Historie Chapel: Feiern unterm alten Chorfenster

Göppingen / MARGIT HAAS 28.12.2017
Vor 65 Jahren wurde der Grundstein zur „Chapel“ gelegt. Heute ist sie ein lebendiger und unverzichtbarer kultureller Treffpunkt.

Farbenfroh zeigt sich die alttestamentarische Ruth mit einem Bündel Ähren auf einem Glasfenster in der „Chapel“. Sie und weitere biblische Protagonisten erinnern daran, dass es sich bei der „Chapel“ tatsächlich einmal um ein christliches Gotteshaus handelte. Ein Chorfenster dagegen, das das Pfingstwunder zeigt und von der Panzerdivision gestiftet worden war, wurde beim Abzug der Amerikaner ausgebaut und wird heute im „Patton Museum of Cavalry and Armor“ in Fort Knox in Kentucky ausgestellt.

Vor 65 Jahren, im November 1952, war der Grundstein für die Kirche, die „Chapel“ auf dem Areal der „Cooke Barracks“, gelegt worden. Ein Foto zeigt vor einem kleinen Modell der Kirche den amerikanischen Generalmajor Daniel B. Stickler, den katholischen Stadtpfarrer Gregor Wäschle und den damaligen Oberbürgermeister Christian Eberhard beim Spatenstich. Die „Chapel“ bot rund 350 Gottesdienstbesuchern Platz. Sowohl evangelische als auch katholische Militärgeistliche predigten hier, trauten Paare und tauften Kinder. Im Untergeschoss waren die beiden Pfarr­ämter eingerichtet. Beide Seelsorger nahmen aber auch regelmäßig an Manövern teil.

Mit dem Abzug der Amerikaner vor gut 25 Jahren wurde auch die Kirche aufgegeben. Zwischenzeitlich hat sie sich zu einem kulturellen Ort entwickelt, der nicht mehr wegzudenken ist. „An den Wochenenden sind wir ausgebucht bis in den April hinein“, freut sich Tamara Priwitzer. Sie steht dem Verein „Fabrik für Kunst und Kultur“ (FKK) vor, der die „Chapel“ seit Jahren mit Leben füllt. Jüngst stellte der Verein vor dem Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderates sein Konzept für die Zukunft vor. FKK hatte sehr für den Erhalt der „Chapel“ gekämpft. Denn als sich vor drei Jahren herausstellte, dass das Gebäude nicht mehr den Vorschriften zum Brandschutz entsprach, gab es nicht Wenige, die es abreißen wollten. „Zum Glück konnten wir alle Gemeinderatsfraktionen von unserem Konzept überzeugen“, freuen sich Tamara Priwitzer und ihr Stellvertreter Michael Schäfer. Und so wurde grundlegend saniert. „Es hat sich gelohnt. Wir haben durchweg positive Resonanz und konnten alle Skeptiker überzeugen.“

Die Stunden, die die Vereinsmitglieder ehrenamtlich geleistet haben, hat niemand gezählt. „Wir haben sehr viel gemacht, auch in der Krypta“, bekräftigt Tamara Priwitzer. Die wurde bereits vor zwei Jahren wieder eröffnet und lädt seither regelmäßig zu Veranstaltungen ein. Besonders beliebt ist die Kryptonite – ein Tanzevent, das zwischenzeitlich bei 20-Jährigen ebenso beliebt ist wie bei der Generation „Ü 40“.

Legendär war auch in diesem Jahr wieder die „Bellino-Party“. Alljährlich am ersten Weihnachtsfeiertag wird da in der „Chapel“ abgefeiert. Nicht nur zahlreiche Bands treten regelmäßig auf. Sie erfreut sich auch für private Feste großer Beliebtheit. Weihnachtsfeiern, Geburtstage und auch Hochzeiten werden in der besonderen Atmosphäre gefeiert. Mit vielen Veranstaltern und Organisationen wurden inzwischen enge Kooperationen geschlossen. Selbst eine Guggenkapelle hat in der „Chapel“ ihre Heimat gefunden. Michael Schäfer und die „Woodoo-Gugga“ traten als Gruppe geschlossen dem Verein bei.

Tamara Priwitzer und Michael Schäfer jedenfalls sind mit den rund 100 Mitgliedern von FKK glücklich, dass sich nach der dreijährigen Schließung „ein Team wieder zusammen gefunden hat, das sich hier engagiert. Es wird gut weitergehen. Wir sind wieder zu Hause.“

Die Geschichte des Stauferparks im Buch

Rückblick In der Veröffentlichung des Stadtarchivs „Vom Flugplatz zum Stauferpark“ ist die gesamte Entwicklung des heutigen Stauferparks seit der Gründung eines Privatflugplatzes durch den Göppinger Omnibusunternehmer Carl Hommel im Jahre 1930 reich bebildert aufgearbeitet (ISBN: 978-9333844-66-8).

Einen Überblick über den Verein „Fabrik für Kunst und Kultur“ und über alle Veranstaltung gibt die Homepage unter www.fabrikev.de

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