Samstagvormittag, kurz vor zehn Uhr auf dem Göppinger Marktplatz. Hinter einem Absperrband machen etwa 20 Frauen und Männer auf ihre „nicht verhandelbaren Grundrechte“ und auch die der Kinder aufmerksam – nach einer Stunde sind fast 50 weitere Gleichgesinnte dazugekommen. Eine friedliche Protestkundgebung gegen die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie.

Auf Bannern und Tafeln machen sie ihrem Unmut Luft, suchen wie Peter Böhringer mit den Passanten das Gespräch. Der Eigentümer einer Gruibinger Event-Firma kritisiert die einschneidenden Grundrechtseingriffe in der Wirtschaft: „Seit März habe ich keinen Cent verdient. Denjenigen, die sich dranhalten, sollte man zugestehen, eigenverantwortlich ein Konzept zu erarbeiten – mit Verboten erreicht man nichts“.

Polizisten schauen zu

Uwe Petermann aus Göppingen pflichtet ihm bei, er ergänzt: „Ganz einfach, was sie mit uns machen ist Verarsche hoch drei“. Einige Meter entfernt stehen drei Polizisten und zwei Mitarbeiter des Ordnungsamts und beobachten das Geschehen. Lisa Schönberg aus Hattenhofen sagt: „Das Sozialverhalten unter Kindern ist sehr wichtig, Kinder brauchen Kinder“. Die Leiterin der Kinderkrippe „Die Kleinen Strolche“ findet, dass Kindergarten und Schule für Jungen und Mädchen in diesem Alter „wie eine zweite Familie sind“. Tomas Schroll aus Ebersbach unterstreicht: „Als freiheitsliebender Demokrat, möchte ich selbst entscheiden, mit wem ich mich wo treffe.“

Eine 58-Jährige erzählt, dass sie seit zwölf Jahren jede Woche rund 170 Kilometer nach Göppingen fährt, um ihre 89-jährige Mutter zu sehen. „Corona hin oder her, ob erlaubt oder verboten, ich habe nur eine Mutter.“