Nenningen Chorisma brilliert mit neuem Musical

Nenningen / Sabine Ackermann 03.04.2018
Für das Musical „Mein Sohn Jesus“ erhielt Chorisma viel Beifall für den Mut, Christliches modern zu präsentieren.

Sie möchten wissen, was mit mir passiert ist? Am besten fange ich mit dem Tag an, als ich meine Cousine Elisabeth besucht habe. Übrigens, ich heiße Maria“, sitzt Selbige in einem Ohrensessel, schreibt Tagebuch und erzählt daraus: „Als ich 14 war und zum ersten Mal meine Tage bekam, musste ich die Tempelschule verlassen und kam in die Obhut von Joseph von Nazareth“.

Chorisma – Rhythm. Spirit. Groove. So präsentiert sich der Gospelchor aus Lauterstein seit vielen Jahren.  Doch seit Karfreitag gehören darüber hinaus die Attribute „modern, offen und anders“ dazu.

Bereits Tage vor der Premieren-Aufführung des Musicals „Mein Sohn Jesus“ am höchsten Fest des Kirchenjahres, meldete die Pfarrkirche St. Martinus Nenningen: Ausverkauft. Und die Erwartung war groß – sowohl bei den Akteuren, als auch beim Publikum. Denn abermals stand eine Eigenproduktion auf dem Programm, explizit für Chorisma geschrieben und mit couragierten, frischen und empathischen Elementen aus der heutigen Zeit versehen.

Ob sich das kreative Team Heinrich Heines Zitat „Ein kühnes Beginnen ist halbes Gewinnen“ zu Herzen genommen hat? Vermutlich, denn (wage)mutig waren die verantwortlichen Köpfe allemal. So erzielt das Autoren-Ehepaar Elisabeth und Uwe Franke mit den aus der heutigen Lebenswelt entnommenen eingearbeiteten Aktualisierungen einen außergewöhnlichen Kunstgriff mit Blick auf spannende Perspektivwechsel. Im Einklang entstand zusammen mit der musikalischen Leiterin Elke Lang, verantwortlich für die zur Handlung passenden Stücke aus der Gospelliteratur, sowie Regisseurin Birgit Schuck, eine rundweg harmonische Inszenierung.

Im neuen Musical erzählt Chorisma das Leben von Jesus ab dem Jahr 753 nach der Gründung Roms aus Sicht seiner Mutter Maria, die im Spannungsfeld zwischen göttlicher Prophezeiung, mütterlichen Gefühlen und Angst um ihren Sohn lebt. Als wäre es gestern gewesen, wechseln sich kurze Spielszenen mit Kaffeeklatsch, Plakatwerbung, Flashmob, einem telefonierenden Spion sowie medialer Neugier mit unglaublich schönen, mal lebensfrohen und mal tiefgründigen Liedern ab.

„Aus aktuellem Anlass berichten wir heute Nachmittag aus Golgotha, der Hinrichtungsstätte vor den Toren Jerusalems“, verkündet ein Reporter nach den hässlichen und unmissverständlichen Geräuschen aus dem Off. Hinsichtlich der intensiven Recherchen des Ehepaars Franke, erleben die Zuschauer Stationen über das Leben Jesu in der biblischen und historischen Überlieferung, aber auch über die Situation seiner Mutter Maria in der damaligen jüdischen Gesellschaft. Perfekt ausgewählt, der reiche Schatz an Gospelsongs, die von Chorisma mit melodischer Kraft, geschmeidigen Harmonien und starkem Ausdruck interpretiert werden.

Absolutes Sahnehäubchen sind die Solistinnen und Solisten aus den eigenen Reihen, die mal beschwingt, mal balladesk in kleiner Formation oder als großer Gemeinschaftschor gesanglich Gänsehautfeeling bescheren. Der Recall wäre allen gewiss. Und damit die Wirkung des freudigen Chor- und Sologesangs auch magisch bleibt, dafür sorgte die großartige Band.

Endlich einmal vier Musiker, die sich nicht – wie leider häufig zu hören – dominant in den Vordergrund drängen. Dem Gospelchor Chorisma und allen an der Aufführung Verantwortlichen ist es wunderbar gelungen, ein außergewöhnliches Musical in ein stimmiges Konzept zu bringen, dass am Schluss zu Recht mit stehenden Ovationen gewürdigt wurde.

Info Am Samstag, 21. April, kommt Chorisma mit „Mein Sohn Jesus“ in die Heilig-Kreuz-Kirche nach Uhingen, Beginn ist um 20 Uhr. Vorverkauf: Tintenfässle, Modehaus Frey, Katholisches Pfarramt und bei Elisabeth Franke in Uhingen.

Chor läutet neue Ära auf dem Land ein

Geschichte 1990 griff Gemeindereferentin Elke Lang den Gründungsgedanken von 16 musikalisch motivierten jungen Frauen und Männern auf und baute Chorisma auf. Ab 1995 läutete der auf nunmehr 30 Stimmen angewachsene Chor mit Gospels und Spirituals eine neue Ära in den eher verschlafenen Dörfern Nenningen und Weißenstein (Lauterstein) ein und ist mittlerweile eine feste Größe in der Gospelszene zwischen Göppingen, Heidenheim und Schwäbisch Gmünd.

Highlights Seit 1995 zahlreiche (Benefiz)-Konzerte, 2008 Eigeninszenierung Rockoratorium „The Passion“, vier Eigenproduktionen wie 2009 „Beyond Doubt – Wer(s) glaubt wird selig“, 2012 „Walkin’ to Heaven“, 2014 Hope-Gospelmusical und 2018 „Mein Sohn Jesus“.

Besetzung Schauspieler: Maria: Anna Bleher (jung), Sandra Gold (alt); Joseph: Hartwig Vogel; Jesus: (Stimme aus dem Off) Alwin Dir; Elisabeth: Beate Preitschopf; Maria Magdalena: Marietta Lang; Kajaphas: Michael Lang; Spion: Markus Grupp; Reporter: Robert Scheurer; Cyrenius: Christian Tröster. Weitere Solisten: Heinke Geiger, Martin Gold, Gunter Kierstein, Margit Szabo-Kobl. Band: Schlagzeuger Achim Langner, Ulrich Ludmann am Keyboard, Bassist Axel Renfftlen, Gitarrist Andreas Zanker.