Göppingen Bunt gemischtes Lesevergnügen

Die Autoren ließen die Zuhörer auf dem Kornhausplatz an ihren Lebensgeschichten teilhaben.
Die Autoren ließen die Zuhörer auf dem Kornhausplatz an ihren Lebensgeschichten teilhaben. © Foto: Sabine Ackermann
Göppingen / SABINE ACKERMANN 18.07.2016
Bei der Sommerlesung auf dem Kornhausplatz trugen die Autoren ihre Lebensgeschichten mit Erlebnissen aus der Nachkriegszeit und aus der Heimat vor.

Frisch war es bei der Sommerlesung, die zumindest was die Temperaturen betraf, besser in den Herbst gepasst hätte. Insofern begrüßten einige von den mehr als 40 Zuhörern, den Decken-Service des Cafés am Kornhausplatz.

Zum Auftakt erzählte Christa Rücker mit „Ein Lausbubenmädchen von der Schwäbischen Alb“ aus ihrer Kindheit der Nachkriegszeit, über den Alltag in der Dorfgemeinschaft in Sontheim im Stubental.

„Es will mir unerträglich erscheinen, das Hakenkreuz an Kirchen zu sehen“, hatte  Eugen Jäckh bereits im März 1933 zum Erlass des Oberkirchenrates geschrieben. Von 1911-1921 war der in Stuttgart geborene Pfarrer geistlicher Mitarbeiter von Christoph Blumhardt im Bad Boller Kurhaus. Eindringlich ließ Christian Buchholz Lebensgeschichten aus seinem Buch „Gottes Geist im Filstal“ Revue passieren, erzählte unter anderem auch von Maria-Katharina Müller, bekannt als „Dui Kättr von dr Alb“ sowie als Stadtführerin unter dem Titel: „Drei Weiber bummeln durch Göppingen“.

Gleichfalls keine Unbekannten sind die acht Frauen aus acht Ländern der „Göppinger Schreibwerkstatt“, die jeweils eigene Texte über ihre Erfahrungen in den Ursprungsländern sowie ihre neue Heimat Deutschland zum Besten gaben. Ganz unterschiedlich lange sind sie hier.

Lucia D`Amaro kam 1962 aus Italien, ein Jahr später folgte Ruza Rikanovic (Text: Unter dem Walnussbaum) aus Kroatien, Than Hai Nguyen kehrte 1990 Vietnam den Rücken und Angeline Fischer (Innere Stärke) verließ vor 18 Jahren Kanada. Jeweils erst seit vier Jahren im Landkreis leben die Rumänin Ana–Maria Weinreich sowie Claudia Tores aus Mexiko (Generationsunterschiede) im Landkreis. Manche lasen flüssig, mit kaum hörbarem Akzent, andere wiederum wie Hacer Basoglu aus „Maulbeerbaum und Linsensuppe“ extrem langsam, deutlich und sehr akzentuiert. 1973 fuhr die Türkin aus ihrem Dorf Corum los und landete als erstes in Dettingen/Teck.

Verständnisschwierigkeiten gab es nur wegen der gegenüberliegenden Baustelle oder ständig vorbeifahrenden Autos. Der ein oder andere Passant verweilte und lauschte zum Beispiel Armi Roth-Bernstein-Wiesner.

„Mit Mummo in der Sauna“ sowie „Im Regen“ liebte es die Finnin kurz und knackig, während andere, wie die Thailänderin Diew Enphob, (kam 2006) mit „Die Großeltern“ oder „Im Reisfeld“, es recht ausführlich hielten.

Von der Vielfalt des Landlebens der früheren sechziger Jahre erzählte Karl J. Schönweiler aus seinem neuesten Werk: „Schlotzer für a Zehnerle“. Durch Botengänge oder Mithilfe bei den alten Handwerksbetrieben wie Küfer und Wagner verdient sich der junge Till die notwendigen Kreuzer für besondere Geschenke. Natürlich lernt er dabei die Eigenarten der Dörfler kennen, weiß der 62-jährige Vielschreiber in gewohnt schwäbischem Dialekt zu berichten.

Weitere Lesungen gab es von Martin Hummel, der „Hosenspannes und Marschmusik“ aus der Feder seines verstorbenen Vaters Karl Hermann Hummel präsentierte sowie zu guter Letzt: „Der Mordfall Kozuszek im Brennpunkt der deutsch-polnischen Beziehungen“ von Sybille Eberhardt.

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