Acht Standorte für Windkraftanlagen, die in den Landkreisen Esslingen, Rems-Murr und Göppingen liegen, sieht die Planung des Verbandes Region Stuttgart für das Schurwaldgebiet vor. Wenn am Mittwoch der Planungsausschuss der Regionalversammlung dem Verwaltungsvorschlag folgt, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort einmal Windräder drehen.

Die Planung sieht für den Schurwald den zweitgrößten Windkraftstandort der gesamten Region vor. Es handelt sich um das nördlich von Esslingen, Altbach und Plochingen gelegene 269 Hektar große Gebiet Burgstall / Kaiserstraße / Weißer Stein. Für die Schurwald-Gebiete, die im Kreis Göppingen liegen, sind nach derzeitigem Stand Flächen von elf Hektar (bei Wäschenbeuren) bis 94 Hektar (zwischen Adelberg und Plüderhausen) vorgesehen.

Dagegen machen Bürgerinitiativen mobil, die im Verein Natur - Mensch zusammenarbeiten. Sie sehen in den Windrädern sowie der geplanten Höchstspannungsleitung durch den Schurwald eine "Industrialisierung unserer Heimat", so die Vereinsvorsitzende Gerti Stiefel.

Der Verein setzt sich für eine "Energiewende mit Augenmaß" ein. Die Bürgerinitiative (BI) ist zwar für die Abkehr vom Atomstrom, hält aber die Energiewende für übereilt und konzeptionslos. Für den massiven Ausbau der Windkraft und der dafür notwendigen Infrastruktur wie Stromtrassen und Speicher würden Landschaft und Lebensräume geopfert.

Gertie Stiefel hebt die Unzuverlässigkeit der Energieträger Sonne und Wind hervor, deswegen müsse die schwankende Energieerzeugung durch Gas-, Öl- und Kohlekraftwerke abgepuffert werden. Die doppelte Struktur müssten Steuerzahler und Verbraucher finanzieren. Die BI bezeichnet die Windräder als "gigantische Windindustrieanlagen". Sie vermutet, dass die Stromtrasse, die durch den Schurwald gezogen werden soll, auch dazu dienen wird, den bei starkem Wind anfallenden Strom abzutransportieren.

Um den vermuteten Eingriff ins Landschaftsbild darzustellen, welche die rund 200 Meter hohen Windräder sowie die Masten der 380-Kilovolt-Leitung verursachen werden, hat die Bürgerinitiative Fotomontagen hergestellt. Sie sollen aus der Perspektive verschiedener Schurwaldgemeinden zeigen, wie sich Windräder und Stromleitungen auswirken werden. Die BI verweist auch auf die historisch bedeutsame Landschaft mit den Dreikaiserbergen und dem Albtrauf.

Wie stark sich einmal das Landschaftsbild verändern wird, ist allerdings noch völlig offen. Den im Verlauf der weiteren Fortschreibung der Standortplanung werden vermutlich noch Standorte wegfallen, weil zum Beispiel Rücksicht auf Vögel genommen werden muss. Die Regionalverwaltung weist darauf hin, dass diese Abwägung erst im Herbst erfolgen wird.

Zudem wird eine abschließenden Bewertung vorgenommen. Dies sei aber erst möglich, wenn offene Fragen eingearbeitet sind, macht die Region in einer Vorlage für den Planungsausschuss deutlich. In der Gesamtabwägung wird untersucht, ob sich in einem Gebiet viele geeignete Standorte ballen, so dass Dörfer von Windrädern umstellt würden. Ist dies der Fall, müssten Standorte wegfallen oder reduziert werden.