Göppingen Chancen für Cobet sinken

Almut Cobet beim Amtsantritt im März 2017.
Almut Cobet beim Amtsantritt im März 2017. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Dirk Hülser 17.05.2018
Die Göppinger Sozialbürgermeisterin macht sich Hoffnungen auf denselben Posten in Pforzheim. Doch die politischen Voraussetzungen haben sich geändert.

Noch vor zwei Wochen war Almut Cobet zuversichtlich: „Ich glaube, meine Chancen sind gut“, sagte die Erste Beigeordnete der Stadt Göppingen mit Blick auf die Wahl des Sozialbürgermeisters am 19. Juni in Pforzheim. Dort hat sich die 44-Jährige nach nur einem Jahr als Sozialbürgermeisterin in Göppingen beworben. Sie stand auch in Kontakt mit dem Vorsitzenden der dortigen SPD-Fraktion – diese hat auch das Vorschlagsrecht für die Besetzung der wichtigen, mit B7 dotierten Position im Rathaus der 120 000-Einwohner-Stadt. Doch nun sind Cobets Chancen gesunken, die SPD hat sich auf eine andere Kandidatin festgelegt.

„Die SPD-Fraktion im Gemeinderat und der SPD-Kreisvorstand haben nach einer Sichtung des bisherigen Bewerberfeldes die Huchenfelder Ortsvorsteherin Sabine Wagner gebeten, sich um das Amt der Sozialbürgermeisterin in Pforzheim zu bewerben“, teilt die Fraktion in einer Stellungnahme mit.

Die 30-Jährige, die keiner Partei angehört, habe in den Vorgesprächen gezeigt, „dass sie für ihre Stadt brennt und durch ihre Erfahrung vor Ort und den klaren Blick für die Probleme die Entwicklung Pforzheims voranbringen wird“.

„Gezielte Sabotage“

In dem ausführlichen Statement der Sozialdemokraten – die Bewerbungsfrist endete am 11. Mai – heißt es auch: „Das etwas ungewöhnliche Verfahren informeller Vorgespräche mit an der Stelle interessierten und wichtigen Akteuren der Stadtpolitik bereits vor Bewerbungsschluss war erforderlich, um trotz gezielter Sabotage des Verfahrens durch unverantwortliche Indiskretionen die bestmögliche Besetzung vorzuschlagen.“ Auch Cobets Bewerbung war frühzeitig bekanntgeworden, insgesamt sind im Rathaus 13 Bewerbungen eingegangen. „Mit dieser Festlegung der SPD soll nicht den anderen Bewerbern, die ja teilweise schon öffentlich wurden, die grundsätzliche Eignung abgesprochen werden. Es gab mehrere interessante Kandidaten, die aber nicht die Vertrautheit mit den örtlichen Verhältnissen haben konnten.“

Dabei kennt auch Cobet die Pforzheimer Verwaltung gut – von 2009 an war sie sechs Jahre lang auf verschiedenen Positionen im Rathaus tätig. So sagte sie gestern: „Ich bin weiter guter Hoffnung, denn ich habe auch viel Zustimmung erfahren.“ Sie sei auch von vielen Seiten motiviert worden weiterzumachen – trotz der Entscheidung der SPD für die andere Kandidatin.

Ohnehin sei die „Gemengelage in Pforzheim außerordentlich schwierig“, der 41-köpfige Gemeinderat sei „sehr zersplittert“. Cobet berichtet: „Mir haben schon mehrere Fraktionen signalisiert, dass sie sich nicht nach dem Vorschlagsrecht richten.“ Größte Fraktion ist die CDU mit 13 Mitgliedern, dann folgt die SPD mit sechs Stadträten. Die Bewerbung in Pforzheim ist der 44-Jährigen besonders wichtig, sei aber eine Ausnahme: „Ich habe mich nirgends anders beworben und ich werde mich in nächster Zeit auch nirgends anders bewerben.“

Cobets Vorgängerin Gabriele Zull war nach fünf Jahren nach Fellbach abgewandert, ließ sich dort zur Oberbürgermeisterin wählen. Ein Grund war, dass die Chemie zwischen ihr und dem Göppinger OB Guido Till nicht stimmte. Ähnlich ist es nun auch bei Cobet. Sie räumte vor zwei Wochen freimütig ein: „Die Zusammenarbeit mit dem OB verläuft nicht immer reibungsfrei.“

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