Roman Burkhard Sonntag liest aus neuem Roman

Burkhard Sonntag präsentierte im Christophsbad seinen Debüt­roman.
Burkhard Sonntag präsentierte im Christophsbad seinen Debüt­roman. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 06.12.2017

Auf einer Reise nach England, wo er sechs Jahre gelebt hat, sei so ziemlich alles schief gegangen, erzählte Autor Burkhard Sonntag, Arzt im Göppinger Christophsbad, nach seiner Lesung im dortigen Herrensaal. Das habe ihn zusammen mit der Finanzkrise 2008 dazu bewogen, seinen Erstlingsroman „Reise nach Lyonesse“ zu schreiben.

Sonntag hat damals Banker kennengelernt, die während der Finanzkrise einfach aus ihrem Job geflogen seien. Seine Hauptfigur, der erfolgreiche Investment-Banker Ben Whitcombe, spiegelt diese Situation und erlebt nach dem Jonglieren mit Millionen ebenfalls den Verlust von Job, Wohnung und von Frau Jessica. So macht er sich auf den Weg von Budapest nach London, um dort neu anzufangen. Dabei trifft auf mehrere merkwürdige Gestalten, die ihn kennen, er sie jedoch nicht, bis er erfährt, dass es sich um eine geheime Bruderschaft handelt. Da sie Ben immer ein Stück weit voraus sind, beginnt er über sein Verhalten nachzudenken.

Der Autor versichert am Ende seiner Lesung, dass alles gut ausgehen werde. Sonntag erzählt chronologisch, linear und feinsinnig die Geschichte seiner Hauptfigur aus deren Blickwinkel. Er beschreibt minutiös die jeweiligen Orte und Plätze der Handlung wie Budapest, Wien, Salzburg, London, Cornwall oder etwa Interieurs wie das eines vornehmen Londoner Clubs. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Dialogen, die Ben etwa mit Francesco führt. Dieser gibt ihm einen Umschlag.mit den Worten: „Deine Bestimmung ist es, neue Wege zu finden.“ Bens Reaktion: Was für ein merkwürdiges Spiel?

Zu den eindrucksvollsten Stellen im Buch zählen Bens Gespräche mit Unbekannten wie dem Obdachlosen oder dem mysteriösen Fremden und einzigen Gast in einem Hotel in den Alpen bei nebligem Wetter, der sagt: „Es ist nicht alles so, wie es scheint.“ Das Rätselhafte – manchmal ist man inhaltlich, nicht sprachlich, an Kafka erinnert ­– durchzieht das Buch und wurde in der Lesung durch eigene Reisefotos von Sonntag mit unterlegter Musik zwar einerseits beruhigt, aber andererseits auch verstärkt. Das bekannte Zither-Motiv aus dem Film „Der dritte Mann“ oder Ausschnitte aus Kompositionen von Händel oder Elgar trugen dazu bei. Annerose Fischer-Bucher

Info Burkhard Sonntag: Reise nach Lyonesse, 2017, Selbstverlag, 9,99 Euro, ISBN 978-3-744817585.