mathias Marzini vom Unterhaltungselektronik-Fachgeschäft EP:Marzini. Man werde zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern extrem auf Hygiene-Maßnahmen wie Spuckschutz, Desinfektionsspray oder Masken achten, so die Ankündigung der Gewerbetreibenden, denen es nun darum geht, wieder etwas Leben ins Zentrum zu bringen.

Corona-Lockerung für Geschäfte bis 800 Quadratmeter Fläche

Da nur Geschäfte bis maximal 800 Quadratmeter Fläche öffnen dürfen, sei die Situation in der Innenstadt mit ihren zahlreichen inhabergeführten Geschäften vielleicht auch eine Chance gegenüber der Konkurrenz von großen Märkten auf der grünen Wiese, heißt es. Immer vorausgesetzt natürlich, Baden-Württemberg folgt dem Bund-Länder-Kompromiss vom Mittwoch und tanzt nicht wie die Bayern aus der Reihe. Bei dem Soft Opening zum Frühlingserwachen soll jedoch in nächster Zeit auf Aktionismus, Rabattschlachten und Happenings jeglicher Art verzichtet werden, war zu hören.

Quadratmeter bei Auto- und Buchhändlern egal

Im Übrigen sollen unabhängig von der Verkaufsfläche auch Kfz- und Fahrradhändler sowie Buchhändler unter entsprechenden Auflagen öffnen dürfen, teilt die IHK mit. Schon jetzt erreichen die Bezirkskammer Göppingen zahlreiche Anrufe und Fragen von Unternehmen. Da der Zeitpunkt und die genauen Vorgaben noch offen sind, wird den Einzelhändlern empfohlen, mit den Vorbereitungen einer Öffnung zu beginnen, aber die Veröffentlichung der Corona-Verordnung abzuwarten und Zweifelsfragen mit der IHK abzuklären.

Große Geschäfte wollen Flächen abtrennen

„Aus unserer Sicht brauchen möglichst alle Unternehmen eine klare Perspektive, unabhängig von Größe oder Branchenzugehörigkeit“, meint Göppingens Bezirkskammerpräsident Wolf Martin. „Das ist ein erster, guter Schritt in die richtige Richtung, auch wenn die Flächenbegrenzung viele Fragen aufwirft“, meint Sven Maier, der Geschäftsführende Gesellschafter der Traumfabrik in Bad Boll. Er ist seit vielen Jahren Vertreter des Einzelhandels in der Göppinger IHK-Bezirksversammlung und in der Stuttgarter Vollversammlung. Es sei derzeit offen, ob Einzelhändler mit größeren Flächen diese durch Abtrennung auf das geforderte Maß begrenzen können.

Corona-Lage ist existenzbedrohend

Trotz vorsichtiger Öffnung bleibe die Situation für viele Unternehmen existenzbedrohend, denn von Normalität könne auf lange Sicht keine Rede sein. Zur Unterstützung der Betriebe wären konkrete Vorlagen oder Anregungen von den Gesundheitsämtern hilfreich, glaubt die IHK. Wichtig sei aber auch, dass die Spielräume für betriebliche Kreativität bei der Umsetzung erhalten bleiben, wenn der gesundheitliche Schutz für Mitarbeiter und Kunden erreicht wird.

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