Kreis Göppingen Christophsbad will Kurhaus übernehmen

Eine neue Zukunft für das Kurhaus Bad Boll bahnt sich an: Das Göppinger Christophsbad will das traditionsreiche Haus übernehmen. Foto: Giacinto Carlucci
Eine neue Zukunft für das Kurhaus Bad Boll bahnt sich an: Das Göppinger Christophsbad will das traditionsreiche Haus übernehmen. Foto: Giacinto Carlucci
JÜRGEN SCHÄFER 14.06.2012
Das Christophsbad will das Kurhaus Bad Boll übernehmen und zu neuen Ufern führen. Die Verhandlungen laufen, das Christophsbad hat weitreichende Perspektiven entwickelt. Entschieden ist noch nichts.

Anderthalb Jahre hat die Diakonie Stetten einen Käufer für die Rehaklinik Bad Boll gesucht, die sie seit zwölf Jahren führt. Jetzt wird bekannt, dass das Göppinger Christophsbad von Anfang an Interesse bekundet habe und die Verhandlungen weit gediehen sind. "Es sieht gut aus", sagt Christophsbad-Geschäftsführer Bernhard Wehde.

Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Stetten, Pfarrer Rainer Hinzen, sieht im Christophsbad einen "guten Nachfolger". Das war ihm wichtig. Die Diakonie hatte immer betont, dass sie die Rehaklinik Bad Boll in seriöse Hände übergeben wolle. Jetzt sagt Hinzen: "Bei beiden Unternehmen - der Diakonie wie dem Christophsbad - geht es um Menschen, steht der Mensch im Mittelpunkt."

Wie die Belegschaft der Rehaklinik dieser Übernahme entgegensieht, ist nicht zu erfahren. Geschäftsführerin Birgit Kälbling und Beate Lange von der Mitarbeitervertretung äußern sich dazu nicht. Für das Christophsbad ist die Rehaklinik wegen der Synergien und Zukunftsperspektiven interessant. "Da kann man was draus machen", sagt Geschäftsführer Wehde. Überschneidungen gebe es bei der orthopädischen und geriatrischen Reha. Sodann habe das Christophsbad den stärksten Personalpool für Heilberufe, die auch bei der orthopädischen Reha eine Rolle spielten: Physio-, Ergo- und Logotherapie. Aushelfen könne das große Christophsbad mit seinen 1000 Beschäftigten der "kleinen" Rehaklinik mit 160 Mitarbeitern beim Fachkräftemangel, der sowohl Ärzte wie Pfleger betreffe. Außerdem kämen Ideen aus dem Kurhaus selbst. Wehde will da aufmerksam zuhören.

Den Geschäftsführer treibt aber noch etwas anderes an: Die Stellung der Kliniken im Landkreis zu stärken. "Dem Christophsbad geht es gut, wenn es allen anderen auch gut geht", sagt er. Das sei wie mit den Supermärkten, die nebeneinander säßen, weil dann beide profitieren. Bad Boll liege gewissermaßen vor der Haustür.

Das Christophsbad würde das Kurhaus ausbauen: Mit einem Pflegegebäude mit 180 Betten, das für neue Bereiche gedacht ist, mit einem Parkhaus, das in Schüben bis zu 260 Plätze bringen würde. Geplant ist auch eine Gastronomie, die für ein Kurhaus und Kurpark Standard sei, sagt Wehde.

Bürgermeister Hans-Rudi Bührle nennt die Übernahmepläne des Christophsbad eine "gute Sache". Das stärke die Rehaklinik Bad Boll, die sich einen guten Ruf erworben habe. Er ist beruhigt, dass mit dem Christophsbad eine bekannte Größe aus der Region einsteigen wolle und kein unbekannter von auswärts. Das Christophsbad habe einen sozialen Hintergrund, müsse gleichwohl auch schwarze Zahlen schreiben.

Landrat Edgar Wolff begrüßt die geplante Übernahme: "Sowohl die Rehaklinik Bad Boll als auch das Christophsbad sind traditionsreiche und sehr bedeutende Gesundheitsanbieter im Kreis. Wenn nun zwei so wichtige Einrichtungen zusammenrücken, sehe ich das als Chance für den Gesundheitsstandort Landkreis Göppingen an. Ich gehe davon aus, dass daraus eine win-win-Situation für beide Einrichtungen und darüber hinaus auch für den Landkreis entstehen wird."