Protest Bürgerinitiative kämpft gegen Windkraftanlage

Entstehen zwischen Wangen und Adelberg 200 Meter hohe Windräder? Eine Bürgerinitiative im Schurwald läuft gegen das Projekt Sturm.
Entstehen zwischen Wangen und Adelberg 200 Meter hohe Windräder? Eine Bürgerinitiative im Schurwald läuft gegen das Projekt Sturm. © Foto: Kuhnhäuser
Kreis Göppingen / HELGE THIELE 07.04.2014
Nächste Woche kommt der Minister. Dann nimmt das Windkraft-Projekt auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Depots im Schurwald eine wichtige Hürde. Doch der Bürgerprotest geht weiter.

Es geht um das "Windvorranggebiet GP-03". So heißt die Fläche auf den Gemarkungen Wangen, Uhingen, Adelberg und Schorndorf, in dessen Zentrum das frühere Bundeswehr-Depot liegt. Ein Konsortium aus vier Unternehmen prüft dort den Bau und Betrieb einer Windkraftanlage. Im gemeinsamen Boot sitzen die Energieversorgung Filstal (EVF) aus Göppingen, die Stadtwerke Fellbach, die Stadtwerke Schorndorf und die Stadtwerke Tübingen. Sie hatten sich 2013 erfolgreich um die von der Landesforstverwaltung (ForstBW) ausgeschriebene Fläche beworben.

Der 15. April ist für das Konsortium ein wichtiger Termin: An diesem Tag kommt der Minister für den ländlichen Raum, Alexander Bonde, in den Schurwald, um den Investoren den Gestattungsvertrag zu übergeben. Mit dem Papier erhält das Stadtwerke-Konsortium die notwendigen Nutzungsrechte für den Standort. Es gibt eine Feier mit Stehempfang, der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer wird die Gäste im ehemaligen Bundeswehr-Depot begrüßen.

Katja Bühler und Pit Gaiser werden trotzdem nicht aufgeben. Denn noch gibt es die Windräder nicht. Und daran soll sich nach dem Willen der Mitglieder der Bürgerinitiative Berken auch nichts ändern. Ihren Protest begründen Bühler, Gaiser und ihre Mitstreiter aus verschiedenen Schurwaldgemeinden mit einem ganzen Bündel von Argumenten. Kritisiert werden die massive Eingriffe in die Natur, weil Wald gerodet werden müsste, der drohende Wertverlust von Immobilien und die sinkende Lebensqualität, da ein wichtiges Naherholungsgebiet zerstört würde.

Vor allem aber lehnt die Bürgerinitiative, die sich inzwischen mit anderen Gruppen vernetzt hat, die nach ihren Angaben geplanten "sechs Fernsehtürme" ab, weil die Erzeugung von Windkraft an diesem Standort nach ihrer Meinung "völlig unwirtschaftlich" ist. Gaiser wirft insbesondere der grün-roten Landesregierung "blinden Aktionismus" vor und stellt die Frage in den Raum: "Sind Windräder in Baden-Württemberg, gebaut an ungeeigneten Standorten und somit nicht wirtschaftlich, wirklich der richtige Weg zur Energiewende?" Trotz staatlicher Zuschüsse arbeiteten von 420 Windkraftanlagen im Land 400 mit Verlusten, rechnet Gaiser vor und kritisiert eine Schieflage zwischen der möglichen und der tatsächlichen Nennleistung der meisten Anlagen. Auch die im Rahmen der Bürgerbeteiligung vorgelegten Zahlen für das mögliche Windkraft-Projekt im Schurwald halten Gaiser und Bühler für unrealistisch. "Es gibt bei uns einfach zu wenig Wind. Deshalb produzieren die Anlagen zu wenig Strom", sagen sie und wollen sich weiter gegen "den subventionierten Wind-Wahnsinn" im Land wehren. Wulf-Henrik von Krosigk, der Vorsitzende der Bürgerinitiative Berken, befürchtet, dass am Ende "der kleine Bürger für Fehlinvestitionen der Stadtwerke haftet".

Im Schurwald geht es um geschätzt rund 25 Millionen Euro, die möglicherweise in eine Windkraftanlage investiert werden sollen. Das Argument, dass die vier Energieunternehmen nur bauen, wenn sich das Vorhaben auch rentiert, beeindruckt die Mitglieder der Bürgerinitiative nicht.

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