Göppingen City-Bus: Der Motor stottert

Göppingen / HELGE THIELE 21.04.2012
Verwirrung um den City-Bus: Plötzlich ist wieder fraglich, ob die kleinen wendigen Busse von Dezember an in Göppingen wirklich fahren werden.

Es war ein ereignisreicher Donnerstag: Am Nachmittag kurvte ein City-Bus "zum Kennenlernen" durch die Stadt. Am frühen Abend beriet der Ausschuss für Umwelt und Technik über die für Mitte Dezember geplante Einführung der Busse. Mit ihrer Hilfe sollen das Zentrum sowie Stadtteile wie das Bergfeld und der Galgenberg besser erschlossen werden. "Freie Fahrt für City-Bus in Sicht", lautete Anfang des Monats die Überschrift einer Pressemitteilung aus dem Rathaus. Irgendwie muss OB Guido Till da schon eine Vorahnung gehabt haben, denn er schloss die Mitteilung mit dem Satz: "Ich hoffe, dass der Aussschuss für Umwelt und Technik und der Gemeinderat unsere Vorschläge mittragen werden."

Von wegen. Im Umweltausschuss unter Vorsitz von Baudezernent Olav Brinker hagelte es Bedenken und Fragen. Schließlich wurde die für 3. Mai geplante Entscheidung des Gemeinderats in Frage gestellt. Seitdem ist völlig offen, ob es mit der Einführung des City-Busses in diesem Jahr überhaupt klappt.

Da nützte es auch nichts, dass der Verkehrsplaner der Stadt, Helmut Renftle, das Konzept lobte und - ein wenig feierlich - feststellte: "Der City-Bus wird in Göppingen eine neue Qualität des Nahverkehrs einläuten." Dass der Motor im Ausschuss ins Stottern geraten würde, war schon durch einen Blick auf die Zuschauerplätze zu erahnen. Dort saßen verärgerte Anlieger aus dem Bergfeld. Sie befürchten, dass der City-Bus weiteren Autoverkehr in ihren Wohnstraßen nach sich ziehen könnte. Renftle war bemüht, die Sorgen der Anwohner ernst zu nehmen. Er schlug eine Bürgerversammlung vor und kündigte eine Verkehrsuntersuchung für das Bergfeld an. Die Stadträte waren einverstanden, übten aber Kritik am Zeitplan. Nicht nur Wolfgang Aupperle (CDU) vertrat die Ansicht, dass erst die Bürgerversammlung abgewartet werden müsse, bevor der Gemeinderat entscheiden könne. Baudezernent Brinker schloss sich dieser Sichtweise an. Achim Fehrenbacher (CDU) brachte den Anschluss Jebenhausens an das City-Bus-Netz ins Spiel. Und SPD-Fraktionschef Armin Roos listete einen ganzen Katalog von Fragen auf, die zu klären wären, bevor die Planungen für den City-Bus vorangetrieben werden könnten. Jürgen Schaile (FDP/FW) stört sich daran, dass die Kleinbusse über den Kornhausplatz rollen sollen, wo die Stadtverwaltung auf Höhe der Stadtbibliothek eine Schranke installieren will. "Ein Schwabenstreich ohne Ende", meinte Schaile gestern.

Jetzt gibt es offene Fragen - und wenig Zeit. Denn das Busunternehmen OVG braucht Planungssicherheit und einen Vorlauf, um die rund 170 000 Euro teuren Fahrzeuge anzuschaffen. Der Landkreis wiederum - er ist Aufgabenträger des Busverkehrs - muss die Linienführung genehmigen und die City-Busse in den Gesamtfahrplan einarbeiten. Dafür gibt es Fristen. Jörg-Michael Wienecke, Verkehrsplaner des Landkreises, spricht von einem "sehr sportlichen Ziel".

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