Göppingen Chillen geht beim Bufdi nicht

Maurice Losch aus Reutlingen absolviert seinen Bundesfreiwilligendienst seit September 2014 im Göppinger Tierpark.
Maurice Losch aus Reutlingen absolviert seinen Bundesfreiwilligendienst seit September 2014 im Göppinger Tierpark. © Foto: Giacinto Carlucci
MICHAEL SCHORN 03.06.2015
Eine ungewöhnliche Arbeitsstelle hat Maurice Losch aus Reutlingen. Der 21-Jährige aus Reutlingen absolviert insgesamt ein Jahr lang den Bundesfreiwilligendienst im Tierpark in Göppingen.

Viele junge Erwachsene wissen nach der Schulzeit oft nicht, welchen Beruf sie ergreifen sollen und wie es in ihrem Leben weitergeht. So war das auch bei Maurice Losch aus Reutlingen. "Ich war nach dem Abitur spät dran, mir etwas zu suchen. Ich wollte irgendetwas mit körperlicher Arbeit machen", erklärt der 21-Jährige. Eigentlich hatte ihm ein Freiwilliges Ökologisches Jahr vorgeschwebt. Doch dann fand er zufällig eine Stellenanzeige, in der der Göppinger Tierpark noch einen Bewerber für den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) suchte.

Tierlieb ist Maurice Losch von Natur aus, hält zu Hause selber einen Hasen. "Ich wollte etwas mit Tieren machen und fand das Stellenangebot interessant", erklärt Losch. Also meldete er sich kurzerhand beim Tierpark und absolvierte zunächst ein einwöchiges Praktikum. "Das ist die Voraussetzung, um im Tierpark arbeiten zu können", erklärt Tierpark-Leiter Heiko Eger. "Dort lernen sich beide Seiten näher kennen und wir merken schnell, ob der Umgang mit den Tieren funktioniert."

Bei dem 21-Jährigen hat es geklappt. Seit Anfang September vergangenen Jahres arbeitet er im Göppinger Tierpark - insgesamt zwölf Monate lang. "Das tägliche Pendeln mit der Bahn von Reutlingen nach Göppingen ist schon anstrengend - und oft sind die Züge unpünktlich, auch wenn nicht gestreikt wird", berichtet Maurice. Überhaupt war die Arbeit im Tierpark nach der Schulzeit eine große Umstellung. "Das ist nicht ohne. Man ist den ganzen Tag über draußen - acht Stunden lang. Nach der Schule hatte wir immer spätestens um 13.30 Uhr frei", erklärt der Bufdi. Doch mittlerweile hat sich der 21-Jährige an den Arbeitsalltag gewöhnt.

Zwar hat man als Tierpfleger im Göppinger Tierpark viel Kontakt zu den verschiedenen Tieren - doch schmusen und streicheln sind nicht die Hauptaufgaben. "Die meiste Zeit sind wir mit der Reinigung der Gehege, der Futterzubereitung sowie dem Füttern beschäftigt", erzählt Maurice und fügt hinzu: "Chillen geht hier nicht."

Einen besonderen Draht hat der Reutlinger zu Stachelschweindame Susi aufgebaut. Gerne füttert er sie mit einer Extra-Ration Trauben. "Susi ist mir richtig ans Herz gewachsen", erklärt der junge Mann. Und zu den Javaner-Affen und den Nasenbären hat er ein gutes Verhältnis. "Lama Henry ist auch sehr sympathisch", erklärt Maurice.

Beim Bundesfreiwilligendienst geht es auch darum, die Sozialkompetenz auszubauen und sich politisch weiterzubilden. In der Nähe von München besuchte Maurice Losch insgesamt fünf Mal jeweils eine Woche lang Bufdi-Seminare, eine Woche lang gab es zusätzlich ein Seminar im Tierpark. "Bei den Seminaren in Bayern waren wir eine bunt gemischte Gruppe. Aber in einem Tierpark hat keiner gearbeitet. Das ist schon etwas Besonderes", erzählt der Tierpark-Bufdi.

Im Göppinger Tierpark fühlt er sich wohl, die Arbeit mit den Tieren macht ihm Spaß. Nach dem Bundesfreiwilligendienst hat er vor zu studieren. "Vielleicht Philosophie." Doch vorher will Maurice mit Freunden noch Osteuropa und Asien bereisen.

"Maurice ist der zweite Bufdi, den wir im Tierpark haben", erklärt Zoo-Chef Heiko Eger. "Es macht Spaß, jungen Leuten den Umgang mit den Tieren zu vermitteln und sie an die Arbeitswelt heranzuführen." Bislang habe man mit den jungen Menschen im Göppinger Tierpark nur positive Erfahrungen gemacht, betont Eger. Für die kommende Saison ist die Bufdi-Stelle im Tierpark "zu 95 Prozent schon besetzt." Interessenten können sich aber schon jetzt für die Zeit ab Sommer 2016 melden.
 



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