Es ist noch gar nicht lange her, als der Gruibinger Heinz Schopp auf seine 25 Jahre im Gemeinderat zurückblickte und bedauerte, dass aus dem Gewerbegebiet Erlenbach nicht mehr geworden ist, als es heute darstellt. Gedacht war es zur Aussiedlung von Gruibinger Betrieben, denen es im Ort zu eng geworden ist. Jetzt tut sich was: Die Lammbrauerei braucht einen neuen Platz für die Zukunft. „Das ist eine Generationenaufgabe“, sagt Firmenchef hans-Dieter Hilsenbeck. Die Brauerei wolle sich für die Zukunft aufstellen, und die nächste Generation stehe mit Sohn Christoph in den Startlöchern. Peu à peu wollen die Hilsenbecks an den Erlenbach hinausziehen, das ist ein Plan auf zehn Jahre und mehr – und trotzdem in der Ortsmitte bleiben. Ihr traditionsreicher Gasthof und das Gelände im Rückraum sollen weiterhin genutzt werden, dann in entspannter Situation. Den Getränkemarkt kann man dann erweitern, sagt Hilsenbeck, und mit der Gastronomie könne sich auch wieder mehr entwickeln. Der Gasthof werde auch jetzt genutzt, betont Hilsenbeck „wir machen viel für Gruppen“. An Wochenenden ist da was los.

Stützwand wird nicht billig

Schopps Nachfolger im Gemeinderat können sich freuen. Sie tun auch was dafür. Viel sogar. Denn: Die Gemeinde ist gefragt, den Gewerbebauplatz am Erlenbach zu erschließen. Je nachdem muss eine Stützwand zur Straße hin eingezogen werden, das Gelände fällt bis zu anderthalb Metern ab, erläuterte Bürgermeister Roland Schweikert im Gemeinderat. Wenn man eine Mauer von viereinhalb Metern braucht, weil man drei Meter in den Berg rein muss – was kostet die Gründung? Oder soll man es mit einer Böschung lösen? So schlägt es Gemeinderat Hans Ströhle vor. Aber: Dann geht auch wieder Fläche verloren. Und der Betrieb komme damit eigentlich nicht hin, sagt Schweikert.

Auch das Gelände ist ein Faktor. „Wir müssen es total verändern“, sagt der Schultes. Die Frage sei, ob man abgraben und auffüllen kann, ob man kalken oder verdichten kann oder muss. Noch ist es Spekulation, was das alles kostet. Die Prognose eines Planers sei: man komme mit der schwarzen Null raus, sagt der Schultes. Er selbst sei pessimistisch: „Wir zahlen 100 000 Euro drauf.“

„Imagewert für Gruibingen“

Wenn es so kommt – die Gemeinde schluckt diese Kröte. Denn: „Wir halten einen Betrieb am Ort“, sagt Schweikert. Und da gibt es auch eine Gegenrechnung. Der Betrieb zahle Gewerbesteuer, und er brauche viel Wasser, was sich günstig auf den Wasserpreis auswirkt. Ohne Brauerei, so Schweikert, „würde er mindestens um 20 Prozent steigen. Es gibt auch einen ideellen Vorteil. Die Gruibinger Brauerei ist nicht irgendein Betrieb: „Das ist ein Imagewert für Gruibingen“, sagt Hans-Dieter Bötzel. „Das ist eine Marke.“ Man müsse alles dransetzen, damit die Verlagerung gelinge. „Wir werden eine Lösung suchen müssen und finden.“

Es hätte auch anders kommen können: Dass die Lammbrauerei abwandert. Das will Hilsenbeck zwar nicht. Er findet: „Die Gruibinger Brauerei gehört schon nach Gruibingen.“ Aber er schaut sich schon seit zwei Jahren um, was geht und was nicht, und es sah es nicht so aus, als würde er die notwendigen Grundstücke am Erlenbach bekommen. Er hat dort zwar selbst Besitz, aber viel zu wenig. Er muss zukaufen. Die Gemeinde, verrät er, habe sich sehr stark dafür eingesetzt. Speziell auch Gemeinderat Hans-Dieter Bötzel. So habe man es noch hingekriegt.

„Es war fünf vor zwölf“

Hilsenbeck wäre auch in einer Nachbargemeinde willkommen gewesen. Da seien die Verhandlungen schon weit gediehen gewesen, weiß der Schultes. Er war alarmiert. „Es war fünf vor zwölf. Entweder hop oder top. Sonst wäre die Unterschrift unter dem Vertrag gewesen.“

Bei einer Enthaltung beschloss der Gemeinderat, in die Materie einzusteigen. Die Vergabe von Bodenuntersuchungen an ein Ingenieurbüro fiel mit sechs gegen zwei Stimmen bei einer Enthaltung. Dabei ging es auch darum, ob man ein zweites Angebot einholen solle. Der Schultes glaubt nicht, das dies viel bringen könne. Wert legt der Gemeinderat darauf, dass Ergebnisse, die gegebenenfalls nur dem Bauherrn nützen, auch mit diesem verrechnet werden.

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