Göppingen / Dirk Hülser  Uhr
Nach dem Tod einer 80-jährigen Patientin in der Klinik Christophsbad in Göppingen lässt die Gerichtsverhandlung weiter auf sich warten.

Der Fall hätte bereits Ende November 2018 vor dem Amtsgericht Göppingen verhandelt werden sollen, doch kurzfristig war der Termin aufgehoben worden. Auch heute ist noch nicht klar, wann die Hauptverhandlung gegen drei Ärztinnen des Christophsbads eröffnet wird. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, für den Tod einer 80-jährigen Patientin verantwortlich zu sein, die an Multipler Sklerose (MS) litt. Die Frau hatte im Sommer 2016 eine viel zu hohe Dosis eines Medikaments erhalten und war daraufhin gestorben.

Noch Fragen offen

Der Verhandlungstermin war deshalb abgesetzt worden, weil Fragen zu einem Gutachten offen waren. In dem Papier sei der Name eines weiteren Arztes aufgetaucht, der mitgewirkt hatte. Dessen Rolle sei noch zu klären, hieß es damals seitens des Amtsgerichts. Aktuell hat sich nun in dieser Woche die mit der Sache befasste Richterin mit dem Fall beschäftigt. Sie prüfe, ob noch ein weiteres Gutachten eingeholt werden muss, sagte der Pressesprecher des Amtsgerichts, Heiner Buchele.

Probleme mit dem Gutachten

Zwar sei die angeforderte Ergänzung des ursprünglichen Gutachtens mittlerweile beim Gericht eingetroffen, doch stelle sich jetzt die Frage, ob ein Verstoß gegen das sogenannte Delegationsverbot vorliegt. Laut Buchele hatte der Hauptgutachter weitere Mediziner mit Expertisen beauftragt, ohne das kenntlich zu machen, was so nicht zulässig sei. Wobei es durchaus üblich sei, „ergänzende Gutachtenteile“ von anderen Ärzten einzuholen, wenn dies auch transparent offengelegt werde. So ist nun also weiterhin offen, wann der Fall verhandelt wird. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass die Richterin bald einen Termin für den Prozess festlegt. 

Dann wird die Antwort auf die Frage gesucht, wer verantwortlich war: Die angeklagte Oberärztin? Ihre Kolleginnen? Ein weiterer Arzt, der bislang nicht angeklagt war? Alle zusammen?

Folgenschwerer Fehler

Bereits bei der Aufnahme der 80-Jährigen Patientin sei 2016 offenbar ein folgenschwerer Fehler passiert, berichtete im vergangenen Herbst der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Ulm, Stefan Adamski: „Es wurde angeordnet, zehn Milligramm des Medikaments zu verabreichen, man ging versehentlich von einer täglichen Verabreichung aus. Das Medikament durfte aber nur einmal wöchentlich verabreicht werden.“ Diese „missverständliche Annahme“ habe sich dann bei mehreren Ärzten der Klinik fortgesetzt.