Comedy Bülent Ceylan brilliert in Göppingen

Göppingen / Sabine Ackermann 12.02.2018
Fast 4000 Besucher lassen sich von Bülent Ceylan mit dem neuen Programm „Lassmalache“ therapieren. Besonders brilliert der Comedian im Kontakt mit dem Publikum.

Endlich! Nach zwei Jahren Entzug heißt es wieder: Klasse Stimmung, tolles Bühnenbild, ausverkauft. Das ist nicht selbstverständlich, findet Bülent Ceylan, der diesmal als Zirkusdirektor vor „einer Halle von wilden Tieren“ steht. Alles Fans, von denen die ersten bereits um 14 Uhr Einlass in die EWS-Arena begehrten, die von überall her zur Therapiestunde „Lassmalache“ angereist sind.

Sprüche zum Vaterland? Die Zuschauer gieren danach. „Wo kommsch her, wer bisch?“, spontan spielt der „Türk aus Mannem“ mit dem Publikum und wird mit seinem multikulturellen Riecher stets fündig. Stellt dem Italiener Andreas Fragen zur WM und verrät der Polin Sandra: „Ich war dort auch mal Austauschschüler, habe aber alle Sachen wieder mitgenommen.“ Und hat als guter Improvisator natürlich einen echten Klassiker auf Lager: „Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und einem Polen? Der Pole weiß, was dir fehlt.“

Trotz seiner Sprüche, seinem Witz, vielseitigem Rollenspiel nebst Headbanging – Bülent Ceylan ist im Schwabenalter und damit offenbar ernster und ruhiger geworden, schaltet auf der Bühne einen Gang runter. Aber auch wenn das zehnte Programm nicht sein bestes ist: Langweilig ist es nicht. Die Leute befinden sich schnell im Lachmodus. Als selbsternannter „Bülent von Hirschhausen“ plaudert er über die gesunde Wirkung des Lachens und stellt fest: „Vor dem Witz sind alle gleich, Hauptsache, wir lachen gemeinsam.“

Natürlich hat der 42-jährige Comedian wieder seine vier Assistenten Anneliese, Harald, Hasan und Mompfred mitgebracht. So schätzt Antibrain Harald, der vom Berliner Flughafen eine Absage wegen Überqualifizierung erhalten hat, gleichfalls den heimischen Humor. „In Mannheim haben sie einen von außen verstellbaren Innenspiegel erfunden“, berichtet Harald.

Zwischendrin plaudert das „Original“ über seine Familie, erzählt von seinem armen türkischen Opa, dessen Zähne einst vor Kälte sogar im Glas geklappert hätten. Bisweilen wird Bülent Ceylan sentimental, wenn er zum Beispiel ans Briefeschreiben denkt. „Früher, da haben die Menschen noch überlegt, ob das, was sie schreiben, auch wichtig ist“, betont er und macht sich stark für den persönlichen Kontakt. Seine Themen sind vielfältig, so darf auch die Politik mit Merkel, Gauland, Trump, Kim Jong Un, Putin und Hitler nicht fehlen. Nur Erdogan lässt er außen vor, interpretiert dafür mit verstellter Stimme eine Frühstücksszene des stets präsenten Diktators: „Adolf, du hast sechs Brötchen gegessen“, stellt Eva erstaunt fest. „Das ist richtig Eva, ich habe ja auch eine SS-Störung“.

Doof findet Ceylan dagegen die Einhorn-Manie auf Klopapier, da hätte sich doch Trumps Konterfei besser gemacht. Erstaunlich gut präsentiert sich Bülent „Xavier“ Ceylan als Sänger. „Ohne euch ist es so dunkel hier“, singt er, derweil sich die Halle während der Ballade in ein Lichtermeer verwandelt. Auch der Rocktitel konnte sich hören lassen.

Am Schluss gab es ein gerührtes Dankeschön für Standing Ovations des Publikums.