Die Enttäuschung ist groß in Bartenbach: Auch der erneute Anlauf, in dem Göppinger Stadtbezirk eine Citybus-Linie zu etablieren, ist gescheitert. „Bereits 2015 haben SPD und Grüne einen Antrag im Bezirksbeirat gestellt, dieser wurde aber von der Stadt Göppingen nie richtig weiterverfolgt“, kritisiert Friedemann Messer, Mitglied des Gremiums. Im vergangenen Jahr gab es einen weiteren Vorstoß. Alle elf Bezirksbeiräte hatten einstimmig darum gebeten, „noch einmal zu prüfen, ob wir einen Bus in die Wohngebiete kriegen“, sagt Messer.

Wer letztlich auf die Bremse trete, ob die für die Haltestellen zuständige Stadt Göppingen oder der für die Linienführung und die Konzessionsvergabe verantwortliche Landkreis, vermag der Bartenbacher Kommunalpolitiker nicht zu sagen: „Ich weiß nicht, von welcher Seite ich die richtige Wahrheit gesagt bekomme. Da schiebt einer dem anderen den Schwarzen Peter zu“, sagt Messer. In der Sitzungsvorlage lautet der Vorschlag der Stadt: „Ein möglicher Citybus könnte die Bartenbacher Wohnlagen am Hang sowie Teile des Hailings für den ÖPNV erschließen.“

Das Landratsamt wiederum wird in der Vorlage so zitiert, dass die Linie 94 stark in die Schülerverkehre eingebunden sei und daher nicht mit Citybussen bedient werden könne. Zudem scheitere die Erschließung des Wohngebiets „an dem stellenweise enormen Parkdruck und den für die Regelomnibusse engen Radien“.

Friedemann Messer habe jedoch von Jörg-Michael Wienecke, Leiter des Amts für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Landratsamt, in persönlichen Gesprächen Signale erhalten, dass ein Citybus durchaus möglich sei. Ganz ausgeschlossen sei dies auch nicht, macht Wienecke deutlich. Die Bedienung des Wohngebiets in Bartenbach sei durch den Landkreis zusammen mit dem neuen Betreiber Frank und Stöckle intensiv geprüft worden. Hierzu fanden im Sommer dieses Jahres auch Probefahrten statt.

„Klar war, dass die Bedienung mit Standardlinienbussen nur erfolgen kann, wenn die Stadt ein entsprechendes Parkierungskonzept in den betroffenen Straßenzügen umsetzen würde“, betont Wienecke. Gleichzeitig müsste ein Winterdienst für die Zeiten der Busbedienung von 5 bis 24 Uhr angeordnet werden.

Da die Kapazitäten eines Citybusses mit maximal 15 Sitzplätzen auf die lange Distanz von Hohrein über Lerchenberg und Bartenbach insbesondere in den Zeiten mit Schülerverkehren kritisch gesehen wurde, fokussierte sich der Betrieb weiterhin auf den Einsatz eines Standardlinienbusses, erklärt Wienecke. Die Stadtverwaltung habe ein Parkierungskonzept, bei dem Stellplätze verloren gegangen wären, wegen des hohen Parkdrucks im Wohngebiet ausgeschlossen. „Der Winterdienst wäre grundsätzlich kein Problem gewesen“, betont der Verkehrsplaner des Kreises. Unter dem Strich sei auf die Bedienung des Wohngebietes zur Fahrplanumstellung am 1. Januar 2019 zunächst verzichtet worden.

Im Amt für Mobilität will man nun abwarten, wie sich das neue Konzept entwickelt. „Sollte sich herausstellen, dass die Belegung der Busse grundsätzlich auch den Einsatz eines Citybusses erlauben würde, wird die Chance gesehen, diesen zu einem späteren Zeitpunkt mit entsprechendem Vorlauf für eine Fahrzeugbeschaffung anstelle des Standardlinienbusses einzurichten“, macht Jörg-Michael Wienecke den Bartenbachern Hoffnung. Dies könnte jedoch frühestens ein Jahr später der Fall sein. Hierzu werde es im Laufe des kommenden Jahres weitere Gespräche mit der Stadt Göppingen geben. Wienecke: „Dann wäre selbstverständlich die Bedienung des Wohngebiets zu berücksichtigen.“ Die Stadt Göppingen hat im Übrigen Wieneckes Ausführungen nichts hinzuzufügen, wie Pressesprecher Dejan Birk-Mrkaja mitteilt.

Friedemann Messer weiß, dass der Zug für diesen Fahrplan abgefahren ist, will aber am Ball bleiben und hofft auf eine nächste Chance. Er schlägt vor, einen  „Midibus“ einzusetzen, der 8,70 Meter lang ist und bis zu 40 Fahrgästen Platz bietet. Dann wäre auch der benötigte Kurvenradius kein Problem, meint Messer und sieht damit alle Gegenargumente entkräftet. Er ist überzeugt: „Was in Jebenhausen geht, kann auch in Bartenbach funktionieren.“

Info


Der neue Nahverkehrsplan ist heute auch Thema im Ausschuss für Umwelt und Technik, der um 18 Uhr im Göppinger Rathaus beginnt.