Kreisergebnis CDU siegt trotz schwerer Verluste im Landkreis Göppingen

Kreis Göppingen / Helge Thiele 24.09.2017
Hermann Färber (CDU) verliert kräftig, verteidigt aber sein Direktmandat. Auch Heike Baehrens (SPD) schafft den Wiedereinzug in den Bundestag. Neu in Berlin ist der AfD-Mann Volker Münz.

Die CDU bleibt stärkste Kraft im Landkreis Göppingen, doch die Freude über den Sieg bei der Bundestagswahl am Sonntag fällt verhalten aus. Partystimmung sieht anders aus. Das liegt daran, dass die Christdemokraten im Kreis sowohl bei den Erst-, als auch bei den Zweitstimmen zum Teil erdrutschartige  Verluste hinnehmen müssen. In Aichelberg etwa saust Hermann Färber gegenüber der Wahl 2013 um 15 Prozentpunkte nach unten. Auch anderswo fällt das Minus zweistellig aus. Selbst in seinem Heimatort Böhmenkirch verliert Färber 6,3 Prozent, dort holt er aber trotzdem stattliche 62,1 Prozent der Erststimmen.

Färber kann zwar das Direktmandat im Wahlkreis Göppingen trotz der Verluste mit großem Abstand zu seinen Konkurrenten verteidigen, doch  der Sieg dürfte bitter schmecken. Das liegt vor allem an den massiven Gewinnen der AfD. Die rechtspopulistische Partei, die im Wahlkampf vor allem gegen eine ihrer Meinung nach verfehlte Zuwanderungspolitik zu Felde gezogen war, gewinnt massiv dazu, holt bei den Erst- und Zweitstimmen zweistellige Ergebnisse und schneidet in manchen Kommunen im Kreis  besser ab als auf Bundesebene: 16,1 Prozent  der Zweitstimmen in Zell u.A., 17,3 Prozent in Uhingen und Eislingen, 15,8 Prozent in Göppingen, 15,6 Prozent in Lauterstein. Das ist mehr als ein Protestlüftchen. Es ist ein Sturm – auch mit Blick auf die fast überall gestiegene  Wahlbeteiligung.

Der schwächelnden SPD im Kreis kommt da fast zugute, dass sie schon 2013 schwach abgeschnitten hatte. So ging es zwar weiter nach unten, aber der Sinkflug hielt sich am Sonntag in Grenzen. Mancherorts sind die Verluste minimal, in Wangen zum Beispiel mit minus 1,1 Prozent der Zweitstimmen. Es gibt aber auch Abstürze: minus 7,3 Prozent in Gammelshausen, minus 5,7 in Albershausen, minus fünf in Uhingen, minus 5,4 in Bad Boll.

Die Voralbgemeinde bleibt auf den ersten Blick die Oase grüner Glückseligkeit: Mit 20,9 Prozent konnte die Partei des Landesvaters in Bad Boll im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 sogar um 3,2 Prozentpunkte zulegen. Die AfD konnte allerdings auch in Bad Boll kräftig punkten und gewann 10,5 Prozent der Zweitstimmen und 10,4 Prozent der Erststimmen. Bleiben wir bei den Grünen: Sie haben in vielen Gemeinden deutlich besser abgeschnitten als im Bundesschnitt: 15 Prozent in Aichelberg, 11,7 Prozent in Uhingen, 14 Prozent in Gruibingen, 13,6 Prozent in Wangen, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch in Geislingen (12 Prozent) und Göppingen (13 Prozent) stehen die Grünen gut da.

Kräftige Gewinne holt die FDP und landet bei 17,8 Prozent in Aichelberg, 15,5 Prozent in Gruibingen, 13,1 Prozent in Wangen, 13,3 Prozent in Bad Boll, 14,4 Prozent in Albershausen, 12,7 Prozent in Göppingen. Die Liberalen sind wieder da. Entsprechend gefeiert wurde bei der Wahlparty im Restaurant „Quellenhof“ in Salach.

Leichte Zugewinne gibt es auch für die Linke: plus 0,7 Prozentpunkte in Geislingen (6,6 Prozent), plus 1,2 Prozentpunkte in Göppingen (6,3 Prozent), plus 1,2 Prozentpunkte in Eislingen (5,9 Prozent), plus 1,1 in Rechberghausen (4,6 Prozent).

Das vorläufige Gesamtergebnis des Wahlkreises Göppingen ließ am Sonntag länger auf sich warten als bei vorangegangenen Wahlen. Eschenbach und Mühlhausen waren die letzten beiden Kommunen, die ihre Zahlen ins Landratsamt übermittelten. Kurz vor 22 Uhr war es dann soweit: Die CDU stürzt demnach kreisweit auf 33,3 Prozent ab, die SPD kommt nur noch auf 17,6 Prozent, Grüne und FDP liegen fast gleichauf (12,3 und 12,6 Prozent). Die AfD schafft 14,7 Prozent, die Linke fünf Prozent. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) kommt kreisweit auf 0,1, die rechtsextreme NPD auf 0,3, die Piraten auf 0,6 Prozent.

137 587 Bürger haben am Sonntag gewählt. Das entspricht einer Beteiligung von 77,1 Prozent – gegenüber 2013 ein Plus von 3,1 Prozentpunkten. Die Zahl der ungültigen Stimmen stieg von 1649 bei der Bundestagswahl vor vier Jahren auf aktuell 2130.

Briefwähler

Die Gemeinden Wiesensteig, Drackenstein und Hohenstadt haben einen gemeinsamen Briefwahlbezirk. Dies ist notwendig, weil bei kleinen Gemeinden wie Hohenstadt und Drackenstein die Möglichkeit besteht, dass die Zahl der Briefwähler sehr gering ist. In diesem Fall wäre das Wahlgeheimnis nicht mehr gewährleistet. Deshalb muss auch die Wahlbeteiligung in den drei Gemeinden im Laufe des Wahlabends vom Landratsamt entsprechend korrigiert werden.