Göppingen Chagall und junge Künstler

Göppingen / MARCUS ZECHA 28.04.2012
Kunst am Bau sowie interaktive Projekte sollen Göppingens Stadtbild aufwerten. Das sieht ein neues Konzept der Verwaltung vor. Konkret ist eine Ausstellung mit Chagall-Grafiken, die 2013/2014 stattfinden wird.

Für Werner Meyer ist die Ausgangslage für Kunst im öffentlichen Raum klar: "Göppingen hat eine kulturfreie Fuzo." Für den Leiter der Kunsthalle Göppingen ein zweifelhaftes Prädikat. Um dies zu ändern, stellte Meyer am Donnerstag in der Sitzung des Kulturausschusses ein neues vages Konzept vor, mit dem das Stadtbild ästhetisch aufgewertet und dessen kulturelles Profil geschärft werden soll. Zunächst soll stärker in Kunst am Bau investiert werden. Außerdem soll alle zwei Jahre ein spannendes Kunstprojekt im öffentlichen Raum verfolgt werden. Spezielles Gewicht wird dabei auf temporäre Projekte mit jungen Künstlern gelegt. Auch die Industrie sowie Passanten will Meyer daran beteiligen. Das Ganze nennt sich partizipatorische Kunst - und ist so ziemlich das Gegenteil der bisherigen Verfahrensweise, bei der fertige Skulpturen und Objekte auf städtischen Plätzen abgestellt wurden. Die Verwaltung will nun in der nächsten Sitzung des Gemeinderats am 3. Mai abklären, ob eine derartige Kehrtwende "überhaupt erwünscht" ist, wie Bürgermeisterin Gabriele Zull es ausdrückte.

Viel weiter ist die Planung bei einem anderen wichtigen Kunstprojekt gediehen: der Ausstellung mit Originalgrafiken von Marc Chagall. Nach den Ausstellungen zu Max Ernst und Francisco de Goya in den Jahren 2008 und 2009 ist dies die dritte Schau aus dem Bereich der Klassischen Moderne, die in der Kunsthalle Göppingen zu sehen ist.

Auf Antrag der FDP/FW-Fraktion stellte Werner Meyer am Donnerstag seine Kosten-Nutzen-Aufstellung zu der Ausstellung vor. Diese ist für den Winter 2013/2014 terminiert und soll alle wesentlichen originalgrafischen Zyklen (Lithographien, Holzschnitte, Radierungen) Chagalls zeigen. Darüber hinaus sei denkbar, dass wie bei der Goya-Schau wieder ein einzelnes Gemälde oder berühmte Blätter als - Zitat Meyer - "special guests" gezeigt werden. Die inhaltliche Klammer der Arbeiten ist, dass ihnen literarische Themen zugrunde liegen, zum Beispiel "Arabische Nächte" (1948), Longus "Daphnis und Cloe" (1961), Szenen aus der Bibel (1956, 1966) und Texte von Louis Aragon.

Meyer rechnet mit 10 000 bis 15 000 Besuchern bei einer Laufzeit von neun Wochen und hofft neben regionalem Publikum auf den bildungsorientierten Tagestourismus.

Ziel der Ausstellung sei es "einerseits, die besondere Poesie in der Bilderwelt von Chagall zu zeigen, andererseits seine enge Verbundenheit mit Literatur von der Antike bis zur Gegenwart, wodurch die Blätter lesbar und deutbar werden". Damit, so Meyer, würde die Kunsthalle Göppingen ihrem Bildungsauftrag gerecht. Außerdem sei dieser Zusammenhang "noch nicht so abgenudelt" wie andere Chagall-Themenausstellungen. Neben den Bildern werden auch die Texte in der Ausstellung präsent sein.

Damit die Chagall-Schau überhaupt zustande kommen könne, seien aber zunächst mehrere unabdingbare Voraussetzungen zu erfüllen: Vor allem müsse die zweite Kuratorenstelle ab März 2013 wieder voll besetzt sein, die Kunsthalle bräuchte hygienisch und ästhetisch vertretbare Toiletten, und im Obergeschoss müsse ein kleines, ehrenamtlich geführtes Museumscafé eingerichtet werden.