Uhingen Brutalität gibt zu denken

Die Hemmschwelle ist niedriger geworden und die Brutalität nimmt zu, sagt Claus Grözinger, Jugendsachbearbeiter der Polizei Uhingen. Foto: Polizei
Die Hemmschwelle ist niedriger geworden und die Brutalität nimmt zu, sagt Claus Grözinger, Jugendsachbearbeiter der Polizei Uhingen. Foto: Polizei
SWP 27.03.2013
Die Brutalität bei der Schlägerei unter Schülern im Dezember vergangenen Jahres in Uhingen gibt auch der Polizei zu denken. Karin Tutas hat mit Jugendsachbearbeiter Claus Grözinger über den Vorfall gesprochen.

Herr Grözinger, welche Erkenntnisse hat die Polizei über die Schlägerei im Dezember?

CLAUS GRÖZINGER: Wir sind noch mitten in den Ermittlungen. Diese gestalten sich sehr zeitaufwändig, weil bei dem Vorfall in der Haldenbergstraße rund 40 Jugendliche als Schaulustige und/oder Zeugen beteiligt waren. Bei so vielen Beteiligten ist sehr viel Kleinarbeit notwendig, um die Wahrheit herauszufinden. Fest steht aber, dass zwei 14-Jährige schwer verletzt wurden. Einer der Jungen musste stationär in der Klinik behandelt werden. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, dürfen wir aber keine weiteren Auskünfte geben.

Wie hat Sie dieser Vorfall persönlich berührt?

GRÖZINGER: Ich bin seit 32 Jahren im Revier Uhingen als Jugendsachbearbeiter tätig und muss zugeben, dass mir das Ausmaß der Gewalt, das sich bei diesem Vorfall offenbar hat, zu denken gibt. Wir beobachten, dass die Hemmschwelle niedriger geworden ist und die Brutalität zugenommen hat.

Gibt es in Uhingen einen besonderen Brennpunkt oder schwelende Konflikte, die zu dieser Auseinandersetzung führten?

GRÖZINGER: Keinesfalls. Die Schlägerei lässt sich nach unseren Erkenntnissen weder auf eine Rivalität unter Deutschen und Ausländern oder unter Schülern der drei Schulen zurückführen, noch sieht die Polizei in dem Vorfall ein Indiz, dass es in Uhingen besonders hoch hergeht oder ein Unruheherd unter den Jugendlichen köchelt. Im Gegenteil: Uhingen hat im Arbeitskreis Jugend ein sehr gut funktionierendes Netzwerk. Es wird sehr viel getan und durch die Schulsozialarbeiter wird viel abgefangen. Die Polizei wurde in Uhingen in den vergangenen Jahren wesentlich weniger oft zu Konflikten hinzugerufen.

Wie ist es zu erklären, dass es trotz aller Prävention zu solch einer Eskalation der Gewalt kommt?

GRÖZINGER: Wir beobachten mit Sorge, dass viele Konflikte über die sozialen Netzwerke im Internet ausgetragen werden und sich hochschaukeln. Leider wird oft alles dort verbreitete ungeprüft für bare Münze genommen. Dazu kommt, dass fast jeder Schüler heute ein Smartphone hat und sie sich in rasanter Geschwindigkeit verabreden. Das bekommen im Vorfeld weder die Lehrer noch wir als Polizei mit. Erst im vergangenen Jahr konnten wir dank eines Hinweises und mit Hilfe der Schulleiter einen solchen Showdown verhindern. Da saßen Jugendliche aus dem Kreis bereits im Zug, um sich die "Show" nicht entgehen zu lassen.

Auch bei der Uhinger Schlägerei standen viele Schaulustige herum. . .

GRÖZINGER: Ja, das ist immer wieder ein Problem, denn viele sind sich nicht bewusst, dass dadurch solch ein Vorfall eine ganz besondere Dynamik bekommt. Viele sind sich auch nicht bewusst, welch schlimme Folgen solch ein Streit haben kann, der vielleicht mit einer zunächst harmlos scheinenden Rangelei beginnt. Aber positiv ist dennoch zu vermerken, dass zwei Schüler in der aufgeheizten Situation Zivilcourage bewiesen und erste Hilfe geleistet haben. Hut ab.

Was kann man tun, um die Prävention zu forcieren?

GRÖZINGER: Da ist in Uhingen schon viel angelaufen. Die Initiative Sicherer Landkreis bietet am 29. und 30. April zwei Aufführungen der "Wilde Bühne" Stuttgart zum Thema Gewalt an. Die Polizei wird dabei sein und Fragen beantworten. Das kann aber nur der Auftakt sein, das ist den Verantwortlichen in Uhingen bewusst.