Ausstellung Christoph Traub stellt in Göppingen aus

In und um die Oberhofenkirche sind derzeit Skulpturen und Installationen des Bildhauers Christoph Traub zu sehen.
In und um die Oberhofenkirche sind derzeit Skulpturen und Installationen des Bildhauers Christoph Traub zu sehen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 17.07.2018

Sie wiegt eben nur mal eben 800 Kilo, die Skulptur „oben-unten“ aus Granit, die vor der Kanzel in der Oberhofenkirche steht. Wie die anderen Exponate, in die am Sonntag mit einem Interview mit Bildhauer Christoph Traub durch Pfarrer Andreas Weidle im Gottesdienst und einer anschließenden Führung in und um Oberhofen eingeführt wurde, war sie eine logistische Herausforderung. Mit einem Kran mussten die gebrochenen Torsi und die Steinarbeiten „Jura Diptera“ auf ihre Stelle in der Kirche und auf der Wiese des Alten Friedhofs platziert werden.

Mit einem Gesamtkunstwerk aus Musik, Sprache und Visuellem wurde in die Welt der Kunstwerke eingeführt. Traub selbst sagte dazu: „Der visuelle Raum fängt mit Musik zusammen an zu sprechen und eröffnet neue Räume.“ Dazu beigetragen haben Klaus Rothaupt mit einer eigenen Orgel-Improvisation im barocken Stil, einem galanten Stück des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel und mit einer Nummer des Jazz-Pianisten Oscar Peterson. Das „Trio spontaneo“ führte die Spiritualität des Klangraums weiter durch ostinate Melodien und Rhythmen in poppig-rockig, teilweise mittelalterlich meditativ anmutendem Stil.

Weidle stellte während des Gottesdienstes und der Führung sprachgewaltig theologische, philosophische und psychologische Zusammenhänge her. Die fünf „Anonymen Heiligen“ des Künstlers auf den Säulen-Nischen im Chor, deren Reihe von Traub 2004 begonnen und jetzt fertiggestellt wurde, inspirierten zur Symbolik des Lichts und zu Aussagen über „Menschen wie Du und Ich mit Ecken und Kanten“.

Beim Rundgang in und um Oberhofen beantwortete Traub auch Fragen der zahlreichen Besucher zu seinen freien Arbeiten. Er denke abstrakt, arbeite aber auch figürlich, sagte er. Bei der Skulptur im Altarraum „Schlepper“ sei unklar, was der gebrochene Torso ziehe, etwas Weltliches oder etwas theologisch zu Interpretierendes. Jedoch seien  Spannung und Kontraste in und zu den Bruchstellen wichtig.

Der Aussage, die Skulptur rechts vor dem Altar „oben-unten“ stehe etwas ungeschickt, konterte Traub mit: „Dann steht sie gerade richtig.“ Die Symbolik, wer steht über wem und wie herum, war Thema des Gesprächs und der Künstler sagte zu den „Quetschungen und Faltungen“, hier sehe jeder etwas anderes: „Es schaut.“ Nach den möglichen und unmöglichen Sichtweisen auf  die glänzenden und geriffelten Granitarbeiten, die mit Maschinen bearbeitet wurden, ging es zu den „Jura Diptera“-Arbeiten im Alten Friedhof. Sie wachsen aus dem Gras heraus und stellen nach Traub „voluminöse körperhafte Zwei-Flügler“ dar.

Annerose Fischer-Bucher

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