Göppingens Nachbarkreis Heidenheim steht bundesweit auf Platz 3, was die Zahl der Corona-Neuinfektionen angeht. Akut ist somit die Gefahr, dass die Obergrenze überschritten wird, bei der ein neuer Lockdown droht.

Greiz in Thüringen, Rosenheim in Oberbayern – und dann gleich Heidenheim. Was die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Personen in den vergangenen sieben Tagen angeht, liegt der einwohnerschwache Kreis Heidenheim aktuell bundesweit auf dem dritten Rang. Das ist nicht etwa nur ein kosmetischer Makel, sondern kann bedeuten, dass ein zweiter, regional begrenzter Lockdown schon in Kürze drohen könnte.

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Kreis Göppingen

Die Obergrenze liegt bei 50 Fällen – Heidenheim hat 49,8

Denn auf Bundesebene wurde am Mittwoch – ergänzend zu den vielen Lockerungen – beschlossen, dass umgehend mit neuen Beschränkungen reagiert werden soll, wenn ein Landkreis die Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche überschreitet. Der Wert, der aktuell für Heidenheim vermerkt ist, lautet: 49,8.

Landratsamt führt Corona-Problem auf Sammelunterkünfte zurück

Aus dem Landratsamt kamen am Nachmittag Töne der Entwarnung: Zu dem Wert von 49,8 neuen Infektionen pro 100.000 Einwohnern hätten knapp 60 Coronavirus-Infektionen geführt, die in insgesamt drei Gemeinschaftseinrichtungen der Flüchtlingsunterbringung aufgetreten seien, sagte Pressesprecherin Pia Schneider der Heidenheimer Zeitung.

Ansonsten sei das Infektionsgeschehen im Zusammenhang mit dem Coronavirus im Landkreis Heidenheim unauffällig so Schneider. Im genannten Zeitraum habe es nur sechs weitere Coronavirus-Infektionen gegeben, die nichts mit den Flüchtlingsunterkünften zu tun hatten. Wie es zu der enormen Häufung unter Flüchtlingen kommen konnte, wurde zunächst nicht weiter ausgeführt.

Mehr Neuinfektionen in Heidenheim als in Heinsberg

Zum Vergleich: Spitzenreiter ist der thüringische Landkreis Greiz mit einem Wert von 84,6, gefolgt vom Stadtkreis Rosenheim mit 52,1. Der einstige Hotspot Heinsberg liegt mit 9,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern längst im grünen Bereich. Ebenso wie sämtliche Nachbarlandkreise von Heidenheim.

Eine Sieben-Tage-Quote von über 50 neuen Fällen muss aber nicht automatisch zu lokalen Einschränkungen führen: Wenn Behörden vor Ort von einem eng begrenzbaren Ausbruch ausgehen, kann es sich auch um einen Sondereffekt handeln. Die Ausnahme zielt etwa auf Einrichtungen wie Alten- oder Pflegeheimen oder sonstige Massenunterkünfte, in denen das Infektionsgeschehen vermeintlich beherrschbar bleibt, wenn man diese isoliert.

Göppingen

Bald Checkpoint auf der B466?

Bund und Länder planen ansonsten, ab einem Wert von 50 umgehend ein konsequentes „Beschränkungskonzept“ umzusetzen, dessen Details noch nicht definiert sind. Es droht jedenfalls regional begrenzt mindestens eine Wiedereinsetzung der Maßnahmen, die vor dem 19. April galten. Geht es nach den jüngst kommunizierten Vorstellungen von Angela Merkel und Jens Spahn, könnte der Kreis Heidenheim im Extremfall womöglich sogar von der Außenwelt abgeriegelt werden.

Auf der B466 zwischen Böhmenkirch (Kreis Göppingen) und Söhnstetten (Kreis Heidenheim) wäre dann unter Umständen ein Checkpoint denkbar, an dem eine Begründung für alle Fahrten genannt werden müsste. Weitreichende Grundrechtseinschränkungen, etwa beim Thema Bewegungsfreiheit, sind nach den Sondervollmachten aus dem Infektionsschutzgesetz jedenfalls auch für einzelne Regionen oder Orte möglich.

Göppingen/Geislingen

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