Meisterkonzert Calmus-Ensemble glänzt in Weihnachtskonzert

Noch unter den Zuhörern erklang die Ankündigung der Geburt Christi. Es folgten auf der Bühne zahlreiche fein durchdachte Interpretationen in perfektem Ensembleklang.
Noch unter den Zuhörern erklang die Ankündigung der Geburt Christi. Es folgten auf der Bühne zahlreiche fein durchdachte Interpretationen in perfektem Ensembleklang. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Ulrich Kernen 08.12.2018

Wahrscheinlich war es kein Zufall, dass das Calmus-Ensemble in seinem Konzert in der Göppinger Stadthalle unter dem Titel „Weihnachten a capella“ ausgerechnet 24 Werke ausgewählt hatte.

Vorweg darf man feststellen, dass die vielgerühmte Qualität dieser Formation auf vier Säulen basiert: hervorragende, kräftige und individuelle Einzelstimmen; perfekter Ensembleklang; fein durchdachte Interpretationen und spürbare Lust und Liebe zu ihrer Musik. Am Anfang stand eine Reihe alter Musik, die aber nicht veraltet wirkte. Noch unter den Zuhörern erklang die Ankündigung der Geburt Christi.

Verblüffende Textdehnung

Häufige Imitationen und verblüffende Dehnung des Textes forderten Aufmerksamkeit. Ein Liedsatz aus Aachen mündete überraschenderweise in sehr leises Summen. Neue harmonische Zwischentöne und ein wunderbar klares und reines Sopransolo veredelten das bekannte Lied „Es ist ein Ros‘ entsprungen“. Aus Italien stammte „Lasst uns alle zusammen loben“. Das ließen sich die Herren des Ensembles nicht zweimal sagen: Angespornt durch ein Tambourin deklamierten sie mit Kraft und Überzeugung diesen Aufruf. Die fünf Werke in der folgenden Kategorie „Neue Weihnacht“ verstärkten den Grundtenor des ersten Teils: feinste Piano- und Pianissimoklänge rankten sich um das Mysterium der Geburt Jesu.

Das war unbezweifelbar hohe Kunst, aber eines fehlte noch: rückhaltloser Adventsjubel! Das lieferte am Ende dieses Teils Francis Poulenc mit „Heute ist Christus geboren“. Dieser musikalische Jubelschrei war vermischt mit Lachen und wurde zum Schluss noch gekrönt durch einen hemmungslosen Jauchzer der Sopranistin.

Johann Sebastian Bach war die Abteilung „Leipziger Weihnacht“ gewidmet. Auch das war überaus seriöse, aber keineswegs blutarme Musik aus der Heimat der Musiker. Flotte Tempi, Leichtigkeit und sehr gute Textverständlichkeit machten die Werke den Hörern zugänglich.

Waren die häufigen Beifallsunterbrechungen bisher eher störend, so musste die wachsende Begeisterung beim letzten Teil einfach raus: Amerikanische Weihnacht! Das ließ triefenden Kitsch befürchten, aber nicht so bei Könnern wie dem Calmus-Ensemble! Kurios war zunächst die indianische Version der Weihnachtsgeschichte, in der „der Große Geist“ die Fäden in der Hand hatte. Jesus lag nicht – wie für uns klar – „in Windeln gewickelt“, sondern in einem „schäbigen Gewand aus Kaninchenhaut“. Man konnte sich auch vorstellen, dass die heiligen drei Könige in Wirklichkeit Häuptlinge waren, die ihr Kostbarstes darbrachten: Fuchs- und Biberfell.

Fingerschnipsender Swing und ein delikater Calypso provozierten darauf zum ersten Mal Jubel, Bravo und Pfiffe. Auf dieser Welle schwammen dann das Programm und die Zugaben zum Entzücken aller zu Ende: Halleluja!

Eines der erfolgreichsten Vokalensembles

Das Calmus-Ensemble ist geprägt von der Tradition des Leipziger Thomanerchores. Es besteht aus Sopran, Countertenor, Tenor, Bariton und Bass und ist eines der erfolgreichsten Vokalensembles Deutschlands: mit über sechzig Konzerten im Jahr in Europa und bis zu drei Tourneen in den USA, mit Partnerschaften zu anderen renommierten Klangkörpern, unter anderem dem MDR-Sinfonieorchester und dem Raschèr Saxophone Quartet, und eigener Nachwuchsförderung, zum Beispiel in Leipzig und auf der Bachwoche in Stuttgart.

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