Kreis Göppingen CDU muss sich neu sortieren

Kreis Göppingen / HELGE THIELE 01.10.2012
Nach dem überraschend klaren Votum der Mitglieder für Hermann Färber als neuen CDU-Bundestagskandidaten steht die Kreis-CDU vor dem Umbruch. Anhänger des unterlegenen Klaus Riegert sind geschockt.

Es war eine Geste der Höflichkeit: Kurz bevor die CDU-Kreisvorsitzende Nicole Razavi am späten Freitagabend in der Bad Überkinger Autalhalle den 500 Mitgliedern das Ergebnis der Abstimmung bekanntgab, trat die Politikerin hinter Klaus Riegert, der an einem Tisch vorne vor dem Podium saß. Razavi teilte dem langjährigen Bundestagabgeordneten seine Niederlage mit und legte ihre Hand tröstend auf seine Schulter. Die Gesichtszüge des 53-Jährigen entglitten von einem Moment auf den anderen, mit versteinerter Miene und um Fassung ringend hörte Riegert zu, wie die Kreisvorsitzende anschließend das Ende seiner Abgeordnetenkarriere im Wahlkreis Göppingen verkündete. Riegert hörte, wie ihm sein erfolgreicher Gegenkandidat Hermann Färber für den fairen Wahlkampf dankte und sich bei den Mitgliedern im Saal für das große Vertrauen bedankte. Mit 305 zu 198 Stimmen hatte die Basis den 49-jährigen Vorsitzenden des Kreisbauernverbands zum neuen Bundestagskandidaten gewählt. Färber und nicht Riegert wird bei der Bundestagswahl 2013 antreten, um das Direktmandat zu verteidigen und das Ticket nach Berlin zu lösen.

Dass Riegert um sein Mandat auch innerhalb der CDU würde kämpfen müssen, war von vornherein klar. Dem Kapitän des FC Bundestag, in der CDU/CSU-Fraktion in Berlin seit Jahren zuständig für den Sport und das Ehrenamt, waren in der jüngeren Vergangenheit Fehler und Fehleinschätzungen unterlaufen. So hatte er nach seiner erneuten Heirat den Wohnsitz nach Kirchheim verlegt. In Bad Überkingen versprach er den Mitgliedern, dies noch vor der Bundestagswahl zu korrigieren - doch seine Rede kam bei der Basis bei Weitem nicht so gut an wie die seines Kontrahenten, der sich als solide-schwäbisch-katholisch-geradliniger Familienmensch präsentierte und - ohne Riegert direkt anzugreifen - kein Hehl aus seiner Überzeugung machte, dass man als Abgeordneter in Berlin mit deutlich mehr Schmackes auftreten müsse, um Projekte wie den Weiterbau der neuen B 10 voranzutreiben. Nach seinem Sieg rief Färber die Kreis-CDU zu neuer Geschlossenheit auf - wohl ahnend, dass er die unter Schock stehenden Anhänger Riegerts noch längst nicht auf seiner Seite hat. Diese hadern noch immer mit dem Umstand, dass wenige Wochen vor der Nominierungsversammlung in Bad Überkingen mehr als 100 neue Mitglieder in die Partei eingetreten waren - die meisten von ihnen kommen aus Färbers Heimatgemeinde Böhmenkirch. Das erlaubt die Satzung, doch ein Riegert-Unterstützer meinte am späten Freitagabend, man werde jetzt genau schauen, ob die neuen Mitglieder "auch tatsächlich an Bord bleiben".

Mit Spannung wird außerdem erwartet, ob sich die seit der verlorenen Landtagswahl tiefer gewordenen Gräben im CDU-Kreisvorstand schließen lassen. Das Gesicht des stellvertretenden Kreisvorsitzenden und Göppinger CDU-Landtagsabgeordneten Dietrich Birk sprach nach Färbers Erdrutschsieg Bände. Im Gegensatz zu den Mienen der Kreischefin Nicole Razavi und ihres politischen Ziehvaters, dem Ehrenvorsitzenden Hermann Seimetz. Sie verließen den Parteitag gut gelaunt.

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